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Classic Album Guide

In and Out of Focus

Focus · 1970 · Progressive Rock

Ursprünglich in den Niederlanden als Focus Plays Focus veröffentlicht, verbindet das Debüt Gesangssongs, Jazzrockentwicklung und das erste nummerierte Focus-Instrumentalstück; internationale Ausgaben formten es um die flötengeführte Single House of the King neu.

Veröffentlicht September 1970Niederländische LP mit sieben TitelnProduziert von Hubert Terheggen
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Die Platte

Auf einen Blick

Künstler
Focus
Niederländischer Titel
Focus Plays Focus
Internationaler Titel
In and Out of Focus
Album
Debüt-Studioalbum
Originaltitel
Sieben
Produzent
Hubert Terheggen

Warum sie wichtig ist

Das Debüt enthält die Band, die Focus war, und die, die sie werden konnte

In and Out of Focus ist wichtig, weil die spätere Identität der Band bereits vorhanden ist, aber noch nicht dominiert. Das lange Instrumentalstück Focus eröffnet van Leers nummerierte Reihe; Anonymus schafft einen Jazzrockrahmen, den die Band als Anonymus II wieder aufgreifen sollte; Flöte, Orgel und Akkermans Gitarre agieren bereits als gleichberechtigte Führungsstimmen.

Zugleich enthält das Album mehr konventionelles Songwriting mit Gesang als Moving Waves oder Focus 3. Why Dream, Happy Nightmare, Black Beauty, Sugar Island und die Gesangsreprise von Focus stellen englischen Gesang ins Zentrum. Der Kontrast zeigt eine Band, die noch entscheidet, wie sie kommunizieren will.

Die ursprüngliche Rhythmusgruppe gibt der Platte eine eigene Identität. Martijn Dresdens Bass, Trompete und Stimme sowie Hans Cleuvers Schlagzeug, Bongos und Hintergrundgesang sind auf keinem späteren Focus-Studioalbum zu hören. Der Wechsel zu Cyril Havermans und Pierre van der Linden veränderte Gewicht und Beweglichkeit für Moving Waves.

Das Album erteilt auch eine diskografische Lektion. Die niederländische Veröffentlichung vom September 1970 hieß Focus Plays Focus und enthielt sieben Titel. Internationale Ausgaben als In and Out of Focus änderten Reihenfolge und fügten oft House of the King hinzu. Das Bild des Debüts hängt deshalb von Land und Format ab.

1969–70

Ein Theaterquartett nimmt in London auf

Thijs van Leer hatte mit Martijn Dresden und Hans Cleuver ein Trio gegründet, bevor Jan Akkerman Ende 1969 dazukam. Die vier Musiker arbeiteten in der Amsterdamer Produktion von Hair, sammelten tägliche Ensembleerfahrung und entwickelten eigenes Material.

Hubert Terheggen vermittelte Verlags- und Aufnahmemöglichkeiten. Während einer Theaterpause reiste Focus zu Sound Techniques in Chelsea und nahm das Album im Januar 1970 auf. Terheggen produzierte, Jerry Boys war Toningenieur.

Die Sessions ergaben eine Mischung aus Songs und Instrumentalstücken statt der später mit Focus verbundenen weitgehend textlosen Form. Van Leer spielte zahlreiche Keyboards und Flöten, Dresden und Cleuver steuerten Stimmen und Kompositionen bei, Akkermans elektrische und akustische Gitarren verbanden Rockkante und Kammerdetail.

Imperial veröffentlichte Focus Plays Focus im September in den Niederlanden. Internationale Partner nutzten In and Out of Focus, neues Artwork und andere Folgen. House of the King erschien um den Jahreswechsel 1971 als Single und wurde auf vielen Ausgaben zum achten Titel.

Das ursprüngliche Quartett

Das einzige Album der ursprünglichen Vier

Thijs van LeerLeadgesang, Flöte, Hammondorgel, Klavier, E-Piano, Mellotron, Cembalo und Vibrafon
Jan AkkermanElektrische und akustische Gitarren
Martijn DresdenBass, Trompete, Lead- und Hintergrundgesang
Hans CleuverSchlagzeug, Bongos und Hintergrundgesang
Wouter MöllerGastcello bei Happy Nightmare (Mescaline)
Hubert TerheggenProduktion
Jerry BoysTontechnik

Van Leers Bandbreite ist bereits das ordnende Mittel. Orgel trägt das lange Instrumentalstück, Klavier und E-Piano stützen die Songs, Mellotron und Cembalo liefern arrangierte Farbe, Flöte gibt der Musik eine sofort erkennbare Oberstimme.

