Zum Inhalt springen The Pretty Things — Psychedelic Rock / Proto-Punk
Psychedelic Rock

The Pretty Things

Von wilden R&B-Singles zu einer der prägenden Albumerzählungen der britischen Psychedelia.

London, EnglandHerkunft
1963 – 2018Aktiv
Psychedelic Rock / Proto-PunkGenre
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Überblick

The Pretty Things formierten sich 1963 um Sänger Phil May und Gitarrist Dick Taylor, der in einer frühen Besetzung der Rolling Stones gespielt hatte. Ihre Laufbahn folgte keinem einzelnen Stil: Auf den schroffen R&B von „Rosalyn“ und „Don't Bring Me Down“ folgten eigenes Beat-Material, psychedelische Studioarbeit, Hardrock und späte Akustikaufnahmen. S.F. Sorrow gilt weithin als frühe Rockoper, während Parachute zeigte, wie weit sich Songwriting und Ensemblesound seit den ersten Singles entwickelt hatten.

The Pretty Things auf einer historischen Bandaufnahme
The Pretty Things, Amsterdam, 1965 Foto: Joop van Bilsen / Anefo / Wikimedia Commons · CC0 1.0 · WebP-Konvertierung

Gründung & Geschichte

May und Taylor lernten sich am Sidcup Art College kennen und stellten die frühe Gruppe mit Rhythmusgitarrist Brian Pendleton, Bassist John Stax und Schlagzeuger Pete Kitley zusammen; am Schlagzeug folgten Viv Andrews und danach Viv Prince. 1964 unterschrieben sie bei Fontana. „Don't Bring Me Down“ erreichte in Großbritannien Platz 10, „Honey I Need“ Platz 13 und das selbstbetitelte Debütalbum Platz 6. Get the Picture? vergrößerte den Anteil eigenen Materials, doch ein anhaltender Charterfolg blieb bald aus.

Für Emotions arbeitete die Band mit Produzent Steve Rowland und Orchesterarrangements, die nicht in allen Punkten ihren eigenen Vorstellungen entsprachen. Der Wechsel zu Columbia eröffnete eine experimentellere Phase: „Defecting Grey“ nahm S.F. Sorrow vorweg, das über viele Monate mit Produzent Norman Smith in Abbey Road aufgenommen wurde. Nach der verspäteten und schwach beworbenen Veröffentlichung stieg Taylor aus. Die veränderte Besetzung nahm Parachute auf, das in Großbritannien Platz 43 erreichte; weitere Umbesetzungen führten den Namen anschließend zu Warner Bros. und zum Led-Zeppelin-Label Swan Song. May und Taylor fanden später wieder zusammen, führten S.F. Sorrow 1998 mit David Gilmour und Arthur Brown erneut auf und spielten 2018 ein letztes vollständiges elektrisches Konzert. May starb 2020, nachdem die Gruppe das Akustikalbum Bare as Bone, Bright as Blood fertiggestellt hatte.

Klang & Stil

Die frühen Platten verwandeln den von Bo Diddley und Chuck Berry geprägten R&B in knappe Gitarrenangriffe, hämmerndes Schlagzeug und Mays raue, drängende Stimme. 1966–67 hielten Feedback, abrupte Schnitte, akustische Klangfarben und ungewöhnlichere Songformen Einzug in das Schreiben. Dieser Wandel ist zwischen dem direkten Zugriff von Get the Picture?, den aufgesetzten Bläsern und Streichern auf Emotions und der aus sich selbst heraus entworfenen Studiowelt von S.F. Sorrow deutlich hörbar.

Auf S.F. Sorrow stützen Mellotron, Sitar, Perkussion, Bandeffekte und geschichtete Stimmen Phil Mays Erzählung, statt als isolierter psychedelischer Schmuck zu dienen. Parachute ersetzt die Lebensgeschichte durch zwei locker verbundene Albumseiten: Kompakte Eröffnungsstücke fließen ineinander, enge Harmoniestimmen mildern das Gewicht der Gitarren, und pastorale Passagen stehen neben den dunkleren Stücken „Cries from the Midnight Circus“ und „Sickle Clowns“. Spätere Besetzungen bewegten sich in Richtung härteren Gitarrenrocks, doch die Spannung zwischen Mays Stimme, Taylors sparsamem Leadspiel und der Vorliebe der Band für abrupte Kontraste blieb erkennbar.

Mitglieder Phil May (Gesang, Songwriting) und Dick Taylor (Gitarre) bilden die Konstanten der langen Bandgeschichte. Zu den wichtigen Beteiligten der frühen und psychedelischen Phase gehören Brian Pendleton, John Stax, Viv Prince, Skip Alan, Wally Waller, Jon Povey und Twink; Pete Tolson wurde für die Besetzungen der 1970er-Jahre zentral.

Essenzielle Alben

Columbia Records · Originalveröffentlichung von 1968

Phil Mays Geschichte begleitet Sebastian F. Sorrow von Geburt und Fabrikarbeit über Krieg, Verlust und Ernüchterung bis ins Alter. Norman Smiths Produktion verbindet die Erzählung mit der Musik: Der harte Gitarreneinsatz von „S.F. Sorrow Is Born“, der Marschpuls von „Private Sorrow“, Mellotron und Perkussion in „Baron Saturday“ sowie die freigelegte Schlussstimme von „Loneliest Person“ bilden eigene Szenen. Das Album erschien im Dezember 1968 in Großbritannien und damit vor Tommy; es als frühe Rockoper zu beschreiben ist hilfreicher, als das umstrittene Etikett „die erste“ zu seiner einzigen Leistung zu machen.

