Zum Inhalt springen Popol Vuh — Elektronik / Progressive Folk / Filmmusik
Elektronik / Progressive Folk / Filmmusik

Popol Vuh

Von Moog-Elektronik zu akustischer Versenkung und Kino.

Munich, GermanyHerkunft
1969 – 2001Aktiv
Elektronik / Progressive Folk / FilmmusikGenre
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Überblick

Popol Vuh war weniger eine feste Rockband als ein wechselndes Musikprojekt um Florian Fricke. Die ersten beiden Alben erforschten Moog-Synthesizer, Perkussion, Bandbearbeitung und Kirchenorgel. Ab Hosianna Mantra richtete Fricke das Projekt auf Klavier, Gitarre, Oboe, Tambura und Stimme aus. Dieser Wechsel war kein Rückzug vom Experiment: Elektronische Neuheit wich einer ebenso ungewöhnlichen Suche nach Klarheit, Resonanz und spiritueller Intensität.

Der Name stammt aus dem K'iche'-Maya-Text, der gewöhnlich als Popol Vuh bezeichnet wird. Fricke griff auf christliche Texte, asiatische Religionstraditionen und seine eigene konfessionslose Vorstellung von Musik für das Herz zurück. Mitwirkende wie Frank Fiedler, Holger Trülzsch, Conny Veit, Djong Yun und Daniel Fichelscher gaben jeder Phase einen anderen körperlichen Klang. Die Gruppe gehört zur Geschichte des Krautrock, doch ihr Katalog reicht ebenso in Elektronik, Progressive Folk, sakrale Komposition und Filmmusik.

Eine Seite aus dem Popol-Vuh-Manuskript, dem Werk, das der Band ihren Namen gab.
Eine Seite aus dem Popol-Vuh-Manuskript—dem Werk, das der Band ihren Namen gab. Foto: Francisco Ximénez / Newberry Library / Wikimedia Commons · Public domain · WebP-Konvertierung

Gründung & Geschichte

Fricke begann im Herbst 1969 mit dem Filmemacher und Klangspezialisten Frank Fiedler zu arbeiten. Auf Affenstunde spielte Fricke Moog, Holger Trülzsch Perkussion, während Fiedler den Synthesizer-Mix formte. Der Titelsong und die verbundenen Stücke „Ich mache einen Spiegel“ wurden mit dem Charakter eines Liveprozesses gespielt und montiert, nicht nach herkömmlichen Songstrukturen. In den Gärten Pharaos erweiterte diese Sprache 1971: Eine Seite Moog-Musik stand neben dem Kirchenorgelwerk „Vuh“.

Für Hosianna Mantra wandte sich Fricke einer akustischen Kammergruppe mit Gitarrist Conny Veit, Oboist Robert Eliscu, Tambura-Spieler Klaus Wiese, Violinist Fritz Sonnleitner und der koreanischen Sopranistin Djong Yun zu. Daniel Fichelscher wurde ab Seligpreisung zur zweiten langfristig prägenden Instrumentalstimme und nahm häufig sowohl Gitarre als auch Perkussion auf. Frickes Arbeit mit Werner Herzog begann mit Aguirre, der Zorn Gottes; spätere Filme verwendeten eine Mischung aus eigens komponierter und bereits vorhandener Popol-Vuh-Musik. Das Projekt bestand mit wechselnden Besetzungen und späteren elektronischen Werkzeugen bis zu Frickes Tod 2001 fort.

Klang & Stil

Die frühen elektronischen Aufnahmen sind keine taktlosen Abstraktionen. Trülzschs Handperkussion, Frickes sequenzierte Moog-Figuren sowie Fiedlers Filter, Echo und Delay erzeugen ein bewegtes rhythmisches Feld. „Vuh“ verändert den Maßstab erneut durch Pfeifenorgel und Becken, aufgenommen in einer ehemaligen Klosterkirche. Das berühmte Aguirre-Thema verwendet eine eigens gebaute „Chororgel“, ein Mellotron-ähnliches Gerät aus parallelen Bandschleifen aufgenommener Stimmen, nicht einfach ein gewöhnliches Chorpreset.

