Das Album
Auf einen Blick
- Künstler
- Blue Cheer
- Erschienen
- Dezember 1969
- Album
- Viertes Studioalbum
- Originaltitel
- Zehn
- Label
- Philips PHS 600-333
- Produzent
- Michael Sunday
Warum es wichtig ist
Ein Selbsttitel für eine bereits neu aufgebaute Band
Blue Cheer ist das erste vollständige Album jener Quartett-Richtung, die auf der ersten Seite von New! Improved! Blue Cheer eingeführt wurde.
Originalschlagzeuger Paul Whaley ist nicht mehr dabei; Norman Mayell stößt zu Bruce Stephens, Ralph Burns Kellogg und Dickie Peterson. Peterson ist der einzige Musiker von Vincebus Eruptum, sodass der Selbsttitel die Kontinuität des Namens markiert und keine Rückkehr des Debüttrios. Keyboards wirken durchgehend in den Arrangements und erlauben Gitarre, Bass und Schlagzeug, Gewicht auszutauschen, statt jede Frequenz gleichzeitig zu füllen. Bruce Stephens und Peterson teilen die Hauptstimmen: Stephens führt vier Songs, Peterson sechs.
Das Programm enthält neun bandnahe Originale und mit Hello L.A., Bye Bye Birmingham eine einzige Fremdkomposition von Delaney Bramlett und Mac Davis. Gary Yoder gastiert auf zwei gemeinsam mit Gary Grelecki geschriebenen Titeln und rahmt damit ein Album, dessen nächster Besetzung er angehören sollte. Die Platte ist wichtig, weil Blue Cheer nach drei Alben mit konkurrierenden Vorstellungen von Schwere bewusst Groove, Songhandwerk und Ensemblebalance wählt.
San Francisco, 1969
Nach dem geteilten dritten Album formiert sich ein neues Quartett
New! Improved! Blue Cheer hatte seine Seiten zwischen einem Quartett mit Bruce Stephens und Kellogg sowie Randy Holdens Powertrio geteilt.
Holden verließ die Band während dieses Übergangs; auch Whaley schied vor dem vierten Album aus. Norman Mayell übernahm das Schlagzeug, womit Peterson das einzige Originalmitglied blieb. Bruce Stephens und Kellogg überführten das Vokabular der ersten Seite des Vorgängers in ein vollständiges Programm aus zehn Songs. Gary Yoder, zuvor bei Kak und Oxford Circle, wirkte an Fool und The Same Old Story mit, bevor er zum nächsten Hauptgitarristen wurde.
Die Gruppe nahm in den Wally Heider Studios in San Francisco auf; Michael Sunday produzierte, Russ Gary war Toningenieur. Philips veröffentlichte Blue Cheer im Dezember 1969 als PHS 600-333. Bruce Stephens ging anschließend; das fünfte Album konzentriert sich auf Peterson, Kellogg, Mayell und Yoder.
Blue Cheer als Quartett
Peterson, Bruce Stephens, Kellogg und Mayell
Peterson behält sein wiedererkennbares raues Timbre, nutzt aber mehr dynamischen Raum und singt um den Groove herum, statt ständig gegen Übersteuerung anzukämpfen. Bruce Stephens wirkt als Ensemblegitarrist und alternativer Frontmann und gibt vier Titeln eine leichtere Vokalidentität. Kelloggs Klavier und Orgel binden das Quartett und tragen Harmonien, die frühere Besetzungen verzerrten Saiten überließen. Mayell bringt ein stetigeres, weniger rollendes Schlagzeugspiel als Whaley ein und erhält außerdem Credits für Gitarre und Perkussion.
Yoders begrenzter Gastauftritt gehört zu Fool und The Same Old Story und darf nicht zu einer Mitgliedschaft über das ganze Album erweitert werden. Sundays Produktion bevorzugt Trennung und Wärme, Garys Technik fängt eine funktionierende Vierergruppe ein. Albronda bleibt der Bandgeschichte als Produktionsassistent und Hintergrundsänger verbunden, nicht als zurückkehrender Schlagzeuger. Weder Leigh Stephens noch Randy Holden spielen auf dem selbstbetitelten Album.
Organischer Bluesrock
Keyboards, Stimmwechsel und Bluesrock-Ökonomie
Fool eröffnet mit direktem Rockgroove und Yoder-geprägter Gitarren- und Mundharmonikafarbe statt mit einer Wiederbelebung von Summertime Blues. You’re Gonna Need Someone gibt Bruce Stephens die erste Hauptstimme über Orgel und knappen Gitarrenantworten. Hello L.A., Bye Bye Birmingham lässt Reise und Neuerfindung durch klaviergeführten, südlich gefärbten Rock rollen. Saturday Freedom wächst über fünf Minuten und gibt Gitarre und Keyboards Raum, die Wochenendbefreiung des Quartetts auszuweiten.
