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Cover von Krautrocksampler: One Head's Guide to the Great Kosmische Musik – 1968 Onwards — Julian Cope
Coverbild über Open Library · ISBN 9780952671916
Leseraum · Buch 003

Krautrocksampler: One Head's Guide to the Great Kosmische Musik – 1968 Onwards

Julian Cope

Das kleine Buch, das selbst Teil der Krautrock-Geschichte wurde

Erstmals veröffentlicht1995
VerlagHead Heritage
Ausgewählte AusgabeISBN 9780952671916
Krautrock & deutsche experimentelle MusikFaustNeu!Tangerine Dream

Das kleine Buch, das selbst Teil der Krautrock-Geschichte wurde

Julian Copes Krautrocksampler ist weder die vollständigste Geschichte deutscher experimenteller Musik noch die neutralste oder als sachliche Enzyklopädie die verlässlichste. Es könnte aber die ansteckendste sein.

Als das Buch 1995 erschien, waren viele der darin gefeierten Platten noch Kultobjekte statt regelmäßig neu aufgelegter Säulen des Rockkanons. Cope näherte sich dem Thema nicht als distanzierter Historiker, sondern als Evangelist. Seine Mission bestand darin, Leser dazu zu bringen, diese Musik hören zu wollen. Das Ergebnis ist kurz, meinungsstark, witzig, aufgeregt und voller Beschreibungen, die eher wie psychedelische Wetterlagen funktionieren als wie konventionelle Kritik.

Dieser Ansatz hatte Folgen. Krautrocksampler wurde selbst zum Kultbuch und wird weithin mit der englischsprachigen Krautrock-Wiederentdeckung der 1990er-Jahre verbunden. Das Buch löste diese Renaissance nicht im Alleingang aus, gab neugierigen Hörern aber eine ungewöhnlich einprägsame Karte.

Was steckt darin?

Das Buch verbindet eine kompakte Geschichte des deutschen Undergrounds nach 1968 mit künstlerbezogenen Texten und einer kommentierten Liste von fünfzig Platten, die Cope für unverzichtbar hielt. Zu den großen Namen zählen Faust, Neu!, Tangerine Dream, Amon Düül, Amon Düül II, Ash Ra Tempel sowie das Umfeld von Rolf-Ulrich Kaiser und den Cosmic Jokers.

Die Auswahl ist unverkennbar Copes eigene, und gerade diese Subjektivität gehört zum Reiz. Anders als eine moderne Datenbank oder Enzyklopädie behauptet Krautrocksampler nicht, jeder Künstler verdiene proportional dieselbe Aufmerksamkeit. Manche Platten werden in den Himmel gehoben, andere abgewertet, und ganze Bereiche deutscher Musik liegen außerhalb von Copes bevorzugter Version der Geschichte. Die berühmte Liste der „50 Kosmische Classics“ funktioniert im selben Geist: weniger als neutraler Kanonbeschluss denn als Brotkrumenspur eines Plattenwühlers, getragen von der Überzeugung, dass bestimmte Platten so wichtig sind, dass der Leser aufhören sollte zu lesen und nach ihnen suchen muss.

Ein Zeitdokument im besten und schlechtesten Sinn

Das Alter des Buches ist für seinen Reiz zentral. Mitte der 1990er konnte das Auffinden obskurer deutscher LPs Spezialgeschäfte, Versandhandel, Bootlegs, teure Originale und lückenhafte Informationen bedeuten. Heute kann ein Hörer beinahe jeden Künstlernamen in einen Streamingdienst oder Onlinekatalog eintippen und innerhalb von Sekunden etwas hören. Krautrocksampler stammt aus einer Welt, in der Entdeckung deutlich mehr Reibung erforderte.

Dieser Kontext macht Copes Begeisterung verständlicher. Er fasste kein Genre zusammen, das bereits bis zur Erschöpfung indexiert war; er argumentierte dafür, dass ein unterschätzter Korpus von Platten dringend Aufmerksamkeit verdiente. Derselbe historische Abstand bedeutet jedoch auch, dass das Buch nicht als letztes Wort behandelt werden sollte. Cope widersetzte sich später der Idee, es einfach zu aktualisieren, bezeichnete Krautrocksampler auf seiner Head-Heritage-Seite als Zeitdokument und räumte sowohl Fehler als auch die Existenz sachkundigerer Spezialisten ein. Seine historische Bedeutung hängt deshalb nicht davon ab, es als fehlerfreie Forschung auszugeben.