Akkerman vermeidet eine feste Gitarrenrolle. Er schärft Gesangsarrangements, antwortet der Orgel in Anonymus, trägt Focus mit gehaltenen Linien oder führt den akustischen Schwung von House of the King.

Dresden liefert mehr als Bassfundament. Trompete erweitert die Farbe, seine Stimme gibt Happy Nightmare einen anderen Charakter, und seine Mitkompositionen machen das Debüt weniger auf einen einzigen Autor konzentriert als spätere Platten.

Cleuver wechselt zwischen Rockschlagzeug, Bongos und Ensemblegesang. Das leichtere Rhythmusprofil unterscheidet dieses Quartett von van der Lindens explosiverem Angriff auf Moving Waves.

Klang und Konstruktion

Vokalpop und lange Instrumentalstücke ziehen in verschiedene Richtungen

Das Originalalbum beginnt im größten Maßstab. Focus dauert fast zehn Minuten; Orgel, Flöte, Gitarre, Bass und Schlagzeug etablieren geduldig eine Instrumentalidentität, bevor kurze Gesangsstücke erscheinen.

Why Dream und Happy Nightmare wenden sich kompakten psychedelischen Popformen zu. Stimmen stehen in arrangierten Instrumentaldetails statt über einfacher Begleitung. Das Cello in Happy Nightmare fügt ein dunkleres Kammerregister hinzu.

Anonymus ist das zentrale Ensembleexperiment. Ein modales Thema trägt den Dialog von Gitarre und Orgel sowie rhythmische Entwicklung und weist direkt auf das vergrößerte Anonymus II von Focus 3.

Seite zwei von Focus Plays Focus führt durch Black Beauty, Sugar Island und Focus (Vocal). Der Schluss verdichtet Material des Auftaktinstrumentals zur Songlänge: Das Album bewegt sich aus dem eigenen Thema heraus und wieder hinein.

House of the King verändert die internationale Konfiguration. Akustischer Puls und Flötenmelodie sind knapp, hell und unmittelbar. Die Ergänzung stärkt das Instrumentalsingle-Profil, schwächt aber die ursprüngliche Spiegelung der beiden Focus-Fassungen.

Titelguide

Sieben niederländische Originale plus das internationale Erkennungszeichen

01

Focus (Instrumental)

Das Auftaktinstrumental begründet van Leers nummerierte Reihe vor Focus II und Focus III. Orgel liefert Weite; Gitarre und Flöte führen verschiedene melodische Blickwinkel ein.

Dresden und Cleuver halten ein leichteres, elastischeres Fundament als die spätere klassische Rhythmusgruppe. Die Musik entwickelt sich im Ensembleaustausch statt als durchgehendes Solo.

Das Debüt mit dem längsten Stück zu beginnen, ist eine Ambitionserklärung. Der Bandname wird Titel und Methode: Diesen Klang soll der Hörer fokussieren.

02

Why Dream

Das Album zieht sich zu einem englischen Song von van Leer und Cleuver zusammen. Die fragende Stimmung des Textes liegt in harmonischer Unruhe statt in theatralem Gesang.

Orgel, Gitarre und Hintergrundstimmen machen das Arrangement dichter als ein Pop-Zwischenspiel. Der kollektive Gesang des ursprünglichen Quartetts ist besonders hörbar.

Die Position nach der Langform zeigt Unsicherheit und Stärke des Debüts: Focus kann sich Songhandwerk zuwenden, ohne instrumentales Detail aufzugeben.

03

Happy Nightmare (Mescaline)

Dresdens Leadstimme verändert die Vorderseite der Band; der Titel behandelt veränderte Wahrnehmung in einem kompakten psychedelischen Song statt in langer Improvisation.

Wouter Möllers Cello bringt Gewicht und beunruhigende Kammerfarbe. Gitarre und Keyboards umgeben die Stimme mit wechselnder Textur, ohne jedes Bild wörtlich auszumalen.

Der Titel bewahrt eine Focus-Fassung im Dialog mit Art-Pop der späten 1960er. Spätere Alben behielten die Klangfantasie, nutzten aber weniger solcher Gesangsstücke.

04

Anonymus

Ein wiederkehrendes Thema gibt dem Quartett Raum für instrumentalen Austausch. Orgel, Gitarre und Flöte wechseln die Führung; Bass und Schlagzeug halten den Rahmen beweglich.