Ain’t That the Way setzt Petersons fragende Stimme in ein knappes Kellogg-Peterson-Arrangement. Rock and Roll Queens eröffnet Seite zwei mit feierlichem Gruppenpuls. Better When We Try nutzt Bruce Stephens’ Stimme und Kelloggs Songwriting für ein kurzes Argument zugunsten von Anstrengung.
Natural Man führt Peterson zu einem Identitätssong zurück, dessen Groove entspannt, aber nicht passiv ist. Lovin’ You’s Easy gibt Stephens eine melodische Hauptstimme, ohne die Körnung der Band zu verlieren. The Same Old Story endet mit Yoders und Greleckis kreisendem Titel, Gitarren-Mundharmonika-Details und Petersons Erkenntnis der Wiederholung.
Titel für Titel
Zehn Songs in einer ausgewogenen Fünf-zu-fünf-Folge
Fool
Greleckis und Yoders Komposition stellt das neue Quartett mit einem kompakten, rollenden Angriff vor. Peterson singt die Anklage; Yoders Gastfarbe verbindet den Titel mit einem Gitarristen, der der festen Besetzung noch nicht angehört.
You're Gonna Need Someone
Mayell und Bruce Stephens teilen den Autorencredit, Stephens übernimmt die Hauptstimme. Bedürfnis erscheint als künftige Gewissheit statt als gegenwärtige Bitte; Orgel und Gitarre antworten, ohne die Warnung zu bedrängen.
Hello L.A., Bye Bye Birmingham
Der einzige fremde Song macht Ortsnamen zur Abschiedserklärung. Klavier, stetiger Rhythmus und Petersons Stimme verwandeln die Bramlett-Davis-Komposition in einen Roadsong statt in einen psychedelischen Reisebericht.
Saturday Freedom
Bruce Stephens nutzt die längste Form des Albums, um von wöchentlicher Beschränkung zur Befreiung zu gelangen. Im instrumentalen Mittelteil wachsen Gitarre, Orgel und Rhythmus, doch das Quartett kehrt stets zum Song zurück, statt sich in Lärm aufzulösen.
Ain't That the Way (Love's Supposed to Be)
Kellogg und Peterson beenden Seite eins mit einer Frage nach Erwartungen. Das Arrangement bleibt knapp; Petersons raue Stimme trägt den Zweifel, während Keyboards die Gewissheit um ihn herum abschwächen.
Rock and Roll Queens
Seite zwei beginnt mit Feier statt Flucht. Peterson und Kellogg schreiben ein zügiges Ensemblestück, dessen Plural wichtig ist: Der Song spricht eine Szene und ihre Figuren an, keine einzelne Muse.
Better When We Try
Kelloggs kompakter Song gibt Bruce Stephens erneut die Hauptstimme. Anstrengung wird zum Hook; das zurückhaltende Arrangement stützt die Aussage, ohne sie zu einer großen Erklärung aufzublähen.
Natural Man
Peterson und Kellogg fassen Authentizität in einen ungezwungenen Bluesrock-Groove. Petersons Bass und Stimme schaffen körperliche Identität, während die Orgel verhindert, dass „natürlich“ primitiv oder unarrangiert bedeutet.
Lovin' You's Easy
Bruce Stephens schreibt und singt die direkteste Zuneigungsbekundung des Albums. Melodische Gitarre und Keyboards lassen Leichtigkeit nach wiederholtem Bedürfnis, Aufbruch und Bemühen verdient wirken.
The Same Old Story
Grelecki und Yoder kehren am anderen Rand der LP zurück. Peterson singt Wiederholung als Erkenntnis; die Gastfarbe aus Gitarre und Mundharmonika schließt das aktuelle Quartett und deutet leise das nächste an.
Aufbruch und Versuch
Bedürfnis, Aufbruch, Freiheit, Anstrengung und wiederkehrende Geschichten
Das Album besitzt keine fortlaufende Handlung, doch Abhängigkeit verbindet Fool, You’re Gonna Need Someone und Ain’t That the Way. Hello L.A., Bye Bye Birmingham macht geografischen Aufbruch zum deutlichsten erzählerischen Ereignis. Saturday Freedom trennt vorübergehende Befreiung vom dauerhaften Ortswechsel des vorigen Titels. Better When We Try und Lovin’ You’s Easy führen von Anstrengung zu scheinbarer Leichtigkeit.
Natural Man fragt, ob Authentizität einen stärker arrangierten und kommerziell lesbaren Klang überlebt. Rock and Roll Queens verortet Identität in einer Gemeinschaft statt in einem autobiografischen Einzelsprecher. The Same Old Story macht Wiederkehr ausdrücklich und schließt eine Platte über vertraute Bedürfnisse unter neuen Umständen. Der Selbsttitel ist produktiv ironisch: Der Bandname bleibt stabil, während jeder Song Übergang, Verhandlung oder Rückkehr dokumentiert.
