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HerkunftHagen, Westdeutschland
Aktiv1971–1989; später Reunion- und Akustikprojekte
GenreSymphonic Prog / Space Rock
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Überblick

Grobschnitt entwickelten eine besonders theatralische Form des deutschen Progressive Rock. Lange Improvisationen, sinfonische Erzählungen und sorgfältig vorbereitete Tonbandeffekte teilten sich die Bühne mit Slapstick, Kostümen, komischen Figuren und einer Lichtregie, die Teil der Aufführung war und nicht bloße Dekoration.

Der Katalog hält mehrere Seiten dieser Identität fest. Ballermann stellt kompakte Songs neben die erste veröffentlichte Fassung von „Solar Music“; Rockpommel’s Land verwandelt ein Märchen in ein durchgehendes Studiowerk; Solar Music Live dokumentiert eine Komposition, deren Form vom gemeinsamen Timing und den Bedingungen eines bestimmten Konzerts abhing.

Grobschnitt auf einem Gruppenfoto
Grobschnitt auf einem Gruppenfoto. Foto: unbekannt / ursprünglich hochgeladen von de:user:Markus Schweiß am 19. April 2004 um 21:03:29 / Wikimedia Commons · Lizenz: CC BY-SA 3.0. Für diese Seite in WebP konvertiert.

Gründung & Geschichte

Grobschnitt entstanden in Hagen, als Mitglieder der Nachfolgegruppen Charing Cross und Wutpickel im Februar 1971 wieder zusammenfanden. Zur ersten sechsköpfigen Besetzung gehörten Joachim „Eroc“ Ehrig und Axel „Felix“ Harlos am Schlagzeug, Gerd Otto „Lupo“ Kühn an der Leadgitarre, Stefan „Wildschwein“ Danielak an Gitarre und Gesang, Bernhard „Baer“ Uhlemann am Bass sowie Hermann „Quecksilber“ Quetting an den Tasteninstrumenten. Im April folgten die ersten Auftritte unter dem Namen Kapelle Elias Grobschnitt; das selbstbetitelte Debüt wurde im Dezember 1971 aufgenommen und im April 1972 bei Brain veröffentlicht.

Uhlemann, Harlos und Quetting gingen im Verlauf des Jahres 1972, wodurch die Band kurzzeitig zum Stillstand kam. Eroc, Lupo und Wildschwein machten mit dem Keyboarder Volker „Mist“ Kahrs weiter; Uhlemann kehrte zurück, bevor Wolfgang „Popo“ beziehungsweise „Hunter“ Jäger 1975 den Bass übernahm. Ab 1973 integrierten die Konzerte zunehmend Tonbandcollagen, Schminke, Schauspiel und Figuren, die unter anderem vom Crewmitglied Toni Moff Mollo verkörpert wurden. Die Alben der ursprünglichen Band führten vom Doppel-LP-Format von Ballermann über die zweisprachigen Fassungen von Jumbo zum Konzeptalbum Rockpommel’s Land und dem Live-Monument Solar Music Live. Spätere Besetzungen arbeiteten songorientierter; das Abschiedskonzert fand am 4. Dezember 1989 in Hagen statt. Von 2006 bis 2012 folgten Reunion-Konzerte, später griffen Lupo, Wildschwein und Nuki das Repertoire akustisch wieder auf.

Klang & Stil

Lupos lang ausgehaltene Leadgitarre und Mists Orgel-, Klavier- und Synthesizerlinien konnten weite sinfonische Bögen aufbauen, während Eroc mit Schlagzeug, Perkussion, elektronischen Effekten und vorbereiteten Tonbändern den Raum um die Band formte. Wildschweins Stimme konnte im einen Moment ernsthaft erzählen und im nächsten theatralisch überzeichnen. Die Rhythmusgruppe begleitete nicht bloß Soli: Wiederholte Bassfiguren und geduldige dynamische Veränderungen hielten die langen Aufführungen zusammen.

