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Cover von Genesis: Chapter and Verse — Tony Banks, Phil Collins, Peter Gabriel, Steve Hackett and Mike Rutherford
Coverbild über Open Library · ISBN 9780312379568
Leseraum · Buch 011

Genesis: Chapter and Verse

Tony Banks, Phil Collins, Peter Gabriel, Steve Hackett and Mike Rutherford

Genesis erzählen ihre eigene Geschichte, und genau darin liegen sowohl Reiz als auch Vorbehalt

Erstmals veröffentlicht2007
VerlagMacmillan / St. Martin's Press (territory dependent)
Ausgewählte AusgabeISBN 9780312379568
Macmillan / St. Martin's Press (je nach Gebiet)GenesisPeter GabrielPhil Collins

Genesis erzählen ihre eigene Geschichte, und genau darin liegen sowohl Reiz als auch Vorbehalt

Genesis: Chapter and Verse ist keine konventionelle Biografie eines außenstehenden Historikers. Es ist die eigene Geschichte der Band, zusammengesetzt aus den Stimmen von Tony Banks, Phil Collins, Peter Gabriel, Steve Hackett und Mike Rutherford, ergänzt durch Beiträge des früheren Gitarristen Anthony Phillips sowie von Menschen, die Genesis managten, produzierten, begleiteten oder anderweitig mit der Gruppe arbeiteten. Diese Struktur verleiht dem Buch besonderen Wert, denn Genesis durchliefen eine der am heftigsten diskutierten Transformationen der Rockgeschichte: Aus einer Schülerband aus Charterhouse wurde eine eigenwillige Progressive-Rock-Gruppe, die ihren theatralischen Frontmann verlor, mit dem Schlagzeuger am Mikrofon kommerziell noch größer wurde und schließlich zu einem der weltweit erfolgreichsten Pop-Rock-Acts aufstieg. Fans reduzieren diese Entwicklung gern auf gegnerische Lager. Chapter and Verse lässt stattdessen die Musiker selbst erklären, wie die Veränderungen von innen aussahen, und erinnert zugleich daran, dass eine offizielle Oral History Zeugenaussage und kein neutrales Urteil ist.

Von Charterhouse zur klassischen Fünferbesetzung

Die frühe Genesis-Geschichte wird häufig auf Charterhouse School, Jonathan King und einen schnellen Sprung in Richtung Progressive Rock verkürzt. Hier erhält die formative Phase genügend Raum, um eine Band zu zeigen, deren Identität noch keineswegs feststand. Tony Banks, Peter Gabriel, Mike Rutherford und Anthony Phillips begannen schon sehr jung mit dem Schreiben und Aufnehmen, und From Genesis to Revelation klingt auffallend weit entfernt von jener Gruppe, die später Foxtrot oder Selling England by the Pound machen würde. Dieser Abstand wird interessanter, wenn man ihn als Entwicklung und nicht als peinliche Vorstufe versteht. Phillips' Ausstieg 1970 verursachte dann einen der ersten großen Brüche; anschließend stießen Phil Collins und Steve Hackett hinzu und vervollständigten jene Besetzung, die heute als klassisch gilt. Rückblickend wirkt diese Kombination beinahe unvermeidlich. Die Erinnerungen der Musiker stellen dagegen Vorspiele, praktische Entscheidungen, Unsicherheiten und finanzielle Grenzen wieder her, die den Ausgang alles andere als vorbestimmt machten.

Die Gabriel-Jahre, ohne Genesis auf Peter Gabriel zu reduzieren

Gerade in den frühen 1970ern wird das Buch besonders nützlich, weil Peter Gabriels Bühnenpräsenz das historische Bild leicht verzerren kann. Genesis entwickelten Langform-Kompositionen, komplexe Arrangements und eine ausgesprochen englische Fantasiewelt, während Gabriels Kostüme und erzählerische Zwischenspiele Journalisten und Publikum einen unwiderstehlichen Mittelpunkt boten. Der Fuchskopf aus „The Musical Box“ und die zahlreichen Figuren rund um Supper's Ready halfen, die Legende zu erschaffen, doch die Musik blieb das Werk einer Band mit mehreren starken Komponisten und Instrumentalisten. Chapter and Verse rückt Banks, Rutherford, Hackett und Collins wiederholt zurück ins Bild, besonders bei The Lamb Lies Down on Broadway, wo Gabriels Konzept und Texte stark mit dem Projekt verbunden waren, während ein großer Teil der Musik kollektiv von den anderen entwickelt wurde. Sein Ausstieg 1975 erscheint deshalb als Ergebnis überlappender kreativer Spannungen, familiären Drucks, Erschöpfung und auseinanderlaufender Ambitionen und nicht als simple Geschichte eines Genies, das seine Begleitband verlässt.

