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Klassischer Albumguide

Bull of the Woods

13th Floor Elevators · 1969 · Psychedelic Rock

1969 veröffentlicht, ist Bull of the Woods das dritte und letzte Studioalbum der 13th Floor Elevators: eine dunklere, gitarrengeführte Platte, die während der Auflösung der ursprünglichen Gruppe entstand und Stacy Sutherland als wichtigsten Komponisten und Sänger zeigt.

Veröffentlicht 1969Letztes Studioalbum mit elf TitelnProduziert von Ray Rush
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Die Platte

Auf einen Blick

Künstler
13th Floor Elevators
Erschienen
1969
Album
Drittes und letztes Studioalbum
Originaltitel
Elf
Label
International Artists
Produktion
Ray Rush; Bläserarrangements von Danny Thomas

Warum dieses Album wichtig ist

Der Name der Elevators überlebt einen vollständigen Wechsel des kreativen Gewichts

Bull of the Woods dokumentiert kreatives Überleben statt einer stabilen Band. Roky Erickson, Stacy Sutherland und Tommy Hall teilten die praktische Kontrolle nicht mehr gleichmäßig; Sutherland schrieb den Großteil des Programms, sang sieben Titel und führte die Sessions zum Abschluss.

Die innere Teilung ist deutlich hörbar. Erickson singt Livin’ On, Never Another, Dr. Doom und May the Circle Remain Unbroken mit Duke Davis am Bass; Sutherland steht bei den übrigen sieben Titeln mit Ronnie Leatherman und Danny Thomas im Zentrum.

Daraus entstehen zwei verwandte musikalische Identitäten. Vier Stücke bewahren stärker das bekannte Erickson-geführte Profil, während das Trio auf zurückgenommenen Gesang, Fuzzgitarre, Echo und einen schwereren, erdverbundenen Puls setzt.

Danny Thomas steuert mehr als Schlagzeug bei. Seine Bläserarrangements bringen Farben ein, die auf den ersten beiden Alben kaum vorkamen: teils verstärken sie ein Riff, teils liegen sie wie eine zusätzliche Produktionsschicht über dem Trio.

Das Album ist weder ein gewöhnlicher dritter Schritt noch bloß ein vertraglicher Nachsatz. Es ist eine vollständige Studioplatte mit elf Titeln, deren zersplitterte Urheberschaft und Klang die Auflösung der Gruppe im Jahr 1968 hörbar machen.

Houston, 1968–1969

Ein letztes Album, vollendet nachdem das Zentrum zerfallen war

Nach Easter Everywhere litt die Band unter anhaltendem juristischem Druck, weniger Auftritten, Bassistenwechseln und persönlichen Krisen. Die Arbeit an einem weiteren Studioalbum begann, während ihre praktische Einheit zerfiel.

Dan Galindo war ausgeschieden. Duke Davis spielte Bass auf den vier Aufnahmen mit Erickson; das frühere Mitglied Ronnie Leatherman kehrte für die sieben späteren Trioaufnahmen mit Sutherland und Thomas zurück.

Erickson und Hall wirkten nur an einem klar begrenzten Teil der fertigen LP mit. Sutherland und Thomas mussten daher genügend Material liefern und daraus ein veröffentlichungsfähiges Album formen.

Ray Rush produzierte in der Anlage von International Artists in Houston; Fred Carroll, Jim Duff und Hank Poole sind als Toningenieure dokumentiert. Thomas arrangierte die Bläser, die ausgewählten Stücken hinzugefügt wurden.

International Artists veröffentlichte Livin’ On und Scarlet and Gold als Single und brachte das Album 1969 heraus. Zu diesem Zeitpunkt funktionierte die ursprüngliche Gruppe faktisch nicht mehr.

Spätere Rekonstruktionen wie A Love That’s Sound sammeln verworfene oder alternative Aufnahmen von 1968. Sie erhellen den Weg zu Bull of the Woods, sind aber nicht die damals veröffentlichte Albumfolge.

