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Classic Album Guide

Untitled

The Byrds · 1970 · Psychedelic Rock / Folk Rock

Im November 1970 von Columbia veröffentlicht, ist (Untitled) das Doppelalbum der Byrds mit sechzehn Titeln: sieben Live-Darbietungen, gefolgt von neun Studioaufnahmen von Roger McGuinn, Clarence White, Skip Battin und Gene Parsons, produziert von Terry Melcher und Jim Dickson.

Veröffentlicht im November 1970Live-/Studio-DoppelalbumProduziert von Terry Melcher und Jim Dickson
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Die Platte

Auf einen Blick

Künstler
The Byrds
Veröffentlicht
November 1970
Album
Neuntes Studioalbum mit einer ersten Live-LP
Originaltitel
Sechzehn
Label
Columbia
Produktion
Terry Melcher und Jim Dickson

Warum sie wichtig ist

Die späteren Byrds beweisen Bühnen- und Studioidentität auf Augenhöhe

(Untitled) gibt den späten Byrds einen Maßstab, der meist der Originalbesetzung vorbehalten war. Eine vollständige Live-LP zeigt die Kraft des arbeitenden Quartetts; eine vollständige Studio-LP beweist, dass es auch hörenswerte neue Songs besaß.

Clarence Whites Gitarre ist zentral statt ornamental. Seine vom StringBender ermöglichte Country-Artikulation, der elektrische Anschlag und die engen Wechsel mit McGuinn definieren älteres Byrds-Material neu und prägen das neue Studioprogramm.

Das sechzehnminütige Eight Miles High ist keine verlängerte Kopie der Single von 1966. Bass, Schlagzeug und zwei Gitarren nutzen die Komposition als Rahmen für kollektive Improvisation, bevor das Gesangsmaterial zurückkehrt.

Die Studio-LP enthält Chestnut Mare, das McGuinn und Jacques Levy aus ihrem aufgegebenen Bühnenprojekt Gene Tryp entwickelten, neben Songs von White, Battin, Gene Parsons und externen Mitarbeitern.

Die Doppelstruktur korrigiert eine verbreitete Katalogverzerrung: Diese Besetzung begleitete nicht einfach McGuinn. Vier eigenständige Musiker, mehrere Leadstimmen und verteiltes Songwriting ergeben ein Banddokument.

Die Byrds im Jahr 1970

Eine stabile Viererbesetzung erhält den Rahmen eines Doppelalbums

Bis 1970 war die Besetzung Roger McGuinn, Clarence White, Gene Parsons und Skip Battin zu einer intensiv tourenden Version der Byrds geworden. Battin hatte John York am Bass ersetzt.

Die Liveaufnahmen entstanden im Februar und März 1970. Die sieben ausgewählten Titel verbinden damals aktuelles Material mit Songs bis zurück zu Mr. Tambourine Man und Fifth Dimension.

Die Studioaufnahmen entstanden von Ende Mai bis September bei Columbia in Hollywood. Terry Melcher kehrte als Produzent zurück; der frühere Manager Jim Dickson ist ebenfalls für das Projekt genannt.

McGuinn und Theaterregisseur Jacques Levy hatten Songs für Gene Tryp geschrieben, ein nicht realisiertes Country-Rock-Bühnenwerk. Chestnut Mare und All the Things gelangten aus dieser Zusammenarbeit auf das Album.

Der Titel entstand, weil das Projekt ohne konventionellen Namen blieb, und wurde meist in Klammern gedruckt. Er ist der Albumtitel und kein Hinweis, dass das Werk keine Identität habe.

Columbia veröffentlichte das Doppelalbum im November 1970. Die ursprüngliche erste LP enthält sieben Live-, die zweite neun Studiotitel.

Das Tourquartett

McGuinn, White, Battin und Parsons

Roger McGuinnGitarren, Banjo, Lead- und Harmoniegesang, Songwriting
Clarence WhiteLeadgitarre, Lead- und Harmoniegesang, Songwriting
Skip BattinBass, Lead- und Harmoniegesang, Songwriting
Gene ParsonsSchlagzeug, Mundharmonika, Banjo, Lead- und Harmoniegesang, Songwriting
Terry MelcherProduktion
Jim DicksonProduktion der Liveaufnahmen
Jacques Levy, Kim Fowley und externe AutorenSongwriting-Kollaborationen auf der Studio-LP

McGuinn bleibt die bekannteste Stimme, doch seine Rolle wechselt zwischen knapper Live-Deutung, langem Gitarrendialog und erzählerischer Studiokomposition.

