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Cover von In the Court of King Crimson: An Observation Over 50 Years — Sid Smith
Coverbild über Open Library · ISBN 9781916153004
Leseraum · Buch 009

In the Court of King Crimson: An Observation Over 50 Years

Sid Smith

Die King-Crimson-Biografie, die mit der Band mitwachsen musste

Erstmals veröffentlicht2001
VerlagPanegyric Publishing
Ausgewählte AusgabeISBN 9781916153004
Panegyric PublishingKing CrimsonRobert FrippBill Bruford

Die King-Crimson-Biografie, die mit der Band mitwachsen musste

King Crimson lassen die meisten Bandbiografien strukturell simpel aussehen. Die Gruppe, die 1969 auftauchte, ersetzte nicht einfach einen Schlagzeuger, machte ein weiteres Album und zog weiter. Sie zerbrach wiederholt und setzte sich um Robert Fripp neu zusammen, oft mit radikalen Veränderungen bei Besetzung, Instrumentierung, Kompositionsmethode und sogar bei der impliziten Bedeutung des Bandnamens. Die Mellotron-Wucht von 1969, die improvisatorische Aggression der Formation von 1972 bis 1974, die ineinandergreifende Gitarrendisziplin der 1980er und das spätere Ensemble mit mehreren Schlagzeugern können wie verschiedene Geschichten klingen, die sich ein Nervensystem teilen. Sid Smiths In the Court of King Crimson erschien erstmals 2001, doch bis 2019 hatte die Band so viel zusätzliche Geschichte geschaffen, dass Smith das Projekt umfassend überarbeitete und erweiterte zu In the Court of King Crimson: An Observation Over 50 Years. Für eine aktuelle RetroForge-Seite ist diese spätere Ausgabe der entscheidende Bezugspunkt.

Von Giles, Giles & Fripp bis 1969

Smith beginnt vor dem schreienden Gesicht auf dem Debütalbum und verfolgt die Vorgeschichte über Michael und Peter Giles sowie die Entstehung von Giles, Giles & Fripp. Dieser Kontext macht wieder sichtbar, wie verblüffend King Crimsons Auftauchen 1969 tatsächlich war. In the Court of the Crimson King verband Mellotron-Größe, jazzgeprägte Musikalität, akustische Feinheit, Improvisation und eine dunklere emotionale Atmosphäre als ein Großteil des damaligen Psychedelic Rock. Gleichzeitig wuchs der Live-Ruf der Band in bemerkenswertem Tempo. Doch bereits die erste Besetzung erwies sich fast sofort als instabil und etablierte damit das Muster, das den Rest des Buches prägt. Smiths Stärke liegt darin, diese Veränderungen als Teil der musikalischen Geschichte verständlich zu machen und nicht als lästige Personalfragen, die der Leser überstehen muss, bevor das nächste Album erscheint.

Besetzungswechsel als musikalischer Wandel

Die frühe King-Crimson-Chronologie kann schnell zu einem Personennebel werden, wenn sie wie Trivia behandelt wird: Greg Lake geht, Gordon Haskell kommt, Mel Collins erscheint, Boz Burrell wird rekrutiert und schließlich baut Fripp die gewaltige Formation mit Bill Bruford, John Wetton, David Cross und Jamie Muir. Smith macht diese Übergänge verständlich, indem er zeigt, dass jede Konfiguration die musikalischen Möglichkeiten verändert. Besonders wichtig ist die Phase 1972 bis 1974 um Larks' Tongues in Aspic, Starless and Bible Black und Red, weil Live-Improvisation zu einem zentralen Bestandteil der Gruppenidentität wird. Die Musik konnte mit außerordentlicher Präzision komponiert sein und dennoch Passagen enthalten, deren endgültige Form erst in Echtzeit entdeckt wurde. Dieses Nebeneinander von Disziplin und Gefahr ist ein Grund, weshalb King Crimson sich einer Biografie widersetzen, die nur aus Veröffentlichungsdaten besteht.

