Das Album
Auf einen Blick
- Künstler
- Big Brother and the Holding Company
- Erschienen
- August 1971
- Album
- Viertes Studioalbum
- Originaltitel
- Zehn
- Label
- Columbia C 30738
- Produzenten
- Roscoe Segel and Roy Segal
Warum es wichtig ist
Ein stärker integriertes zweites Kapitel der neu formierten Band
How Hard It Is zeigt, dass sich das neu formierte Big Brother weiterentwickelte, statt nur die Formel von Be a Brother zu wiederholen. Das instrumentale Zentrum kehrt zurück, doch Mike Finnigans Keyboards und Gesang sind stärker ins gesamte Programm integriert. Sam Andrew bleibt Gitarrist, Sänger und wichtigster Autor, während Dave Getz neben dem Schlagzeug auch Perkussion, Marimba, Klavier und Komposition übernimmt. James Gurley spielt weiterhin vorwiegend Bass, Peter Albin wechselt zwischen Gitarre und Bass, und David Schallock liefert Leadgitarre sowie die Schlusskomposition.
Das Album reicht von Hard Rock und soulgeprägtem Gesang über Boogaloo-Rhythmus und hawaiianische Fluchtbilder bis zu einem instrumentalen Schlusswitz über Harmonie. Buried Alive in the Blues verbindet die Band mit Nick Gravenites und dem Repertoire von Joplins Pearl, ohne beide Aufnahmen gleichzusetzen. Platz 157 war ein bescheidener Charterfolg, doch die Platte dokumentiert eine geschlossene Arbeitsgruppe, die eine zweite Aussage nach dem großen Durchbruch formulieren konnte. Sie beendet Big Brothers erste Columbia-Studiophase vor der Trennung von 1972; spätere Reunions verhindern jedoch, sie als endgültig letztes Studioalbum der Band zu bezeichnen.
San Francisco, 1971
Die Besetzung von Be a Brother kehrt in ein Studio in San Francisco zurück
Be a Brother hatte Andrew, Albin, Gurley und Getz mit Schallock, Gravenites, McDonald und einem größeren Gästekreis neu etabliert. Der Nachfolger behielt die instrumentale Kernbesetzung und setzte Finnigan wiederholt als Keyboarder und Sänger ein. Die Aufnahmen konzentrierten sich auf die Columbia Recording Studios in San Francisco, statt sich wie beim Vorgänger auf mehrere Studios zu verteilen. Roscoe Segel und Roy Segal produzierten; die historischen Credits verwenden diese beiden unterschiedlichen Schreibweisen der Nachnamen.
Roy Segal arbeitete als Toningenieur, David Brown, George Engfer, George Horn und Mike Larner werden als Aufnahmetechniker genannt. Das Programm enthält neun Originale der Gruppe oder ihrer Mitarbeiter sowie einen fremden Song von Ray Rivera, Gale Garnett und Walter Hirsch. Columbia veröffentlichte How Hard It Is im August 1971 als C 30738. Die Gruppe arbeitete bis 1972 weiter, ehe interne und praktische Belastungen diese Bandphase beendeten.
Band und Gästekreis
Fünfköpfiger Kern, Orgelstimme und klar zugeordnete Gäste
Andrews Gitarre und Stimme schaffen über alle zehn Titel Kontinuität, doch seine Koautorenschaften mit Getz, Segel, Nudelman und Albin verhindern die Vorherrschaft einer einzigen Schreibmethode. Getz ist der stille Motor der Erweiterung: Koautor des Titelsongs, Komponist von House on Fire und neben dem Schlagzeug auch Quelle für gestimmte Perkussion und Klavier. Albin wechselt zwischen Gitarreninstrumenten und Bass und hilft Shine On, die längste Form des Albums ohne eine einzige Dauertextur zu erreichen. Gurleys Bassrolle kehrt die Doppelgitarren-Identität von Cheap Thrills bedeutungsvoll um und sollte nicht beiläufig zur Leadgitarre umgedeutet werden.