White verbindet Country-Präzision mit Rocklautstärke. Seine Leadlinien dekorieren nicht nur McGuinns Zwölfsaitige, sondern schaffen ein zweites melodisches und rhythmisches Zentrum.

Battins Bass tritt im langen Eight Miles High ungewöhnlich deutlich hervor. Seine Studiokollaborationen bringen Humor, gesellschaftliche Beobachtung und eine tiefere Leadstimme ein.

Gene Parsons geht mit Harmoniegesang, Banjo, Mundharmonika und Songwriting über das Schlagzeug hinaus. Yesterday's Train gibt seiner Stimme eine volle erzählerische Rolle.

Das Livegleichgewicht des Quartetts beruht auf Zuhören: White und McGuinn lassen einander Raum; Battin und Parsons können eine Improvisation umlenken, ohne den Puls zu verlieren. Melchers Studioproduktion erhält diese Darbietungsidentität und ergänzt Overdubs sowie klarere Farben für einzelne Songs.

Live und Studio

B-Bender-Gitarre, enger Rhythmus und eine lange Improvisation

Die Live-LP ist schlank und gitarrenzentriert. Stimmen sitzen in einer beweglichen Rhythmusgruppe statt über einer Nachbildung der ausgefeilten Master der Sechziger.

Whites StringBender erlaubt elektrische Gitarrenbeugungen mit der Präzision einer Pedal Steel. Dieser Klang verbindet Country-Vokabular mit Sustain und Lautstärke eines Rockquartetts.

Eight Miles High wächst durch bassgeführte Passagen, Schlagzeugübergänge und gegensätzliche Gitarrenregister. Die Länge dokumentiert Gruppenentscheidungen und ist kein automatischer Virtuositätsbeweis.

Die Studio-LP ist breiter: Banjo, Mundharmonika, Akustikgitarre und geschichtete Stimmen stehen neben elektrischem Country Rock.

Chestnut Mare baut filmische Bewegung aus wiederkehrenden Abschnitten; Just a Season nutzt sanftere Akustikfarbe und knappe Form. Gemeinsame Autoren führen nicht zu austauschbaren Songs.

Die Trennung in Live- und Studio-LP bewahrt verschiedene Klangarten, statt sie zu einer simulierten Konzerterzählung zu überblenden.

Titel für Titel

Sieben Live-Darbietungen und neun Studiowerke

01

Lover of the Bayou

Das Livealbum beginnt mit einem McGuinn-Levy-Song aus Gene Tryp. Ein dunkles Gitarrenriff, tiefer Gesang und kraftvoller Rhythmus machen die erfundene Sumpffigur zum Bühnenauftritt des Quartetts von 1970.

02

Positively 4th Street

Die Byrds kehren mit einer Konzertdarbietung zu Dylan zurück, die Anklage über Studiopolitur stellt. Whites Antworten schärfen McGuinns Stimme; die Rhythmusgruppe hält die Sprache in Bewegung, statt bei jeder Beleidigung zu verweilen.

03

Nashville West

Das Instrumental von White und Gene Parsons verdichtet ihre Country-Club-Sprache vor den Byrds zu schnellem Gitarrendialog. McGuinn und Battin passen das Stück dem aktuellen Quartett an, ohne die frühere Geschichte als eigene Komposition zu beanspruchen.

04

So You Want to Be a Rock 'n' Roll Star

Die Satire von 1967 kehrt mit härterem Viereranschlag zurück und braucht Hugh Masekelas Studiotrompete nicht nachzubilden. Das Livearrangement verwandelt die Warnung vor hergestelltem Ruhm in direkte Erfahrung einer Tourband.

05

Mr. Tambourine Man

McGuinn bewahrt die knappe Gesangsstruktur des Hits; White liefert eine neue elektrische Kante. Die Darbietung anerkennt den Ursprung der Gruppe, ohne das Sessionpersonal oder die genaue Textur von 1965 nachzubauen.