Eine geteilte Besetzung

Vier Bandaufnahmen und ein Kern aus sieben Trio-Titeln

Stacy SutherlandLeadgitarre, Hauptkomponist und Leadgesang auf sieben Titeln
Roky EricksonLeadgesang und Rhythmusgitarre auf Livin’ On, Never Another, Dr. Doom und May the Circle Remain Unbroken
Tommy HallKoautor und begrenzte Mitwirkung aus der Ära der elektrischen Jug
Danny ThomasSchlagzeug und Bläserarrangements
Ronnie LeathermanBass auf den sieben Sutherland-Titeln und Komponist von With You
Duke DavisBass auf den vier Erickson-Titeln
Ray RushProduzent
Fred Carroll, Jim Duff and Hank PooleTontechnik

Sutherlands Stimme liegt tiefer und wirkt weniger explosiv als Ericksons. Statt den abwesenden Frontmann nachzuahmen, baut er Atmosphäre mit gedoppelten Gitarren, Echo und einem Gesang auf, der im Mix sitzen darf.

Ericksons vier Auftritte verändern sofort den Maßstab. Livin’ On eröffnet mit vertrauter Dringlichkeit; May the Circle Remain Unbroken nutzt seine freigestellte Stimme für einen radikal reduzierten Abschied.

Leatherman und Thomas bilden die beständigste Arbeitseinheit des Albums. Ihr geerdeter Puls erlaubt Sutherland, Gitarrenschichten aufzubauen, ohne die Songform zu verlieren.

Davis spielt nur auf den früheren vier Aufnahmen mit Erickson und darf nicht dem gesamten Album zugerechnet werden. Sein Bass hilft genau jene Sessions zu erkennen, in denen Erickson zu hören ist.

Thomas’ Bläser erweitern den Klang über die Trioleistung hinaus. Weil sie in der Produktion ergänzt wurden, bilden sie neben Sutherlands Gitarren eine eigene ordnende Stimme.

Halls geringere hörbare Präsenz ist historisch bedeutsam. Die charakteristische elektrische Jug ist nicht länger der durchgehende rhythmische Marker der ersten beiden Alben.

Die letzte Studioklangpalette

Fuzz, Echo und Bläser nach dem Rückzug der elektrischen Jug

Bull of the Woods ersetzt die früher hervortretende elektrische Jug durch Fuzzgitarre, Echo und ein dichteres Bass-Schlagzeug-Zentrum. Die Dunkelheit entsteht nicht nur aus langsameren Tempi.

Sutherland legt häufig klare Rhythmusgitarre unter verzögerte oder verzerrte Leadlinien. So entsteht räumliche Tiefe in Arrangements, die meist von nur drei Hauptmusikern getragen werden.

Die Bläser treten in ein bereits gitarrengeführtes Feld. Im besten Fall verstärken sie melodische Wendungen oder schaffen Kontrast; andernorts reibt sich ihr Studioglanz produktiv an der rauen Textur des Trios.

Die vier von Erickson gesungenen Titel besitzen einen helleren vokalen Fokus und die stärkste Verbindung zur bekannten Bandidentität. Die Reihenfolge verteilt sie als Auftakt, frühes Zentrum, späten Druckpunkt und abschließenden Segen.

Die Trioaufnahmen reichen von knappen Blues- und Folkrockformen bis zu den längeren Scarlet and Gold und Street Song. Sutherlands Dominanz führt also nicht zu einer einzigen wiederholten Formel.

Die ursprüngliche Stereoabmischung wirkt stellenweise ungleichmäßig, weil Sessions und Overdubmethoden variieren. Moderne Bandtransfers erhöhen die Trennschärfe, sollten diese historischen Unterschiede aber nicht glätten.

Titel für Titel

Elf Songs aus zwei Versionen der Band

01

Livin’ On

Ericksons Gesang und Sutherlands Fuzzriff knüpfen sofort an den klassischen Elevators-Klang an. Davis und Thomas treiben die kompakte Form, während Bläser den Refrain über das frühere Gitarre-Jug-Modell hinaus erweitern. Als Auftakt begrüßt die vertraute Stimme den Hörer, bevor die folgenden Stücke den Führungswechsel offenlegen.

02

Barnyard Blues

Sutherland übernimmt das Mikrofon in einem schlanken, verzerrten Blues. Leathermans Bass und Thomas’ Schlagzeug bilden das Triofundament; geschichtete Gitarren liefern zugleich Riff und instabile Atmosphäre. Der zurückgesetzte Gesang setzt nach Ericksons Auftakt bewusst ein neues Zentrum.

03

Till Then

Diese melodischere Sutherland-Hall-Komposition verbindet klingende Bewegung mit rauer Gitarrenoberfläche. Der gemessene Puls schafft Distanz und Erwartung statt bloßer Fuzz-Attacke. So zeigt das Trio früh, dass es mehr als harte Riffs beherrscht.