Schallocks Leadspiel erscheint in ausgewählten Stücken; seine Schlusskomposition gibt ihm als Autor das letzte Wort. Finnigans Orgel, Klavier und Gesang verbreitern mehrere Songs, doch er bleibt ein klar benannter zusätzlicher Musiker und ersetzt nicht den fünfköpfigen Instrumentalkern. McDonalds Gesang ist ausdrücklich an Black Widow Spider gebunden, Gravenites’ Rückkehr an Buried Alive in the Blues. Diese begrenzten Gastcredits verhindern gleichermaßen die Beschreibung als reine Quintettplatte oder als gesichtslose Studiozusammenstellung.
Breit gefächerter amerikanischer Rock
Hard Rock erweitert sich durch Soul, Boogaloo und ungewöhnliche Perkussion
How Hard It Is eröffnet mit geschichteten Stimmen, Orgel und Gitarre und verwandelt Schwierigkeit in einen aktiven Groove statt in einen langsamen Klagegesang. You’ve Been Talkin’ ’Bout Me, Baby nutzt eine Fremdkomposition und soulgeprägtes Wechselspiel von Stimme und Keyboard für direkte Konfrontation. House on Fire verbindet Getz’ Songwriting mit drängender rhythmischer Bewegung und macht häusliche Gefahr unmittelbar. Black Widow Spider verdichtet Fuzz, vokalen Austausch und räuberische Bildsprache zum härtesten kompakten Rocksong der Seite.
Last Band on Side One benennt zugleich seine Position und das musikalische Selbstbewusstsein und beendet die Seite mit einem kurzen komischen Abgang. Nu Boogaloo Jam startet mit Synkopen und einem sozial-instrumentalen Tanzvokabular neu, das sich von den Drucksongs der ersten Seite unterscheidet. Maui nutzt die Ferne der Insel als Erleichterung und hellt das Arrangement auf, ohne die Belastung der Platte auszulöschen.
Shine On dehnt sich mit Orgel, Gitarre und einer wiederholten Ermutigung, die wie Ausdauer funktioniert, über fünf Minuten aus. Buried Alive in the Blues gibt Gravenites’ Song eine gesungene Big-Brother-Fassung nach seinem instrumentalen Auftreten auf Pearl. Promise Her Anything but Give Her Arpeggio endet mit Schallocks Wortspiel und macht eine musikalische Figur zugleich zum Gegenstand und strukturellen Witz.
Titel für Titel
Zehn Titel mit im Programm benannter Seitengrenze
How Hard It Is
Getz und Andrew machen Schwierigkeit zum Ausgangspunkt, doch die Darbietung bewegt sich, statt zusammenzubrechen. Gitarre, Orgel und mehrere Stimmfarben verwandeln Erkenntnis in Schwung; die schlichten Worte des Titels eröffnen ein Album über Arbeit, Überleben und musikalische Antwort.
You've Been Talkin' 'Bout Me, Baby
Ray Rivera, Gale Garnett und Walter Hirsch liefern die einzige Fremdkomposition des Albums. Ihre direkte Anklage verlagert das Thema von innerem Kampf zu öffentlicher Rede; Keyboard- und Vokalenergie im Umfeld Finnigans gibt der Konfrontation einen Soul-Rock-Rahmen.
House on Fire
Getz und Louis Rappaport verwandeln Gefahr in eine Szene, die zu dringend für Abstraktion ist. Das Schlagzeug drängt unter scharfen Gitarrenantworten vorwärts; das Hausbild macht die Krise gemeinschaftlich, weil alle darin sie erkennen müssen, bevor Flucht möglich wird.
Black Widow Spider
Andrews kompakter Song nutzt räuberische Anziehung als Zentralbild. McDonalds klar begrenzter Gesangsbeitrag verschärft den Austausch; Fuzzgitarre und harte Akzente halten Begehren und Warnung untrennbar zusammen.
Last Band on Side One
Roscoe Segel und Andrew erkennen im Songtitel die physische LP an. Der kurze Abgang löst Druck durch Selbstbewusstsein, beendet Seite eins genau an der angekündigten Stelle und macht das Umdrehen der Platte zum Teil des Witzes.
