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Cover von The Crack in the Cosmic Egg — Steven Freeman and Alan Freeman
Coverbild über Open Library · ISBN 9781914458729
Leseraum · Buch 004

The Crack in the Cosmic Egg

Steven Freeman and Alan Freeman

Kein Einsteigerbuch, sondern ein Tunnelsystem

Erstmals veröffentlicht1996
VerlagAudion
Ausgewählte AusgabeISBN 9781914458729
30th Anniversary Edition, 2026Hunderte, von Can und Kraftwerk bis hinaus in obskure deutsche Progressive-, Elektronik-, Fusion- und Experimental-MusikKrautrockKosmische Musik

Kein Einsteigerbuch, sondern ein Tunnelsystem

Wenn Krautrocksampler eine handgezeichnete Schatzkarte und Future Days eine Kulturgeschichte ist, gleicht Steven und Alan Freemans The Crack in the Cosmic Egg eher einem unterirdischen Verkehrsnetz. Es richtet sich an Leser, die bereits entdeckt haben, dass „Krautrock“ als Wort zu klein ist und wissen wollen, was hinter den bekannten Stationen liegt.

Die Originalausgabe von 1996 trug den beeindruckenden Untertitel Encyclopedia of Krautrock, Kosmische Musik & Other Progressive, Experimental & Electronic Musics from Germany. Diese Beschreibung trifft zu. Die Freemans interessierten sich nicht nur für Can, Kraftwerk, Neu! und Faust. Ihr Projekt reicht in Progressive Rock, elektronische Musik, Fusion, Psychedelia, Folk, Jazz und zu zahlreichen Künstlern, die in englischsprachigen Mainstream-Geschichten kaum auftauchten.

Auch das Projekt selbst blieb nicht stehen. Es wuchs in elektronische Ausgaben und verwandte Veröffentlichungen hinein, und im Mai 2026 brachten Autoren bzw. Verlag eine umfangreiche gedruckte 30th Anniversary Edition heraus. Für eine RetroForge-Seite im Jahr 2026 ist dieses Update entscheidend.

Von der Kult-Enzyklopädie zur 30th Anniversary Edition

Schon die Druckausgabe von 1996 war ein tiefgehendes Nachschlagewerk. Bibliotheksdaten beschreiben einen 288-seitigen Band, veröffentlicht von Audion in Leicester. Das Buch wurde Teil jener Spezialliteratur, die englischsprachigen Sammlern half, deutsche experimentelle Musik zu erschließen, als vieles davon noch schwer zu finden war.

In den folgenden Jahrzehnten wuchs das Projekt weiter. Eine elektronische Ausgabe von 2020 erweiterte die Datenbasis enorm und funktionierte eher wie eine große Offline-Website als wie ein konventionelles E-Book, inklusive tausender Einträge, Bilder und weiterer Medien.

Die 30th Anniversary Edition von 2026 bringt das Projekt in dramatisch erweiterter Form zurück in den Druck. Der Verlag nennt einen A4-Band mit insgesamt 484 Seiten, darunter Hunderte Textseiten sowie Farb- und Schwarzweiß-Bildteile. Die angegebenen Zahlen sind gewaltig: 1.587 Künstler, 4.039 Alben und 116 Various-Artists-Veröffentlichungen.

Dieser Maßstab verändert die Art, wie das Buch beurteilt werden sollte. Es versucht nicht, eine saubere Geschichte von 1968 bis 1978 zu erzählen. Es versucht zu verhindern, dass obskure Seitenzweige verschwinden.

Was macht es anders?

Mainstream-Geschichten konzentrieren sich naturgemäß auf die Künstler mit der größten kulturellen Reichweite. Das ist sinnvoll, wenn der Leser verstehen will, warum Kraftwerk oder Can wichtig waren. Es wird begrenzend, sobald andere Fragen auftauchen: Was geschah sonst noch im deutschen Jazz-Rock? Welche elektronischen Privatpressungs-Künstler existierten außerhalb der offensichtlichen Labels? Welche Progressive-Gruppen schafften es nie in den britischen Kanon? Was geschah nach der angeblich klassischen Krautrock-Ära?

The Crack in the Cosmic Egg ist genau für solche Fragen gebaut.

Die Autoren kamen aus der spezialisierten Fanzine- und Plattenhändlerwelt rund um Audion und Ultima Thule. Dieser Hintergrund erzeugt eine andere Art von Autorität als die eines Mainstream-Musikjournalisten oder akademischen Historikers. Sie ist katalogtief, sammlerorientiert und bereit, Künstlern Raum zu geben, die vielleicht nur einen winzigen aufgenommenen Fußabdruck hinterlassen haben.