Als der Schlagzeuger zum Sänger wurde

Der Übergang zu Phil Collins als Frontmann ist ein weiterer Teil der Genesis-Geschichte, den der Rückblick verfälscht hat. Weil Collins später ein gigantischer Solostar wurde, kann der Wechsel wie ein offensichtlicher kommerzieller Geniestreich wirken, der nur darauf wartete, umgesetzt zu werden. Das war er nicht. Genesis hörten nach Gabriels Ausstieg externe Sänger vor, und obwohl Collins bereits bei einzelnen Stücken Leadgesang übernommen hatte, veränderte sein Schritt nach vorn sowohl die praktische Identität der Gruppe als auch die Erwartungen an sie. A Trick of the Tail und Wind & Wuthering zeigten, dass Genesis den Verlust Gabriels überstehen konnten und dennoch klar als Progressive-Band erkennbar blieben. Steve Hacketts Ausstieg verschob das interne Gleichgewicht erneut. Das Trio aus Banks, Collins und Rutherford wandte sich allmählich kürzeren Formen, anderen Produktionsästhetiken und einer direkteren Songwriting-Sprache zu, doch das Buch erlaubt diesen Wandel aus der Perspektive von Musikern zu beschreiben, die sich selbst nicht so erlebten, als hätten sie plötzlich die frühere Band verraten.

Der endlose Streit darüber, ob Genesis sich „verkauft“ hätten

Nur wenige Rockgeschichten wurden von Fans so sauber in ein moralisches Vorher und Nachher aufgeteilt. Die späteren Genesis wurden zweifellos zugänglicher: Songs wurden kürzer, Synthesizer und Produktionsästhetik veränderten sich, MTV beeinflusste die Präsentation, und Invisible Touch gehört in eine vollkommen andere Popwelt als Nursery Cryme. Der Wert von Chapter and Verse liegt darin, dass die Musiker selbst den Übergang nicht als Verschwörung zur Vernichtung des Progressive Rock beschreiben. Ihr Geschmack, die Technologie und ihre Schreibmethoden veränderten sich, ebenso die interne Chemie der Gruppe. Collins' Solokarriere macht die rückblickende Geschichte noch unordentlicher, weil die poporientierten Genesis oft fast vollständig ihm zugeschrieben werden, obwohl Banks und Rutherford weiterhin zentrale Songwriter blieben. Eine gute RetroForge-Seite sollte beide Wahrheiten zugleich bewahren: Die stilistische Transformation war real, und die faule Erklärung, Collins habe die Band im Alleingang kommerzialisiert, ist historisch unzureichend.

Was das Buch besonders gut macht

Die Mehrstimmigkeit ist der zentrale Reiz. Die Genesis-Mitglieder erinnern sich nicht immer identisch an Ereignisse, und diese Unterschiede sind aufschlussreicher, als es eine künstlich harmonisierte offizielle Linie wäre. Das stark illustrierte Format passt außerdem zu einer Band, deren Geschichte ungewöhnlich visuell ist, von Gabriels Bühnenkostümen und der Albumkunst bis zur späteren Größenordnung von Konzertproduktionen und Vari-Lite-Technologie. Chronologisch reicht das Buch von den Schultagen bis zur Turn It On Again-Reunion-Ära von 2007 und spannt damit in einem Band einen bemerkenswert langen Bogen. Beiträge von Managern, Roadcrew, Produzenten und Weggefährten verhindern zusätzlich den Eindruck, eine erfolgreiche Band bestünde nur aus den Namen auf dem Plattencover. Als Einführung ist das Buch breit angelegt und zugleich ungewöhnlich direkt im Zugang zu den Menschen, die die Musik geschaffen haben.

Einschränkungen

Gerade der offizielle Status, der den Zugang ermöglicht, bestimmt auch die Grenzen des Buches. Erinnerung ist selektiv, Konflikte können diplomatisch behandelt werden, und jeder Musiker interpretiert frühere Entscheidungen aus der Perspektive seines späteren Lebens. Die fünf Hauptstimmen können außerdem nicht in jeder Epoche gleich präsent sein, weil Gabriel und Hackett nach ihren Ausstiegen aus der internen Genesis-Geschichte verschwinden, während die späteren Trio-Jahrzehnte vor allem Banks, Collins und Rutherford gehören. Das Buch entstand zudem vor der The Last Domino?-Tour 2021–2022 und späteren Reflexionen über Genesis als Live-Formation und ist damit keine vollständige Chronologie mehr. Wer einen einzelnen Musiker tiefer verstehen möchte, sollte es daher mit Hacketts A Genesis in My Bed, Gabriel-Biografien, Collins' Not Dead Yet, Rutherfords The Living Years oder spezialisierten Genesis-Geschichten kombinieren, statt die offizielle Darstellung zum letzten Gerichtsurteil zu erklären.

Wer sollte es lesen?

Als erstes Genesis-Buch ist Chapter and Verse ungewöhnlich logisch, weil Neueinsteiger den gesamten Bogen erhalten, ohne sofort zwischen „Gabriel Genesis“ und „Collins Genesis“ wählen zu müssen. Langjährige Fans bekommen etwas anderes: direkte Erinnerungen der wichtigsten Musiker und genügend Widersprüche, um zu zeigen, wie schwierig es selbst für die Beteiligten ist, eine vollkommen stabile Erinnerung an die Band zu produzieren. Am besten funktioniert das Buch als maßgebliche Sammlung von Perspektiven und nicht als objektives Urteil. Neben einer unabhängigen Biografie oder einem Einzelmemoir wird es sogar noch wertvoller, weil dieselben Ereignisse aus institutioneller, persönlicher und externer Sicht betrachtet werden können.

Exemplar finden

Physische Ausgaben sind besonders attraktiv, weil das Buch als illustrierte Bandgeschichte konzipiert wurde. Vor der Anzeige von Ausgabenmetadaten sollten Verlag, Abmessungen und ISBN des jeweiligen Gebiets geprüft werden.

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