Die Platte
Auf einen Blick
- Künstler
- The Pretty Things
- Veröffentlicht
- 9. März 1999
- Album
- Erstes neues Band-Studioalbum seit Cross Talk
- Originaltitel
- Vierzehn
- Label
- Snapper SMACD 814
- Laufzeit
- Etwa vierundsechzig Minuten
Warum sie wichtig ist
Ein Comeback, das nicht wie ein Museumsstück klingt
Rage Before Beauty ist das erste neue Studioalbum seit Cross Talk von 1980, entstand laut Dick Taylor jedoch über Jahre und mit einer langen Unterbrechung.
Diese Chronologie erklärt die Spannweite zwischen unmittelbarem Angriff, dem fast neunminütigen Love Keeps Hanging On und der nachdenklicheren zweiten Hälfte.
Phil May und Dick Taylor arbeiten wieder mit Wally Waller, Jon Povey und Skip Alan; Frank Holland ergänzt die Gitarren und das Autorennetzwerk um May und Mark St. John.
Drei Fremdkompositionen öffnen bewusst die Vorgeschichte: Eve of Destruction, Play with Fire und Mony Mony.
Die Gäste sind exakt begrenzt: David Gilmour spielt Gitarre auf Love Keeps Hanging On, Ronnie Spector singt auf Mony Mony.
Vivian Prince erinnert mit einem von Bo Diddley abgeleiteten Puls an den früheren Schlagzeuger, ohne zur feierlichen Biografie zu werden.
Mehr als eine Stunde Musik lässt verschiedenen Produktionsphasen, Überschuss und Unebenheit Raum; sie gehören zur Entstehungsgeschichte.
Das Album eröffnete eine tragfähige Schlussphase, auf die Balboa Island und The Sweet Pretty Things folgten.
1980–1999
Neunzehn Jahre Unterbrechung in einem Album
Nach Cross Talk endete die regelmäßige Studioarbeit erneut, während May und Taylor in wechselnden Formationen weiterspielten.
Aufnahmen für das spätere Album begannen lange vor der Veröffentlichung und wurden nach einer großen Pause mit Manager und Produzent Mark St. John fortgesetzt.
Der Kampf um Kontrolle über ältere Aufnahmen bildete den praktischen Hintergrund der Rückkehr.
In den Neunzigern arbeiteten May und Taylor wieder mit Waller, Povey und Alan; Frank Holland kam als Gitarrist und Autor hinzu.
1998 führte die Band S.F. Sorrow live in Abbey Road auf; diese erneute Aufmerksamkeit ging Rage Before Beauty voraus.
Snapper veröffentlichte SMACD 814 am 9. März 1999 mit vierzehn Titeln und einer Laufzeit von 64:27.
Mark St. John und Dave Garland erhielten Produktionscredits; als dokumentierter Aufnahmeort erscheint 145 Wardour Street in Soho.
Nicht jede Einzelaufnahme ist sicher datiert, deshalb bleibt die Darstellung bei einer mehrphasigen Entstehung ohne erfundenen Titelkalender.
Das zurückgekehrte Ensemble
Klassische Mitglieder, Frank Holland und klar begrenzte Gäste
May macht Alter zu dramatischem Material: Trotz, Müdigkeit und Humor teilen sich dieselbe Stimme.
Taylor verbindet das Album mit der frühen Gitarrenidentität, besonders wenn Play with Fire auf seine Zeit vor den Pretty Things verweist.
Holland ist kein dekorativer Zusatz; sein Schreiben und die zweite Leadgitarre verbinden Angriff und Textur.
Wallers Bass und Harmoniegesang stellen eine Verbindung wieder her, die schon Emotions, S.F. Sorrow und Parachute prägte.
Poveys Keyboards liefern Dunkelheit und harmonischen Rahmen; Goodbye, Goodbye trägt auch seinen Autorencredit.
Alans Schlagzeug verbindet die Sechziger und Neunziger, ohne den älteren Stil bloß nachzustellen.
St. John und Garland ordnen über Jahre entstandene Aufnahmen zu einem veröffentlichten Programm.
Gilmour und Spector wirken nur auf den ausdrücklich genannten Titeln mit, nicht am gesamten Album.
Wut und Ausdauer
Garage-Angriff, lange Dramaturgie und nachdenkliches Gewicht
Passion of Love eröffnet hell und drängend, Vivian Prince zeichnet Charakter durch Rhythmus, Everlasting Flame verdunkelt das Bild mit Riff und anhaltendem Gesangsdruck.