06

Mr. Spaceman

Countryrhythmus und komische Science-Fiction passen natürlich zu Whites Anwesenheit. Die Band hält den Song vor der seitenlangen Ausdehnung kurz und zeigt Kontrolle über den Maßstab.

07

Eight Miles High

Die sechzehnminütige Darbietung nutzt den Song von Clark, Crosby und McGuinn als Eingang und Ausgang einer langen Gruppenimprovisation. Battins Bass, Parsons' Schlagzeug und die verschiedenen Gitarrenstimmen ordnen das Zentrum mehrfach neu, bevor der Gesang zurückkehrt.

08

Chestnut Mare

Die Studio-LP eröffnet mit McGuinns und Levys episodischer Verfolgungserzählung. Wiederkehrende Gitarrenfiguren, wechselnde Abschnitte und eine weite Schlussstrecke machen die Stute zugleich zur körperlichen Präsenz und zum unerreichbaren Objekt, ohne den Song auf einfache Romantik zu reduzieren.

09

Truck Stop Girl

Der Song von Lowell George und Bill Payne gibt White eine passende Leadstimme. Straßendetail, müde Melodie und zurückhaltende Bandbegleitung schaffen eine Tragödie von Arbeit und Bindung statt eines Neuheitenporträts.

10

All the Things

Eine weitere McGuinn-Levy-Komposition ersetzt die dramatische Jagd von Chestnut Mare durch Reflexion. Geschichtete Stimmen und ein gemessenes Arrangement lassen Erinnerung in Bildern wachsen statt in durchgehender Handlung.

11

Yesterday's Train

Gene Parsons und Skip Battin verwandeln Tod in das Bild eines abfahrenden Zuges. Parsons' Leadstimme, Mundharmonikafarbe und ein unaufdringlicher Groove machen Sterblichkeit gesprächig statt monumental.

12

Hungry Planet

Battin, Fowley und McGuinn behandeln ökologischen Verbrauch mit beharrlichem Rhythmus und bearbeiteter Stimmumgebung. Der Planet wird zum handelnden Subjekt und unterscheidet den Titel von den umliegenden Straßenerzählungen.

13

Just a Season

McGuinn und Levy rahmen eine Beziehung mit dem Wechsel der Jahreszeiten, ohne Dauerhaftigkeit zu erzwingen. Akustikdetail, enge Harmonie und ein anmutiger Refrain lassen Vergänglichkeit akzeptierend statt bitter klingen.

14

Take a Whiff on Me

Die Gruppe bearbeitet einen traditionellen Song, der mit Lead Belly und den Lomax-Sammlungen verbunden ist. Banjo und Country-Rock-Rhythmus halten die Wurzeln sichtbar, während das Quartett ihn als lebendiges Repertoire behandelt.

15

You All Look Alike

Battins und Fowleys Song untersucht mit Wiederholung und direktem Refrain Anonymität und gesellschaftliche Gleichförmigkeit. Battins Leadstimme gibt der Studioseite ein weiteres Autorenzentrum.

16

Welcome Back Home

Battins ausgedehnter Schlusstitel wächst aus einem wiederkehrenden bassgeführten Fundament und gesprochener oder gesungener Gesellschaftsbeobachtung. Seine Größe spiegelt Eight Miles High, ohne dessen Improvisation zu kopieren, und gibt der Studio-LP einen eigenen langen Endpunkt.

Zwei LPs

Straßen, Jahreszeiten, Arbeit und umstrittene Zugehörigkeit

Das Doppelalbum ist nach Darbietungskontext und nicht nach einer durchgehenden Geschichte geordnet: öffentliche Neuinterpretation auf LP eins, neue Konstruktion auf LP zwei.

Reise kehrt in Bayou, Nashville, Weltraum, Verfolgung zu Pferd, Raststätten und Zügen wieder. Bewegung kann Arbeit, Flucht, Tod oder unerreichbares Verlangen bedeuten.

Mehrere Studiosongs untersuchen Zugehörigkeit und Entfremdung. Just a Season akzeptiert Vergänglichkeit; You All Look Alike fürchtet ausgelöschte Identität; Welcome Back Home stellt Rückkehr vor.

Hungry Planet erweitert die Sorge vom einzelnen Reisenden auf Umweltsysteme und gibt dem Straßenalbum ein ökologisches Gegenargument.