Nu Boogaloo Jam
Dan Nudelman und Andrew eröffnen Seite zwei mit einem groovezentrierten Neustart. Synkopen und Ensemble-Austausch zählen mehr als Handlung; „neu“ signalisiert Anpassung, während „Jam“ ein kontrolliertes Gruppengespräch statt unbegrenzter Dauer meint.
Maui
Segel und Andrew ersetzen die städtische Krise durch vorgestellte Ferne. Ein helleres Arrangement macht die Insel zum vorübergehenden Horizont, doch die kompakte Form verhindert, dass Flucht zur vollständigen Lösung der am Anfang benannten Härte wird.
Shine On
Getz, Albin und Andrew bauen das längste Stück um wiederholte Ermutigung. Orgel und Gitarren erweitern die Form allmählich; „shine“ bedeutet anhaltende Präsenz statt mühelosen Optimismus. Der Gruppencredit entspricht dieser kollektiven Ausdauer.
Buried Alive in the Blues
Gravenites’ Song erhält eine vollständige Gesangsfassung, nachdem die Full Tilt Boogie Band ihn für Pearl instrumental aufgenommen hatte. Big Brother nähert sich dem Bild über Gewicht und Zeugenschaft; die historische Verbindung vertieft die Darbietung, macht sie aber nicht zu einer Joplin-Aufnahme.
Promise Her Anything but Give Her Arpeggio
Schallocks Komposition beendet die LP mit einem Wortspiel über romantische Übertreibung und musikalische Konstruktion. Gemusterte Noten tragen den Witz; ein Album über Mühsal endet durch Handwerk, Spiel und eine unverkennbar instrumentale Idee.
Druck und Fortsetzung
Schwierigkeit, Gerede, Gefahr, Beharrlichkeit und musikalisches Selbstbewusstsein
How Hard It Is besitzt keine durchgehende Handlung, doch die Titel bilden eine Entwicklung von eingestandener Schwierigkeit über Gefahr, Flucht und Ausdauer bis zum musikalischen Spiel. Der Titelsong benennt die Härte direkt, You’ve Been Talkin’ ’Bout Me verlagert den Druck in Ruf und Anklage. House on Fire macht die Krise architektonisch und unmittelbar, Black Widow Spider attraktiv und zwischenmenschlich. Last Band on Side One unterbricht diese Gefahren, indem es die konstruierte LP-Folge offenlegt.
Nu Boogaloo Jam beantwortet die Belastung zu Beginn der zweiten Seite mit sozialem Rhythmus. Maui stellt geografische Befreiung vor, doch Shine On ersetzt Flucht durch Beharrlichkeit in der Gegenwart. Buried Alive in the Blues gibt der Härte ihre tiefste Genre- und Körpermetapher. Der abschließende Arpeggio-Witz löst die Probleme nicht; er bewertet musikalische Erfindung als Mittel, weiter an ihnen zu arbeiten.
Columbia 30738
Columbia 30738 und ein Titel, der den Kampf eingesteht
Die ursprüngliche US-Katalognummer lautet Columbia C 30738. Dennis Nolan schuf das Artwork und kehrte damit als Gestalter zurück, der bereits mit der ersten Mainstream-Verpackung der Gruppe verbunden war. Der Titel How Hard It Is macht Schwierigkeit öffentlich, ohne eine einzelne Ursache festzulegen; persönliche, gruppeninterne und industrielle Bedeutungen können nebeneinander bestehen.
Auf jeder Seite stehen fünf Titel; Last Band on Side One markiert ausdrücklich die Vinylgrenze. Promise Her Anything but Give Her Arpeggio ist der korrekte Schlusstitel; manche Datenbanken ersetzten Her irrtümlich durch Here. Spätere Doppelalbum-Ausgaben können dieses Programm direkt hinter Be a Brother stellen, doch der Titelsong bleibt der Beginn eines neuen Albums und nicht Titel elf eines einzigen Werkes.
Das vierte Album
August 1971: Platz 157 in drei Chartwochen
How Hard It Is erschien im August 1971 als viertes Studioalbum von Big Brother and the Holding Company. Es erreichte Platz 157 der Billboard-Albumcharts und blieb dort drei Wochen. Das Ergebnis lag unter Platz 134 von Be a Brother und weit entfernt von der kommerziellen Größenordnung der Joplin-Ära.