Love Keeps Hanging On dehnt sich fast neun Minuten aus; Gilmours Gitarre gehört zu einem geduldigen Arrangement über Last und Fortbestehen.
Eve of Destruction holt einen Protestsong der Sechziger in die Gegenwart einer älteren Band.
Not Givin’ In formuliert Überleben direkt, mit Wiederholung und festem Rhythmus statt Nostalgie.
Pure Cold Stone wird langsamer und dunkler; der Raum um die Gitarren macht emotionale Härte körperlich.
Blue Turns to Red behandelt Farbe als hörbare Bewegung unter Druck.
Goodbye, Goodbye rahmt Abschied knapp und harmonisch, ohne Melodrama.
Goin’ Downhill verbindet Niedergang mit harter Gitarrenkraft und enthält einen Co-Autorencredit für Pete Tolson.
Play with Fire wird langsamer und schwerer und betont Bedrohung statt gesellschaftlicher Eleganz.
Fly Away öffnet nach dieser Gefahr Raum, ohne die Flucht als gelungen zu bestätigen.
Mony Mony macht mit Ronnie Spector aus dem bekannten Partysong eine dichte, ungebändigte Entladung.
God Give Me the Strength endet als sechsminütige Bitte, die private Erschöpfung in kollektive Ausdauer verwandelt.
Titel für Titel
Vierzehn Songs zwischen alter und neuer Zeit
Passion of Love
May und St. John beginnen mit einer kompakten Gitarrenerklärung, die ohne zeremonielle Comeback-Rhetorik sofort in Bewegung ist.
Vivian Prince
May, Holland und Povey erinnern mit einem hämmernden Bo-Diddley-Rahmen an Vivian Prince; Rhythmus ersetzt chronologische Biografie.
Everlasting Flame
May, Holland und St. John machen Beharrlichkeit zum kontrollierten Brand, während Gitarrenschichten und Alans Gewicht die Kosten hörbar machen.
Love Keeps Hanging On
Mays längster Beitrag entfaltet sich geduldig; Gilmours dokumentierte Gitarre gehört ausschließlich zu diesem weiträumigen Arrangement.
Eve of Destruction
Der P.-F.-Sloan-Protestsong wird nicht als Sechzigerkostüm gespielt, sondern als Warnung gegen Jahrzehnte späterer Geschichte geprüft.
Not Givin' In
May reduziert das Comeback-Ethos auf eine direkte Weigerung, getragen von Wiederholung, Gitarre und festem Beat.
Pure Cold Stone
May und Taylor gestalten eine dunkle, räumliche Aufnahme, in der Gitarrentextur Härte und Temperatur erhält.
Blue Turns to Red
May und Holland eröffnen die zweite Hälfte mit Farbe, die sich unter Druck von Kühle zu Hitze bewegt.
Goodbye, Goodbye
May und Povey geben dem Abschied einen kurzen harmonischen Rahmen; die Wiederholung macht das Gehen selbst zum Thema.
Goin' Downhill
Der Co-Write mit Pete Tolson verbindet das Album mit der Siebzigerbesetzung, ohne ihn zum Mitglied der 1999er Hauptformation zu machen.
Play with Fire
Der Jagger-Richards-Song berührt Taylors Vorgeschichte; die Band verlangsamt und verdunkelt ihn zu angesammelter Bedrohung.
Fly Away
Nach der Gefahr formuliert May den Wunsch nach Distanz, doch weder Gesang noch Begleitung bestätigen eine gelungene Flucht.
Mony Mony
Ronnie Spector unterstützt den gemeinschaftlichsten Coversong; Stimmen und schwerer Beat machen Wiederholung zur Entladung.
God Give Me the Strength (To Carry On)
May und St. John schließen mit einer Bitte statt einem Sieg; die wachsende Ensemblekraft macht Müdigkeit öffentlich.
Zurückblicken und weitermachen
Überleben, Erinnerung, Niedergang und Beharrlichkeit
Das Album besitzt keine durchgehende Handlung; seine Einheit entsteht aus Überleben als Begehren, Erinnerung, Wut, Niedergang, Gebet und Freude.
Passion of Love, Everlasting Flame und Love Keeps Hanging On beschreiben Beharrlichkeit als Appetit, Hitze und Bindung; andere Titel prüfen die Erinnerung an die Sechziger.
Not Givin’ In erklärt Ausdauer, God Give Me the Strength bittet um sie.