Warum es weiterhin wichtig ist

Es gibt einen Unterschied zwischen Information und Fürsprache. Moderne Hörer haben Zugriff auf weit mehr Informationen, als Cope jemals hätte abdrucken können, doch Information allein erzeugt noch keine Obsession. Krautrocksampler hat überlebt, weil die Texte das Gefühl vermitteln, jemand ziehe einen am Ärmel direkt zum Plattenspieler.

Simon Reynolds beschrieb das frühere Buch später als leidenschaftlich, kompakt und von Copes extravaganten Beschreibungen angetrieben. Das trifft den Kern. Copes kritische Stimme ist kein transparentes Fenster zur Musik. Sie ist selbst eine Figur im Raum.

Für RetroForge macht genau das dieses Buch besonders interessant. Unsere Buchseiten sollten Copes Übertreibungen nicht imitieren, doch Krautrocksampler zeigt, warum Musikjournalismus von einem Standpunkt profitiert. Ein Katalog sagt dir, dass ein Album existiert. Ein Kritiker kann dafür sorgen, dass es dir wichtig wird.

Stärken

Die Kürze ist eine große Tugend. Krautrocksampler lässt sich wesentlich schneller lesen als Future Days oder The Crack in the Cosmic Egg und anschließend als Hörroute weiterverwenden. Seine Meinungen sind einprägsam genug, um Widerspruch hervorzurufen, was in einem Feld wertvoll ist, in dem „essenzielle Alben“-Listen sonst schnell auf denselben kleinen Konsens zusammenschrumpfen. Historisch aufschlussreich ist das Buch ebenfalls, weil es einen bestimmten Moment der Krautrock-Wiederentdeckung festhält, bevor das Genre in Indie-Rock-, Post-Rock- und Elektronikjournalismus zur routinemäßigen Referenz wurde.

Einschränkungen und Vorbehalte

Krautrocksampler sollte nicht als alleinige Tatsachenquelle verwendet werden. Das Buch ist selektiv, persönlich und enthält nach Copes eigenem späteren Eingeständnis Fehler. Es sollte neben späterer Forschung stehen, nicht über ihr.

Auch seine Version von „Krautrock“ wird stark durch den Geschmack des Autors geformt. Wer tiefere Abdeckung von Jazz-Rock, Folk, Progressive Rock, ostdeutscher Musik oder der vollen Breite deutscher elektronischer Experimente sucht, braucht umfassendere Nachschlagewerke.

Schließlich wurden englischsprachige Originale nach dem Vergriffensein zu Sammlerobjekten. Dadurch kann der Kauf seltsam werden: Ein kurzes Taschenbuch, das als zugänglicher Feldführer gedacht war, kostet womöglich weit mehr als umfangreiche moderne Geschichten. Seltenheit ist kein Beweis redaktioneller Überlegenheit.

Wer sollte es lesen?

Lies es, wenn du dich gern von einer starken Persönlichkeit durch die Regale führen lässt. Es ist ideal für Leser, die Musikkritik als Literatur genießen und nicht erwarten, dass jedes Urteil ausgewogen formuliert ist.

Wenn du völlig neu beim Krautrock bist, kann es weiterhin ein elektrisierender Einstieg sein. Kombiniere es jedoch mit einer neueren Geschichte, damit Copes Kanon nicht zu deiner gesamten Landkarte wird. Wenn du das Genre bereits gut kennst, liegt ein Teil des Vergnügens darin, mit ihm zu streiten.

Exemplar finden

Da englischsprachige Exemplare seit Langem als Sammlerstücke gehandelt werden, kann AbeBooks hier besonders nützlich sein. Sollte eine legitime Neuauflage erscheinen, muss die Seite sie klar von älteren Head-Heritage-Drucken unterscheiden.

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