Das Stück ist grooveorientierter als Focus und nutzt Wiederholung als Plattform. Seine Offenheit eignete sich zur späteren Erweiterung.

Anonymus II auf Focus 3 macht diese Fassung nicht überflüssig. Das Debüt zeigt, wie das ursprüngliche Quartett das Material balancierte, bevor Ruiter und van der Linden seinen Maßstab veränderten.

05

Black Beauty

Seite zwei kehrt zum Song zurück. Van Leer singt; Orgel und Gitarre geben einen leicht formalen Rahmen, Dresdens Trompete erweitert das Arrangement.

Der Titel stellt eine bewunderte Figur ins Zentrum, doch der musikalische Wert liegt in gemessener Melodiekonstruktion statt in detaillierter Handlung.

Nach Anonymus stellt das Stück Songmaßstab wieder her, ohne die Instrumentalpersönlichkeit zu löschen. Dieser Übergang gehört zur Bewegung hinein und hinaus.

06

Sugar Island

Ein direkterer rhythmischer Song führt Fluchtbilder und Gruppenstimmen ein. Seine Oberfläche zählt zu den unmittelbarsten Momenten des Debüts.

Keyboards, Gitarrenfarben und Cleuvers Perkussion bewahren ungewöhnliche Details. Zugänglichkeit wird als weitere Ensembletextur behandelt.

Manche spätere Regionalausgaben ließen den Titel weg. Seine Anwesenheit prüft daher, ob eine Ausgabe das niederländische Album bewahrt.

07

Focus (Vocal)

Das Originalalbum schließt mit Material des Auftaktinstrumentals, verdichtet zur Gesangsform. Dieselbe Identität erscheint in anderem Maßstab.

Van Leers Stimme ersetzt einen Teil der langen Instrumentalargumentation; harmonische Ähnlichkeit macht das Wiedererkennen unmittelbar. Dieser Spiegelabschluss ist der stärkste Grund, zuerst die niederländische Folge zu hören.

08

House of the King

Akkermans Instrumentalstück wurde zum nützlichsten internationalen Erkennungszeichen. Akustische Gitarre setzt schnellen Puls, van Leers Flöte trägt die Melodie, eine kurze E-Gitarrenwendung schafft Kontrast.

Die kompakte barock geformte Linie kann an britischen Folkrock erinnern, doch Flöte, akustischer Rhythmus und elektrische Unterbrechung sind bereits klar Focus.

Der Titel gehörte nicht zur ursprünglichen niederländischen Folge mit sieben Stücken. Er ist eine ergänzte Single, deren Erfolg die internationale Albumidentität veränderte, kein zwangsläufiger Schluss jeder Ausgabe.

Getrennte Songs

Träume, veränderte Wahrnehmung, Flucht und musikalische Selbstdefinition

Das Debüt ist kein durchgehendes Konzeptalbum. Die Songs behandeln Träume, Wahrnehmung, Bewunderung und Flucht; die Instrumentalstücke untersuchen Ensembleform. Der internationale Titel In and Out of Focus darf nicht rückwirkend zur Handlung werden.

Traumzustände kehren wieder. Why Dream fragt nach Wachen und Vorstellung, Happy Nightmare nennt chemisch veränderte Wahrnehmung, Sugar Island imaginiert ein Anderswo. Die Songs teilen Instabilität, aber keinen Protagonisten.

Die tiefere Einheit ist musikalische Selbstdefinition. Focus (Instrumental) schlägt Großform vor, Anonymus prüft Gruppeninteraktion, Focus (Vocal) übersetzt Identität in einen kurzen Song. House of the King ergänzt später die Instrumentalsingle als vierte Möglichkeit.

Die Unsicherheit des Albums ist historisch wertvoll. Noch dominiert weder Stimme, Flöte, Orgel, Gitarre noch Improvisation. Moving Waves sollte diese Vielfalt entschlossener erscheinen lassen.

Viele Erstausgaben

Ein Debüt, wiederholt umbenannt, neu geordnet und verpackt

Die niederländische Focus-Plays-Focus- und internationale In-and-Out-of-Focus-Ausgabe nutzen verschiedene Namen, Porträts und Grafiken. Weitere Länder brachten Punktmuster und neue Fotografien.

Die Vielfalt spiegelt Lizenzen bei Imperial, Polydor, Sire und späteren Labels. Das Cover allein verrät die enthaltene Folge nicht.

Das Original mit sieben Titeln beginnt mit Focus (Instrumental) und endet mit Focus (Vocal). Viele internationale Acht-Titel-Ausgaben ordnen neu und fügen House of the King ein, wodurch eine andere Bandgeschichte entsteht.