Neuerfindung statt Reunion

Als King Crimson 1981 mit Fripp, Bruford, Adrian Belew und Tony Levin zurückkehrten, versuchten sie nicht, 1974 nachzustellen. Ineinandergreifende Gitarren, neue Technologie, funkgeprägter Rhythmus und eine scharf veränderte kompositorische Sprache machten Discipline zu einer Neuerfindung statt zu Nostalgie. Spätere Formationen setzten diese Weigerung fort, sich festzulegen: das Double Trio, die ProjeKcts, Besetzungen der 2000er und schließlich das große Ensemble der 2010er definierten immer wieder neu, was King Crimson sein konnte. Der Wert von Smiths Ausgabe von 2019 liegt darin, dass diese Entwicklungen als abgeschlossene Geschichte behandelt werden können statt als spekulativer Epilog. Zeitgenössische Einschätzungen beschrieben das neue Buch als umfassende Neustrukturierung und nicht als bloßes Update, genau das, was ein so instabiles Thema verlangte.

Warum Sid Smith ungewöhnlich gut positioniert ist

Smiths Beziehung zum Material vertiefte sich nach der Ausgabe von 2001 erheblich. Er wurde eng in die Dokumentation von King Crimson eingebunden, darunter Arbeiten im Umfeld von DGMLive sowie umfangreiche Liner Notes für Archivveröffentlichungen und Jubiläumsboxen. Dadurch gewann er eine außergewöhnliche Vertrautheit mit den Aufnahmen und dem historischen Archiv der Band. Zugang allein garantiert noch keine starke Biografie, erlaubt hier aber, Interviews, Dokumentation und detailliertes musikalisches Wissen miteinander zu verbinden, ohne das Ergebnis in ein trockenes Handbuch zu verwandeln. Die überarbeitete Ausgabe enthält zudem reichhaltiges Material über die zentrale Erzählung hinaus, darunter stückbezogene Diskussionen und Konzertdokumentation. Sie funktioniert damit teilweise als Biografie und teilweise als Nachschlagewerk, was zu einer Band passt, deren Live-Geschichte und wechselnde Methoden ebenso wichtig sind wie der Studiokatalog.

Stärken

Recherche-Tiefe ist der offensichtliche Reiz, doch wichtiger ist, wie lesbar Smith diese Tiefe macht. Rezensionen betonten seine Fähigkeit, die Musik klar zu diskutieren, ohne die Biografie in einen technischen Musikwissenschaftstext zu verwandeln. Das ist bei einer Gruppe besonders wichtig, deren kompositorische und improvisatorische Methoden Einsteiger schnell einschüchtern können. Die überarbeitete Ausgabe weigert sich außerdem, eine bevorzugte Besetzung zum „echten“ King Crimson zu erklären, und lässt den Verlauf über ein halbes Jahrhundert tatsächlich plural bleiben. Vor allem versteht Smith Instabilität als Thema und nicht als Hindernis. Besetzungswechsel, Pausen und Neugründungen sind keine Unterbrechungen einer stabilen Bandgeschichte, sondern der Mechanismus, durch den die künstlerische Identität immer wieder erneuert wird.

Einschränkungen

Die Ausgabe von 2019 ist physisch wie intellektuell umfangreich, und Leser, die sich ausschließlich für die klassische Phase 1969 bis 1974 interessieren, könnten die späteren Formationen und Dokumentationen als mehr empfinden, als sie benötigen. Smiths Nähe zur Crimson-Archivwelt ist fast ausschließlich ein Vorteil; wer ausdrücklich eine feindselige oder radikal revisionistische Biografie sucht, sollte aber wissen, dass dies die tief informierte Arbeit eines Autors ist, der lange mit der Dokumentation der Band verbunden war. Ein weiteres praktisches Problem ist die Ausgabenverwirrung. Das Original von 2001 bleibt historisch interessant, endet jedoch vor fast zwei weiteren Jahrzehnten Bandgeschichte und enthält nicht die umfangreiche Neustrukturierung des Buches von 2019. Händlerangebote sollten diese Versionen deshalb klar auseinanderhalten.

Welche Ausgabe sollte man kaufen?

Für Lesen und Nachschlagen ist die *2019-Ausgabe An Observation Over 50 Years*** die klare Empfehlung, weil sie die spätere Wiederbelebung, umfangreiche Archivarbeit und Smiths grundlegende Neubewertung des ursprünglichen Projekts einschließt. Die Helter-Skelter-Ausgabe von 2001 sollte eher als historische Version der Biografie verstanden werden, interessant für Sammler oder Leser, die vergleichen möchten, wie die Crimson-Geschichte vor dem späteren Ensemble und der großen Archiverweiterung aussah. Dieser Unterschied ist wichtig genug, um direkt neben den Händlerbuttons sichtbar zu sein, statt im bibliografischen Kleingedruckten zu verschwinden.

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