„Solar Music“ ist das deutlichste Beispiel dieser Arbeitsweise. Die Wurzeln erscheinen als „Sun Trip“ auf dem Debüt von 1972; die 33-minütige Studiofassung auf Ballermann etabliert wiederkehrendes Material, doch Konzertversionen konnten erheblich länger werden und neue Soli, leise Passagen und Effekte aufnehmen. Im Gegensatz dazu erzählt Rockpommel’s Land Ernies Reise mit vier verbundenen Kompositionen, akustischen Details und kontrollierten Übergängen – fast ohne das bewusst herbeigeführte Chaos der Bühnenshow.

Zentrale Alben

1978

Solar Music Live

Brain · Originalveröffentlichung von 1978

Solar Music Live wurde am 7. April 1978 im Otto-Pankok-Forum in Mülheim aufgenommen und anschließend von Eroc und Geheimrat Günstig in Conny's Studio neu abgemischt. Sieben nummerierte Abschnitte teilen eine durchgehende Darbietung auf der ursprünglichen LP; die Musik bewegt sich durch leise Pulse, ausgehaltene Gitarrentöne, Tasteninstrumente, elektronische Effekte und große Ensemblehöhepunkte. Die Aufnahme zeigt, weshalb keine einzelne Studioanordnung das Stück festlegen konnte: Die Übergänge beruhen auf geduldigem gemeinsamen Timing, und selbst einzelne Soli bleiben Teil eines gemeinsamen dramatischen Bogens. Eroc produzierte das Album und gestaltete auch das Cover.

Zentrale Abschnitte: Mülheim Special · Otto Pankrock · Golden Mist

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1977

Rockpommel’s Land

Brain · Originalveröffentlichung von 1977

Rockpommel's Land folgt dem Jungen Ernie, der mit dem Vogel Maraboo einer grauen Alltagswelt entkommt. Vier verbundene Stücke führen von „Ernie's Reise“ durch das bedrückende Severity Town und die kurze Befreiung von „Anywhere“ zum seitenlangen Titelstück. Mist entwarf die Geschichte und ihre zentralen Themen; Tasteninstrumente und akustische Passagen schaffen sinfonische Weite, während Lupos elektrische Gitarre die instrumentalen Höhepunkte setzt. Die Band nahm das Album von November 1976 bis Februar 1977 mit Conny Plank und Eroc in Conny's Studio auf und mischte es dort. Die erste Liveaufführung fand einen Monat vor der Veröffentlichung im April statt.

Schlüsseltitel: Ernie’s Reise · Severity Town · Anywhere · Rockpommel’s Land

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1974

Ballermann

Brain · Originalveröffentlichung von 1974

Ballermann wurde an sechs Tagen im Februar 1974 in Dieter Dierks' Studio in Stommeln aufgenommen, von Dierks tontechnisch betreut und von Frank Mille produziert. Die erste Platte bewegt sich zwischen dem kurzen komischen Auftakt „Hello My Dear Friends“, der rhythmischen Karikatur „Sahara“, dem neunminütigen „Nickelodeon“ und dem längeren „Magic Train“. Die zweite Platte gehört der ersten veröffentlichten Fassung von „Solar Music“, aufgeteilt in zwei Teile von zusammen rund 33 Minuten. Mists Tasteninstrumente und Erocs Elektronik erweitern die Klangfarben; Lupos Gitarre und die Rhythmusgruppe geben der langen Form ihre Richtung.

Schlüsseltitel: Sahara · Nickelodeon · Magic Train · Solar Music

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Warum sie bis heute wichtig sind

Grobschnitt zeigen, weshalb sich die Geschichte des Progressive Rock nicht allein aus Studioalben rekonstruieren lässt. „Solar Music“ war nicht bloß eine lange Komposition, sondern eine wandelbare Aufführungspraxis: Die Studiofassung von 1974, die Mülheimer Aufnahme von 1978 und spätere Konzertvarianten bewahren verwandtes Material in unterschiedlichen Strukturen.

Die Band behandelte außerdem Techniker, Schauspieler, Licht und Tonbandklang als Bestandteile eines Ensembles. Dieser Ansatz verband Experimente der Krautrock-Ära, sinfonisches Erzählen und populäres Theater, ohne eines davon zur Hintergrunddekoration zu machen. Fortlaufende Archivausgaben und akustische Neuinterpretationen zeigen, dass das Repertoire die ursprüngliche Inszenierung überdauern kann und dennoch seine unverkennbar lokale Hagener Identität behält.

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Quellen & weiterführende Lektüre

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