Hawkwind verbanden die offene Wiederholung der späten Sechzigerjahre-Psychedelia mit der Wucht des Hardrock, elektronischem Geräusch und Science-Fiction-Bildern. Das Ergebnis wurde als Space Rock bekannt, doch die Identität der Band war nie bloße Dekoration: Ausgehaltene Riffs, Saxofon, Tongeneratoren und gesprochene Texte machten Konzerte zu durchgehenden Klangräumen statt zu Reihen einzelner Songs.
Hawkwind wurden 1969 in London gegründet und durchgehend von Gitarrist und Sänger Dave Brock geführt. Trotz ungewöhnlich häufiger Besetzungswechsel wurden sie nie zu einem reinen Nostalgieprojekt. Bei der Prüfung dieses Guides kündigte die offizielle Website eine Tournee für 2026 an; zugleich zeigte das Studioalbum There Is No Space for Us von 2025, dass der Katalog weiter wächst.
Hawkwind bei einem Auftritt im Jahr 2018.Foto: Geemeff / Wikimedia Commons · Licensed under CC BY 3.0. Für diese Seite in WebP umgewandelt.
Gründung & Geschichte
Hawkwind entstanden 1969 im Londoner Stadtteil Notting Hill; Dave Brock und der Saxofonist und Flötist Nik Turner gehörten zu den Musikern, die die Gruppe etablierten. Das Debütalbum erschien 1970 bei Liberty; In Search of Space folgte im Oktober 1971 bei United Artists und wurde ihr erstes britisches Top-20-Album. Die Elektroniker Dik Mik und Del Dettmar prägten neben Brock, Turner und einer wechselnden Rhythmusgruppe den frühen Klang.
Lemmy Kilmister kam 1971 am Bass hinzu, Simon King am Schlagzeug; beide waren 1972 auf Doremi Fasol Latido erstmals auf einem Hawkwind-Studioalbum zu hören. Lemmy blieb bis einschließlich Warrior on the Edge of Time von 1975 – keineswegs nur für einen kurzen Gastauftritt. Robert Calvert steuerte Gedichte und Bühnenauftritte zur Space Ritual-Inszenierung bei und wurde in der strafferen Phase der späten Siebzigerjahre zu einem wichtigeren Autor und Frontmann. Brock blieb die Konstante, während spätere Besetzungen die Band durch New-Wave-, Metal- und elektronische Kontexte führten.
Klang & Stil
Der klassische Hawkwind-Motor beginnt mit wiederholten Bass- und Gitarrenfiguren statt mit harmonischer Zurschaustellung. Das Schlagzeug hält den Puls körperlich, während Saxofon, Flöte, Synthesizer und selbst gebaute oder modifizierte Tongeneratoren die Ränder des Riffs verwischen. Elektronik dient dabei selten als eigenständige Solostimme, sondern eher als Druck, Wetter und räumliche Tiefe.
Diese Methode verändert von Platte zu Platte ihre Bedeutung. In Search of Space wechselt zwischen langen kollektiven Jams und akustischen Kontrasten; Doremi Fasol Latido gewinnt durch Lemmy ein schwereres Bassfundament und durch Simon King einen energischeren rhythmischen Angriff; Space Ritual beseitigt fast jede Studiodistanz, indem es Songs mit Robert Calverts Rezitationen, Tänzern und Liquid Lens Lichtshow verbindet. Das Spektakel war kein Zubehör zur Musik, sondern vollendete dieselbe Idee des Eintauchens.
Zentrale Alben
1973
Space Ritual
United Artists · Originalveröffentlichung von 1973
Dieses Doppel-Livealbum wurde bei drei Konzerten der britischen Hawkwind-Tournee im Dezember 1972 aufgenommen und bewahrt die Show als durchgehende Folge statt als herkömmliches Best-of-Set. „Born to Go“ und „Orgone Accumulator“ werden von der treibenden Rhythmusgruppe aus Lemmy und Simon King getragen; Robert Calverts Rezitationen verbinden Songs, die überwiegend aus In Search of Space und Doremi Fasol Latido stammen. Produktion und Reihenfolge übertragen ein Multimediaereignis mit Tänzern und Liquid Lens Lichtshow auf eine Platte, deren Übergänge ebenso wichtig sind wie die einzelnen Stücke.
Schlüsseltitel: Born to Go · Orgone Accumulator · Master of the Universe
United Artists · Originalveröffentlichung von 1972
Im September und Oktober 1972 in den Rockfield- und Olympic-Studios aufgenommen, war dies das erste Hawkwind-Studioalbum mit Lemmy an Bass und Gesang sowie Simon King am Schlagzeug. Durch sie wirken „Brainstorm“ und „Lord of Light“ schwerer und direkter; „Space Is Deep“ bewahrt dagegen akustische Gitarre, beschwörende Stimmen und langsam anwachsende Elektronik. Die Platte formt das lockerere Schweben des Vorgängers zu einem siebenteiligen Studiostatement und lieferte einen großen Teil des Materials für die Space Ritual-Tournee.
Schlüsseltitel: Brainstorm · Space Is Deep · Lord of Light
United Artists · Originalveröffentlichung von 1971
Hawkwinds zweites Album erschien im Oktober 1971 und wurde ihre erste britische Top-20-LP. Das sechzehnminütige „You Shouldn’t Do That“ verwandelt ein kleines Riff in einen kollektiven Prozess aus Gitarre, Saxofon, Perkussion und elektronischer Störung; „Master of the Universe“ verdichtet diese Methode zu einem dauerhaften Konzertstück. „We Took the Wrong Step Years Ago“ bringt akustischen Raum und einen nachdenklicheren Text ein, sodass die sechs Titel nicht zu einer einzigen ununterbrochenen Klangwand werden.
Schlüsseltitel: You Shouldn’t Do That · Master of the Universe · We Took the Wrong Step Years Ago
Hall of the Mountain Grill (1974) hält längere Stücke und kürzere, sorgfältiger geformte Studioarbeit im Gleichgewicht.
Warrior on the Edge of Time (1975) beendet die Lemmy-Ära und entwickelt ein mit Michael Moorcock verbundenes Fantasy-Konzept.
„Silver Machine“ war der Hit von 1972, der Hawkwinds Publikum vergrößerte, gehörte jedoch nicht zur ursprünglichen Titelfolge der drei oben genannten Alben.
Hawkwind führten psychedelische Praxis über die Sechzigerjahre hinaus, indem sie Wiederholung mit Hardrock-Lautstärke, tragbarer Elektronik und der Gemeinschaftskultur britischer Free Festivals verbanden. Ihre frühen Platten lieferten ein praktisches Vokabular für späteren Space Rock, Stoner Rock und schwere psychedelische Musik, ohne virtuose Soli oder aufwendige harmonische Systeme vorauszusetzen.
Ihre Langlebigkeit ist ebenso wichtig wie ihr Einfluss. Dave Brock bewahrte eine erkennbare Methode, während sich Besetzungen, Technologien und musikalische Klimata veränderten; die angekündigten Auftritte von 2026 machen „1969–heute“ zu einer überprüfbaren fortlaufenden Geschichte und nicht zu einem zeremoniellen Status für einen inaktiven Katalog.
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