Der Leser wird das Buch deshalb wahrscheinlich nicht linear benutzen: eine Band nachschlagen, einem verwandten Musiker folgen, ein Label entdecken, auf ein weiteres Album stoßen und drei Stunden im Netzwerk verschwinden. Dieses assoziative Abdriften ist kein Mangel an narrativer Disziplin, sondern genau das, was eine gute Spezialenzyklopädie fördern sollte.

Warum es in den RetroForge Reading Room gehört

RetroForge baut verknüpfte Geschichte statt einer Reihe isolierter „Top Ten“-Artikel. Ein Nachschlagewerk wie dieses ist wertvoll, weil es verbindendes Gewebe sichtbar macht. Musiker wechseln zwischen Gruppen. Labels verbinden Szenen. Ein Künstler, der mit Progressive Rock verbunden wird, kann ebenso im Free Jazz oder in elektronischer Musik auftauchen. Eine obskure Veröffentlichung kann einen Klang erklären, der später anderswo berühmt wird.

Außerdem wirkt das Buch gegen kanonischen Tunnelblick. Wenn ein Genre erneut populär wird, ziehen häufig dieselben zehn Künstler beinahe die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Tiefe Nachschlagewerke halten dagegen, indem sie zeigen, wie viel außerhalb des Zentrums geschah.

Für die Website sollte diese Seite deshalb anders gerahmt werden als eine konventionelle Biografie. Die Frage lautet nicht: „Ist dies eine unterhaltsame Geschichte?“, sondern: „Welches Forschungsproblem löst dieses Buch?“

Stärken

Tiefe ist die offensichtliche Stärke. Der Umfang der aktuellen Ausgabe spiegelt Jahrzehnte gesammelter Spezialarbeit wider, während die stilistische Breite verhindert, dass „Krautrock“ zu einer künstlichen Grenze um das Thema wird. Progressive, experimentelle und elektronische Musik gehören alle zu dem Territorium, das der Untertitel beschreibt, und genau diese Breite verleiht dem Buch dauerhaften Nachschlagewert. Anders als eine erzählerische Biografie, die vielleicht einmal von Anfang bis Ende gelesen wird, ist eine Enzyklopädie dieses Typs dafür gedacht, neben der Plattensammlung zu stehen und jedes Mal nützlicher zu werden, wenn ein unbekannter Name oder eine neue Verbindung auftaucht.

Einschränkungen

Für jemanden, der noch nie Can oder Neu! gehört hat, ist dies wahrscheinlich das falsche erste Buch. Ohne einige musikalische Orientierungspunkte kann die reine Informationsdichte überwältigend wirken.

Die Spezialistenperspektive bedeutet außerdem, dass Prosa und Organisation eher an ein ernsthaftes Sammlernachschlagewerk erinnern können als an glatt geschriebene Mainstream-Sachliteratur. Das ist kein Fehler, verändert aber das Publikum.

Eine weitere praktische Schwierigkeit ist die Ausgabenverwirrung. „The Crack in the Cosmic Egg“ kann die Originalausgabe von 1996, spätere elektronische Versionen, eine gekürzte Ausgabe, verwandtes Scrapbook-Material oder das neue Jubiläumsbuch von 2026 bezeichnen. Jede Affiliate-Auflistung muss deshalb das konkrete Produkt identifizieren, statt alle Treffer als austauschbar zu behandeln.

Welche Ausgabe sollte man suchen?

Für Leser im Jahr 2026, die ein physisches Nachschlagewerk möchten, ist die 30th Anniversary Edition die erste Ausgabe, die man prüfen sollte. Laut aktueller Verlagsseite wurde sie im April 2026 fertiggestellt und im Mai ausgeliefert; eine zweite Druckauflage traf im Juli ein.

Sammler können weiterhin das Original von 1996 als Artefakt der ersten Krautrock-Wiederentdeckungsphase suchen. Forscher profitieren im Allgemeinen jedoch stärker vom erheblich erweiterten späteren Material.

Da die neue Ausgabe eine Spezialpublikation ist, kann ein direkter Verlagslink nützlicher sein, als jeden Leser zwanghaft über Amazon oder AbeBooks zu schicken. RetroForge kann weiterhin Affiliate-Buttons zu Händlern anbieten, sofern dort echte Angebote existieren.

Exemplar finden

Einen Affiliate-Händler nicht automatisch dem Verlag vorziehen, wenn der Spezialverlag selbst die klarste legitime Quelle für die aktuelle Ausgabe ist.

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