Philips 333
Philips 333 präsentiert die vierte Besetzung als Blue Cheer
Philips veröffentlichte das Album in Stereo als PHS 600-333. Der unveränderte Titel Blue Cheer verleiht einem neu aufgebauten Quartett dieselbe visuelle Autorität wie der Band selbst. John Craig gestaltete das Cover, Richard Germinaro die Innencover-Kunst und Baron Wolman steuerte die Fotografien bei.
Fünf Titel stehen auf jeder Seite; Ain’t That the Way und The Same Old Story sind die jeweiligen Abschlüsse. Die ausgewogene Seitenzahl entspricht der Vorliebe für kompakte Songs statt der ungleichen Sechs-zu-drei-Teilung des Vorgängers. Spätere erweiterte Digitalausgaben können vierzehn Titel enthalten, die Original-LP jedoch zehn.
Dezember 1969
Dezember 1969: Ein ruhigerer Neustart ohne Chartrückkehr
Blue Cheer erschien im Dezember 1969 als viertes Studioalbum der Gruppe und zweite Veröffentlichung dieses Jahres.
Nach dem bescheidenen Platz 84 von New! Improved! kehrte die Band damit nicht in die amerikanischen Albumcharts zurück.
Das Ausbleiben eines nationalen Chartergebnisses spiegelt ein schrumpfendes kommerzielles Publikum während schneller Besetzungswechsel. Zeitgenössische Reaktionen erkannten eine kompetente, kommerziellere Hard-Rock-Gruppe, verglichen sie aber zwangsläufig mit der Extremität der ersten Besetzung. Rückblickend werden Groove, Vokalvielfalt und das Wechselspiel von Keyboard und Gitarre geschätzt, sobald das Album nach eigenen Maßstäben beurteilt wird. Das stille Resultat beendete die Philips-Folge nicht; neun Monate später erschien ein fünftes Album.
Das vierte Album
Die Brücke von geteilter Identität zu Gary Yoder
Der Selbsttitel ist das deutlichste Albumdokument von Bruce Stephens als Blue-Cheer-Gitarrist und Alternativsänger. Kelloggs Keyboards werden vom Zusatz zum strukturellen Zentrum und bereiten seine größere Rolle auf den nächsten zwei Platten vor. Mayell etabliert die spätere Rhythmusgruppe und bleibt bis zum Ende der ursprünglichen Philips-Phase. Yoders zwei Gasttitel bilden das Scharnier zwischen seiner externen Autorenpartnerschaft mit Grelecki und seiner späteren Mitgliedschaft.
Die Platte gehört direkter zu Bluesrock und Hard Rock, als ein einfaches Proto-Metal-Etikett vermuten lässt. Zehn kompakte Songs zeigen, dass Blue Cheer Gewicht durch Groove und vokale Körnung statt allein durch Verstärkersättigung erzeugen konnte. Bonusreiche Neuauflagen können die Originalsymmetrie durch Singles und Alternativfassungen verdecken. Das Vermächtnis lautet Kontinuität durch Neuerfindung: Nur Peterson bleibt vom Debüt, dennoch entsteht ein geschlossenes Bandalbum.
Originalprogramm
Zehn Originaltitel vor vier späteren Anhängen
Das Originalalbum enthält zehn Titel. Ain’t That the Way schließt Seite eins, The Same Old Story ist das ursprüngliche Ende. All Night Long und Fortunes sind Nicht-Album-Ergänzungen.
Die angehängten Singlefassungen sind keine Titel der Original-LP. Peterson singt sechs Hauptstimmen, Bruce Stephens vier. Yoder gastiert auf zwei Titeln statt auf dem gesamten Album. Whaley, Leigh Stephens und Holden fehlen.
Ein Hörweg
Den Stimmübergaben über beide Seiten folgen
- Mit Yoders Gastfarbe beginnen, aber die Quartettgrenze klar halten.
- Dem Bedürfnis bis zum Aufbruch auf der Straße folgen.
- Saturday Freedom seinen erweiterten Raum geben.
- Nach der Frage am Ende der ersten Seite pausieren.
- Hören, wie Seite zwei von Gemeinschaft zu Anstrengung und Identität führt.
- Leichtigkeit in dieselbe alte Geschichte münden lassen.
- Nach Titel zehn vor dem späteren Anhang stoppen.
Recherche und Quellen
Quellen und weiterführende Lektüre
- Titelliste, Credits und Rezension zu Blue Cheer — AllMusic
- Offizielle Digitalcredits und Besetzung — Qobuz
- Originale Veröffentlichungsgruppe und Beleg zu PHS 600-333 — MusicBrainz
- Offizielle erweiterte Digitalausgabe und Dezemberdatum — Apple Music
- Offizielle japanische Neuauflage im Originalformat — Universal Music Japan
- Blue-Cheer-Katalog und Besetzungschronologie — AllMusic
- Albumchartgeschichte von Blue Cheer — Billboard