Verpackung ist deshalb Teil der Albumgeschichte, kein stabiles Bildsymbol. Label, Katalognummer und Titelfolge müssen zusammen geprüft werden.

Von Focus Plays Focus

Eine stille Erstveröffentlichung, dann ein flötengeführtes zweites Leben

Imperial veröffentlichte Focus Plays Focus im September 1970 in den Niederlanden, Monate nach der Januar-Session. Die Platte brachte einen Edison-Preis, aber noch nicht das internationale Publikum von Moving Waves.

Why Dream und Happy Nightmare bildeten eine frühe Single. House of the King erwies sich danach als wirkungsvolleres Instrumentalstück und erreichte Platz zehn in den Niederlanden.

Internationale Ausgaben hießen In and Out of Focus und bewarben oft House of the King innerhalb des Albums. Nach dem Auslandserfolg wurde das Debüt 1973 erneut aufgelegt, teils mit verkürzter Titelauswahl.

Die wechselnde Geschichte erklärt widersprüchliche Katalogbeschreibungen. Vinylversionen mit sieben, acht und sogar sechs Titeln existieren; die moderne Red-Bullet-Folge standardisiert acht, ist aber nicht die niederländische Originalreihenfolge.

Vor Moving Waves

Die grobe Karte unter dem klassischen Focus-Klang

Das Debüt wird oft am selbstbewussteren Moving Waves gemessen, zeigt aber gerade, wie dieses Selbstvertrauen entstand. Focus, Anonymus und House of the King markieren drei Instrumentalwege: lyrische Suite, offener Rahmen und knappe Single.

Das ursprüngliche Quartett nahm kein weiteres Studioalbum auf. Dresdens und Cleuvers Stimmen, Trompete, Bongos und leichter Rhythmus machen es zu mehr als einer unreifen Fassung des späteren Line-ups.

Anonymus erhielt die klarste Fortsetzung, als Ruiter und van der Linden es auf Focus 3 erweiterten. Auch die nummerierte Focus-Reihe wurde zum Faden durch spätere Alben und Auftritte.

In and Out of Focus ist damit Anfang und Weggabelung. Der vokale Art-Pop trat zurück; die Instrumentalsprache wurde Grundlage der internationalen Identität.

Welche Ausgabe?

Die Reihenfolge bewusst wählen

Niederländisches Focus Plays Focus von 1970Sieben Titel in der ursprünglichen Spiegelfolge, ohne House of the King.
Internationale LP von 1971Oft acht Titel, neu geordnet und um House of the King erweitert.
Neuauflagen von 1973Regionalvarianten können Sugar Island oder House of the King auslassen; die Folge prüfen.
Red-Bullet-Ausgabe von 2001Standardisiert den bekannten Acht-Titel-Katalog in neuer Reihenfolge.

Zuerst die niederländische Sieben-Titel-Folge hören: Focus (Instrumental), Why Dream, Happy Nightmare, Anonymus, Black Beauty, Sugar Island und Focus (Vocal). Sie bewahrt die entworfene Rückkehr am Ende.

Danach House of the King als einzelne Single ergänzen. So wird ihre Klarheit hörbar, ohne zu behaupten, sie habe immer zur Original-LP gehört.

Die verbreitete Red-Bullet-Streamingfassung beginnt mit Focus (Vocal), stellt House of the King an die fünfte Stelle und endet mit Focus (Instrumental). Sie enthält die acht relevanten Titel, erzählt aber strukturell anders.

Beim Vinylkauf Sugar Island und House of the King einzeln prüfen. Der internationale Titel garantiert weder Reihenfolge noch vollständiges Acht-Titel-Programm.

Ein Hörweg

Mit dem niederländischen Album beginnen, dann House of the King ergänzen

  1. Erstes Hören: Die Sieben-Titel-Folge von Focus Plays Focus nutzen und den Rahmen vom Instrumental- zum Gesangsstück beachten.
  2. Zweites Hören: Dresden und Cleuver folgen und hören, was nach dem Besetzungswechsel verschwindet.
  3. Die Single ergänzen: House of the King danach als knappen instrumentalen Weg nach außen spielen.
  4. Die Zukunft verfolgen: Anonymus mit Anonymus II und Focus mit Focus II und Focus III vergleichen.
  5. Weiterhören: Auf Moving Waves die neue Rhythmusgruppe und festere Instrumentalidentität hören.

Recherche und Quellen

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