Die scheinbare Leere des Titels passt zu einer Platte, die eine einzige Definition der Byrds verweigert. Geschichte und neue Identität besetzen getrennte LPs, aber dieselbe Verpackung.

Columbia G 30127

Ein leerer Titel mit zwei einander ergänzenden LPs

Das Cover verwendet ein strenges Schwarz-Weiß-Bandbild und den eingeklammerten Titel und vermeidet die aufwendigen Bildprogramme der mittleren Sechziger. Alle vier aktuellen Mitglieder erscheinen als die Gruppe, deren Darbietungen beide LPs füllen. Die Doppelverpackung gibt Live- und Studiomaterial körperlich gleiches Gewicht; keines ist Bonus des anderen. Spätere (Untitled)/(Unissued)-Ausgaben ändern den Namen bewusst, um eine zweite LP mit Archivmaterial außerhalb des Originals zu kennzeichnen.

November 1970

Columbia, November 1970

Columbia veröffentlichte (Untitled) im November 1970 als Doppel-LP mit sechzehn indexierten Titeln. Das Album war kommerziell stärker als mehrere unmittelbar vorhergehende Byrds-Platten und lenkte neue Aufmerksamkeit auf die Tourbesetzung. Chestnut Mare wurde der bekannteste neue Studiosong und eine Single; das ausgedehnte Eight Miles High bildete das Zentrum der Live-LP.

Preis und Doppelformat boten eine Konzertübersicht und ein neues Studioalbum statt einer gewöhnlichen einzelnen Live-LP. Spätere Anerkennung nennt es oft das maßgebliche Dokument des Quartetts White–Battin–Parsons–McGuinn, gestützt auf gleichwertige Bühnen- und Studiozeugnisse.

Das neunte Byrds-Album

Das stärkste Dokument des Tourquartetts

Das Live-Eight Miles High begründete den Improvisationsruf dieser Besetzung und bleibt von der knappen Aufnahme von 1966 getrennt. Chestnut Mare bewahrte einen Teil von Gene Tryp und wurde eine der beständigsten späteren Byrds-Kompositionen McGuinns. Whites Spiel zeigt, wie Country-Technik einen Rockkatalog neu formen kann, ohne jede Darbietung in konventionellen Country zu verwandeln.

Die Platte gibt Battin und Gene Parsons genug Raum, um als Autoren und Sänger statt als anonyme Ersatzleute hörbar zu werden. Das zweiteilige Design ist ungewöhnlich ehrlich: Konzert- und Studioband sind verwandt, dürfen aber verschiedene Tempi, Repertoires und Klänge besitzen.

Album und Archiv

Die ursprünglichen sechzehn gegenüber vierzehn unveröffentlichten Ergänzungen

Sieben Live-Titel, gefolgt von neun Studiotiteln.
Das ursprüngliche Doppelalbum ohne Archiverweiterung.
Die ursprünglichen sechzehn plus ein getrenntes Session- und Konzertarchiv mit vierzehn Titeln.

Welcome Back Home als ursprünglichen Endpunkt behandeln. Die Trennung zwischen Live- und Studio-LP bewahren, auch wenn Streamingdienste eine durchgehende Liste zeigen. Die vierzehn (Unissued)-Titel nicht in das Album von 1970 eingliedern.

Alternative Fassungen erst nach der veröffentlichten Studiofolge vergleichen. Eine Übertragung wählen, die Livebass- und Schlagzeugdynamik ebenso erhält wie das Akustikdetail der Studio-LP.

Ein Hörweg

Vom öffentlichen Repertoire zur privaten Konstruktion

  1. Die ersten sechs Live-Songs als verdichtete Geschichte des aktuellen Quartetts hören.
  2. Eight Miles High vor dem LP-Wechsel seinen ganzen Improvisationsbogen geben.
  3. Den drei verschiedenen Leadstimmen von Chestnut Mare bis Yesterday's Train folgen.
  4. Hungry Planets öffentliche Sorge mit der privaten Akzeptanz von Just a Season vergleichen.
  5. Welcome Back Home die Live-LP mit einer zweiten ausgedehnten Form beantworten lassen.

Recherche und Quellen

Quellen und weiterführende Lektüre

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