Die Kritiken waren über das Material geteilt, doch einige erkannten eine von der früheren Sängerin unabhängige Identität. Finnigans größere Rolle und die vielfältigen Autorenpartnerschaften unterscheiden die Platte von einer bloßen Fortsetzung aus Restmaterial. Vor der Auflösung der Gruppe 1972 folgte kein weiteres Columbia-Studioalbum.
Vor der ersten Trennung
Das letzte Columbia-Studiokapitel vor der Trennung von 1972
Das Album ist der vollständigste Studiobericht der Instrumentalbesetzung Andrew, Albin, Gurley, Getz und Schallock. Getz’ Songwriting und Multiinstrumentalrollen zeigen, wie sehr die spätere Band von Beiträgen jenseits ihrer sichtbarsten Gitarristen und Sänger abhing. Finnigans Orgel und Stimme geben mehreren Titeln ein Soul-Rock-Zentrum, das sie von Cheap Thrills und dem lockereren Gästemosaik von Be a Brother unterscheidet. Buried Alive in the Blues schlägt eine respektvolle Katalogbrücke zu Pearl und bleibt dennoch eine eigenständige Big-Brother-Darbietung.
Der selbstreferenzielle Seitenabschluss und das Arpeggio-Finale zeigen Humor als kompositorisches Werkzeug, nicht nur als textliche Entlastung. Der Chartrückgang hilft das Ende der ersten Columbia-Ära zu erklären, darf aber nicht zum Stillstand der musikalischen Entwicklung umgedeutet werden. Spätere Reunions und Studioarbeit machen es zum letzten Studiostatement vor der Trennung von 1972, nicht zum letzten Album für immer. Sein Vermächtnis ist eine hart arbeitende Gruppe, die amerikanische Rockformen erweitert, während ihr kommerzieller Spielraum schrumpft.
Originalprogramm
Die Fünf-zu-fünf-LP und den korrekten Schlusstitel bewahren
Das Originalalbum enthält zehn Titel. Last Band on Side One schließt Seite eins. Promise Her Anything but Give Her Arpeggio bildet das ursprüngliche Ende. Im Schlusstitel ist Her korrekt, nicht Here.
McDonalds dokumentierte Rolle ist auf Black Widow Spider begrenzt. Gravenites kehrt für Buried Alive in the Blues zurück. Finnigan erscheint auf ausgewählten Titeln statt auf dem gesamten Album. Spätere Reunions verhindern die Bezeichnung als für immer letztes Studioalbum.
Ein Hörweg
Die benannte Seitengrenze nutzen und dem Groove bis zum Arpeggio folgen
- Mit eingestandener Schwierigkeit beginnen und öffentlichem Gerede bis zur häuslichen Gefahr folgen.
- Hören, wie Black Widow Spider die Bedrohung der ersten Seite verdichtet.
- Den kurzen fünften Titel als Aufforderung zum Umdrehen der LP verstehen.
- Mit Boogaloo-Rhythmus statt einer weiteren Krisenerzählung neu beginnen.
- Maui als vorübergehende Distanz vor der Ausdauerarbeit von Shine On nutzen.
- Buried Alive in the Blues erst nach seinem Platz hier mit Pearl vergleichen.
- Schallocks Arpeggio-Witz die Columbia-Folge beenden lassen.
Recherche und Quellen
Quellen und weiterführende Lektüre
- Programm und Rezension zu How Hard It Is — AllMusic
- Offizielles Columbia-Programm mit zehn Titeln — Apple Music
- Offizielle digitale Folge und Laufzeit — Amazon Music
- Veröffentlichungsfolge und Beleg zur Schlusstitelvariante — MusicBrainz
- Geschichte der späteren Besetzung und Grenze der Columbia-Ära — Big Brother and the Holding Company
- Originalcredits von C 30738 und Billboard-Veröffentlichungsbeleg — Billboard and original-LP documentation
- Rückblickende kritische Einordnung — Robert Christgau