04

Never Another

Erickson kehrt in einer Komposition mit Hall zurück, und die stärkere vokale Projektion ist sofort hörbar. Davis und Thomas stützen einen vertrauteren psychedelischen Vortrieb, Sutherlands Gitarre schärft die Wiederholungen. Das alte Zentrum flammt auf, kann die ganze Seite aber nicht mehr organisieren.

05

Rose and the Thorn

Sutherland entwickelt den Gegensatz von Schönheit und Verletzung durch Gitarren, die Sanftheit und Abrieb wechseln lassen. Sein zurückhaltender Gesang überlässt der Instrumentalfarbe die Spannung. Das Trio findet dadurch eine eigene emotionale Größe, ohne Ericksons Intensität zu imitieren.

06

Down by the River

Dieses kurze Stück schließt die erste Seite ökonomisch ab und ist nicht mit Neil Youngs späterem gleichnamigem Song verbunden. Gitarre, Bass und Schlagzeug verdichten ihre Idee auf weniger als zwei Minuten. Nach Rose and the Thorn räumt die Direktheit den Klangraum auf.

07

Scarlet and Gold

Der längste und ausgearbeitetste Sutherland-Titel eröffnet Seite zwei. Mehrere Gitarrenrollen, ein stetiger Puls und wechselnde Gesangsabschnitte erweitern die Trioform, ohne in freie Improvisation zu kippen. Als B-Seite von Livin’ On machte er zugleich die geteilte Autorschaft des Albums öffentlich.

08

Street Song

Ein fast fünfminütiger Groove gibt Leatherman und Thomas Raum für dauerhafte Bewegung, über die Sutherland Gesangs- und Gitarrenperspektiven legt. Die Straße wird zum Feld von Beobachtung und Druck. Das Trio klingt hier vollkommen eigenständig und braucht keinen Erickson-Auftritt zur Rechtfertigung der Länge.

09

Dr. Doom

Ericksons dritter Leadgesang bringt die schärfere Attacke der früheren Bandaufnahmen zurück. Davis verankert den Bass, Thomas setzt mit Schlagzeug und Bläsern harte Akzente. Nach zwei langen Sutherland-Stücken wirkt Dr. Doom wie ein plötzlich verdichteter Eingriff.

10

With You

Bassist Ronnie Leatherman schrieb diesen kurzen Titel, Sutherland singt ihn. Die direkte Ansprache schafft eine menschliche Pause zwischen Dr. Doom und dem gespenstischen Schluss. Seine Urheberschaft erinnert daran, dass selbst der Trio-Block kein reines Sutherland-Portfolio ist.

11

May the Circle Remain Unbroken

Erickson beendet den Studiokatalog der ursprünglichen Gruppe mit einem radikal offenen Stück. Stimme und gehaltene Atmosphäre ersetzen den treibenden Fuzz des Auftakts; Wiederholung wird zu Segen, Unsicherheit und Bitte. Eine triumphale Wiedervereinigung bleibt aus: Der Kreis soll bewahrt werden, gerade weil die Band zerbrochen ist.

Kein durchgehendes Konzept

Isolation, Ausdauer und ein abschließender Kreis

Bull of the Woods ist kein erzählerisches Konzeptalbum. Seine Einheit entsteht aus wiederkehrenden Zuständen: Warten, Isolation, Bedrohung, Ausdauer, beschädigte Beziehungen und dem Versuch weiterzumachen.

Die Titel bewegen sich zwischen ländlichen Bildern, Stadtraum, symbolischen Farben und benannten Figuren. Sutherlands Schreiben verbindet sie durch Stimmung statt durch Figuren oder fortlaufende Handlung.

Die vier Erickson-Songs unterbrechen die Folge wie Rückkehrpunkte einer früheren Identität. Diese Verteilung erzeugt Albumarchitektur, obwohl sie aus zersplitterten Sessions hervorging.

Kreis, Beharrlichkeit und Endgültigkeit erhalten im Schluss historische Kraft, doch die Songs sind keine absichtliche Prophezeiung der Trennung. Das zentrale Thema ist instabile Kontinuität: Der Bandname bleibt, während Stimmen, Rhythmusgruppe, Autorschaft und Signaturinstrument wechseln.