Pure Cold Stone, Blue Turns to Red und Goin’ Downhill machen innere Veränderung durch Material, Farbe und Richtung körperlich.
Goodbye, Goodbye und Fly Away betrachten Abschied, ohne Freiheit zu garantieren.
Mony Mony unterbricht die späte Schwere mit kollektiver Freude.
Der Titel kehrt eine bekannte Redewendung um: Wut ist die Kraft, mit der späte Schönheit erst erreicht wird.
Snapper SMACD 814
Ein Statement der CD-Ära statt einer rekonstruierten LP
Das vierzehn Titel und 64 Minuten umfassende Programm gehört zur CD-Ära und verbirgt keinen Zwei-Seiten-LP-Plan.
Der Titel stellt Konflikt vor Erscheinung und entspricht Musik, die Alter, Belastung und Angriff nicht wegpoliert.
Weil die Aufnahmen über längere Zeit entstanden, bildet die veröffentlichte Reihenfolge die verlässlichste Albumarchitektur.
Die Verpackungscredits begrenzen Gilmour und Spector auf einzelne Aufnahmen.
Spätere Neuauflagen bewahren den Kern aus vierzehn Songs; kein Bonusstück ist für das Originalstatement nötig.
9. März 1999
März 1999: Rückkehr neben der Wiederauferstehung von Sorrow
Das Album erschien während erneuter Aufmerksamkeit durch Katalog-Neuauflagen und das live aufgeführte S.F. Sorrow.
Zeitgenössische und spätere Kritik betonte neue Originale, Covers, Energie und Vivian Prince, bewertete lange Balladen und bekannte Vorlagen aber unterschiedlich.
Der Wert der Rückkehr hing nicht von Charts ab: Sie lieferte einer arbeitenden Band neues Material.
Bei Snapper verstärkten Comeback und systematische Wiederentdeckung der älteren Alben einander.
Das Comeback-Album
Das Fundament der letzten Schaffensphase
May, Taylor, Holland, Waller, Povey und Alan wurden als glaubwürdige Studioformation etabliert; Hollands Beiträge machten die Spätphase eigenständig.
Die mehrjährige Entstehung ist Teil des Albums: unterschiedliche Produktionsphasen werden zum Klang von Beharrlichkeit.
Vivian Prince erinnert durch Rhythmus und Humor; die drei Covers stehen für Protest, Bedrohung und gemeinsame Entladung, während die Originale die Zukunft tragen.
Das Vermächtnis ist nicht makellose Einheitlichkeit, sondern der Beweis, dass Unterbrechung, Alter und Geschichte ein substanzielles neues Album hervorbringen konnten.
Originalprogramm
Ein langes Programm mit drei Coversongs
Das Original umfasst vierzehn Titel und 64:27; drei sind Fremdkompositionen, und Gilmours Gitarrencredit gilt nur für Love Keeps Hanging On.
Spectors Gesang gilt nur für Mony Mony; Tolson ist Co-Autor von Goin’ Downhill, nicht Mitglied der Hauptbesetzung. Die Reihenfolge bleibt wegen unsicherer Einzeldaten maßgeblich.
Ein Hörweg
Die Chronologie hören, ohne sie künstlich zu glätten
- Hören Sie Passion of Love, Vivian Prince und Everlasting Flame als drei unterschiedliche Formen erneuerten Angriffs.
- Geben Sie Love Keeps Hanging On seinen vollen Raum vor dem verdichteten Paar aus Protest und Trotz.
- Nehmen Sie Pure Cold Stone als dunklen Mittelpunkt.
- Folgen Sie in den Titeln acht bis zehn Farbe, Abschied und Abstieg.
- Hören Sie Play with Fire als verwandelte Geschichte statt als routinierten Coversong.
- Lassen Sie Fly Away Raum öffnen, bevor Mony Mony sich dicht und gemeinschaftlich entlädt.
- Enden Sie mit dem Schlussgebet, das Überleben als fortdauernde Aufgabe beschreibt.
Recherche und Quellen
Quellen und weiterführende Lektüre
- Rage Before Beauty: Album, Credits und Rezension — AllMusic
- Offizielles Labelprogramm mit vierzehn Titeln — Madfish Music
- Aktueller digitaler Albumeintrag — Apple Music
- Dick-Taylor-Interview zur langen Entstehung des Albums — Perfect Sound Forever
- Zeitgenössische Rezension der Live-Rückkehr — The Guardian
- Historische Rezension aller Studioalben — Uncut