Schlüsseltitel: S.F. Sorrow Is Born · Baron Saturday · Loneliest Person

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Parachute

1970

Harvest · Britische Originalveröffentlichung von 1970

Nach Dick Taylors Ausstieg in Abbey Road aufgenommen, ist Parachute eine andere Art Konzeptalbum. Die erste Seite bewegt sich durch verbundene Miniaturen über Stadt und Land, bevor „Cries from the Midnight Circus“ die Oberfläche aufbricht; die zweite Seite stellt dem akustischen „Grass“ Wally Wallers schwereres „Sickle Clowns“ und das abschließende Titelstück gegenüber. Dreistimmige Harmonien, kurze Reprisen und Norman Smiths Produktion geben der Platte Zusammenhang, ohne jeden Song in eine einzige Handlung zu zwingen.

Schlüsseltitel: Scene One: The Good Mr. Square/She Was Tall, She Was High · Parachute · Grass

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Fontana · Originalveröffentlichung von 1965

Das zweite Album bewahrt die körperliche Wucht des Debüts, gibt dem Songwriting von May und Taylor jedoch mehr Raum. „You Don't Believe Me“ und das Titelstück sind kompakte, riffgetriebene Eigenkompositionen, während „You'll Never Do It Baby“ eine Rhythm-and-Blues-Coverversion in Richtung des schroffen Bühnensounds der Gruppe drängt. Es hält die Besetzung von 1965 fest, bevor Psychedelia und aufwendige Produktion den Maßstab ihrer Platten veränderten.

Schlüsseltitel: You Don't Believe Me · Get the Picture · You'll Never Do It Baby

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Abseits der Klassiker

Emotions

1967

Emotions sitzt unbequem, aber aufschlussreich zwischen den Beatgruppenjahren und der psychedelischen Neuerfindung der Band. Produzent Steve Rowland und Arrangeur Reg Tilsley ergänzten Bläser und Streicher, teils über bereits von der Gruppe geformte Aufnahmen. „Death of a Socialite“, „The Sun“ und „Growing in My Mind“ zeigen dennoch, wie May und Taylor sich beobachtenderen Texten, ungewöhnlicher Harmonik und studiobewusstem Songwriting näherten.

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Nachdem die erste Version der Band auseinandergebrochen war, eröffnete Freeway Madness die Geschichte bei Warner Bros. mit May, Wally Waller, Jon Povey, Skip Alan und Gitarrist Pete Tolson neu. „Havana Bound“ und „Rip Off Train“ bevorzugen kraftvollen Rock der frühen 1970er, während „Peter“ und „Over the Moon“ die melodische und akustische Seite der Gruppe bewahren. Das Album ist weniger geschlossen als Parachute, dokumentiert aber einen echten Neuaufbau statt einer einfachen Rückkehr.

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Nach einer langen Entstehungszeit fertiggestellt und 1999 von Snapper veröffentlicht, bringt ...Rage Before Beauty May und Taylor mit mehreren früheren Mitgliedern zusammen, statt eine historische Besetzung nachzuahmen. Neuere Songs stehen neben einer Version von „Eve of Destruction“ und einer Rückkehr zu „Not Givin' In“. Das wechselnde Personal macht die Platte bewusst uneinheitlich, doch Mays gealterte Stimme und Taylors schlanke Gitarre geben ihr eine klare Spätwerk-Identität.

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Warum sie weiterhin wichtig sind

The Pretty Things verbinden mehrere Geschichten, die zu oft getrennt erzählt werden: britischen R&B, Garage Rock, Psychedelia, das narrative Album und den härteren Rock der 1970er. David Bowie nahm „Rosalyn“ und „Don't Bring Me Down“ für Pin Ups auf; spätere Punk- und Alternative-Musiker konnten in den frühen Singles eine Aggression hören, die nicht von virtuoser Glätte abhing. Zugleich belohnen S.F. Sorrow und Parachute die Aufmerksamkeit für Arrangement, Reihenfolge und Studiokonstruktion.

Auch ihre Chartbilanz korrigiert einen vertrauten Mythos. Völlig unbekannt waren sie nie: „Don't Bring Me Down“ erreichte die britischen Top 10, „Honey I Need“ die Top 20, das Debütalbum Platz 6 und Parachute Platz 43. Was fehlte, war Kontinuität zwischen diesen Momenten. Wer den Katalog heute hört, kann gerade die Veränderungen zum Thema machen — vom fünfköpfigen R&B über Abbey-Road-Psychedelia und Swan-Song-Hardrock bis zu Reunions und einer letzten Akustikplatte.

Quellen & weiterführende Lektüre

Repertoire Records — Künstlergeschichte von The Pretty Things

Official Charts — Chartgeschichte von The Pretty Things

The Guardian — Phil-May-Nachruf und Bandgeschichte

The Guardian — Phil May und die musikalische Entwicklung von The Pretty Things

Madfish Music — Katalog und Neuauflagen von The Pretty Things

Apple Music — Albumüberblick zu Parachute

Wikimedia Commons — Bandfoto von 1965 und Lizenzangaben

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