International Artists IA-LP-9

Der Stier bricht durch einen rauen Holzrahmen

Lloyd Sepulvedas Cover zeigt einen schwarzen Stierkopf hinter einer gezackten Öffnung in einer rauen Holzplatte vor sackleinenartigem Grund. Westernschrift und erdige Materialien verknüpfen den Titel mit Texas, ohne die optische Psychedelik des Debüts oder die Sonnengeometrie von Easter Everywhere zu kopieren. Charlys Faksimile reproduziert die ursprüngliche Hülle und ergänzt Sessionfotos auf einem separaten Einleger.

1969

Ein Schluss von 1969, zusammengesetzt aus Sessions von 1968

International Artists veröffentlichte Bull of the Woods 1969 als drittes und letztes Studioalbum der Elevators mit elf Titeln aus Sessions von 1968. Da die Gruppe praktisch bereits aufgelöst war, kündigte die LP keine stabile neue Tourbesetzung unter Sutherland an. Die Single Livin’ On / Scarlet and Gold verband je eine Stimme von Erickson und Sutherland.

Die Texas State Historical Association verzeichnet schwache kommerzielle und kritische Resonanz. Spätere Neubewertungen behandeln die Platte stärker als eigenständiges Schlusswerk. Sie bleibt klar von Live, der konstruierten Konzertkompilation von 1968, und der späteren Rekonstruktion A Love That’s Sound zu unterscheiden.

Der von Sutherland geführte Abschluss

Neu gehört als Sutherlands zentrales Album

Weil Erickson auf sieben Titeln fehlt, galt Bull of the Woods lange als unechter Anhang. Die detaillierten Titelangaben erlauben heute ein präziseres Urteil.

Sutherlands Kompositionen, Gesang und Gitarrenschichten geben dem Album ein kohärentes Zentrum, auch wenn es sich radikal von den ersten beiden LPs unterscheidet. May the Circle Remain Unbroken verbindet die Platte am stärksten mit Ericksons späterem Ruf; Scarlet and Gold lenkte neue Aufmerksamkeit auf Sutherland.

Das Archiv Sign of the 3 Eyed Men trennte das fertige Album von Alternativen, Singles und anderem Material von 1968, darunter die vorgeschlagene A-Love-That’s-Sound-Folge. Der moderne Quest-for-Pure-Sanity-Transfer präsentiert die ursprünglichen elf Stereotitel von einem Mischmaster und bewahrt ihren dunklen, ungleichen Charakter.

Album und Archiv

Originalstereo, erweitertes Archiv und Bandrestaurierung

Originalalbum von 1969Die elf Titel umfassende International-Artists-Folge und letzte veröffentlichte Studioaussage.
Archivausgabe von 2009Das Originalalbum mit anschließenden Singleversionen, einem alternativen Bläserarrangement und einem Radiospot.
Faksimile-Ausgabe von 2024Ein neuer hochauflösender Transfer von einem originalen Mischmaster in reproduzierter Hülle.

Zuerst gehören die elf Originaltitel in ihrer Reihenfolge gehört. Singleversionen und alternative Bläserarrangements sind Vergleichsmaterial, keine Verlängerung von Seite zwei. Die Erickson-Titel an Position 1, 4, 9 und 11 markieren zugleich Duke Davis am Bass; die sieben Sutherland-Titel bilden den Kern mit Leatherman und Thomas.

A Love That’s Sound rekonstruiert einen anderen möglichen Weg von 1968. Es sollte die historische Reihenfolge von Bull of the Woods nicht verdrängen.

Ein guter Transfer bewahrt Bassgewicht, Gitarrenausklang, zurückgesetzte Stimmen und die Kanten der Bläser, ohne unterschiedliche Sessions künstlich zu vereinheitlichen.

Ein Hörweg

Stimmen, Bassisten und Arrangementschichten verfolgen

  1. Livin’ On und Barnyard Blues vergleichen, um den Wechsel von Erickson/Davis zu Sutherland/Leatherman zu hören.
  2. Sutherlands Spannweite von Till Then über Rose and the Thorn bis zum kurzen Down by the River verfolgen.
  3. Scarlet and Gold und Street Song als die beiden ausgedehnten Formen des Trios auf Seite zwei hören.
  4. Dr. Doom und With You vergleichen: Ericksons Rückkehr gegen Leathermans knappe Komposition.
  5. Mit May the Circle Remain Unbroken enden und vor Bonustiteln stoppen, damit der ursprüngliche Schluss erhalten bleibt.

Recherche und Quellen

Quellen und weiterführende Lektüre

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