Die akustische Phase lebt von Interaktion und nicht allein von Atmosphäre. Frickes Klavier und Cembalo setzen wiederkehrende harmonische Zellen; Veit und später Fichelscher antworten mit elektrischer und zwölfsaitiger Gitarre. Oboe, Violine, Tambura, Sitar, Tabla und Flöte verändern die Farbe von Album zu Album. Djong Yun singt auf mehreren Schlüsselwerken biblische Texte, während Fichelschers Doppelrolle als Gitarrist und Perkussionist den Aufnahmen der mittleren Siebziger einen ungewöhnlich einheitlichen Puls verleiht. Spätere Filmmusiken und Alben führten Elektronik, Sampler und Chorklänge wieder ein, ohne dieses akustische Zentrum auszulöschen.

Zentrale Mitwirkende in wechselnden Phasen Florian Fricke (Moog, Klavier, Keyboards, Komposition; 1969–2001), Frank Fiedler (Klanggestaltung, Aufnahme und Synthesizer-Mix der Frühphase), Holger Trülzsch (Perkussion), Conny Veit (Gitarre), Djong Yun (Stimme) und Daniel Fichelscher (Gitarre und Perkussion). Robert Eliscu, Klaus Wiese, Fritz Sonnleitner, Alois Gromer, Renate Knaup und weitere Gäste sind auf einzelnen Aufnahmen zu hören. Popol Vuh war ein studiozentriertes Projekt mit wechselndem Personal, keine stabile Tourneebesetzung.

Essenzielle Alben

PDU · Zuerst 1972 in Italien erschienen; deutsche Pilz-Ausgabe 1973

Die entscheidende akustische Wandlung. Frickes Klavier und Cembalo treffen auf Conny Veits elektrische und zwölfsaitige Gitarren, Robert Eliscus Oboe, Klaus Wieses Tambura, Fritz Sonnleitners Violine und Djong Yuns Sopran. Die erste Seite führt von „Ah!“ und „Kyrie“ in das lange Titelwerk; die zweite vertont Texte nach Martin Bubers Bibelübersetzung. Wiederholung ist vorhanden, aber kein mechanischer Puls: Atem, Resonanz und der Kontrast zwischen Stimme und gezupften Saiten tragen die Form.

Schlüsseltitel: Hosianna - Mantra: Ah! · Das V. Buch Mose: Abschied · Das V. Buch Mose: Nicht hoch im Himmel

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Aguirre

1975

PDU · Album released 1975; film released 1972

Dies ist keine vollständig auf LP bewahrte Filmmusik. Das Album von 1975 verbindet das „Aguirre“-Thema und verwandtes Material mit Stücken, die vor oder nach Herzogs Film von 1972 aufgenommen wurden; „Morgengruß II“, „Agnus Dei“ und das lange Moog-Werk „Vergegenwärtigung“ sind im Film nicht zu hören. Prägend ist die Chororgel in „Aguirre I“, deren aufgezeichnete Stimmen einen Keyboardakkord zugleich menschlich und unwirklich klingen lassen.

Schlüsseltitel: Aguirre I · Aguirre II · Vergegenwärtigung

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Liberty · Herkunftal 1970 release

Das elektronische Debüt verbindet Frickes Moog mit Trülzschs Perkussion und Fiedlers Filter- und Mischarbeit. Die drei „Dream“-Abschnitte auf Seite eins arbeiten mit Sequenzermustern, Echo und wechselnden elektronischen Klangfarben statt mit Strophe und Refrain. Im achtzehnminütigen Titelsong erhält die Perkussion stärkere körperliche Präsenz. Das Album begründet die elektronische Sprache des Projekts, ohne zu behaupten, Popol Vuh hätten Synthese erfunden oder ohne Vorläufer gearbeitet.

Schlüsseltitel: Ich mache einen Spiegel: Dream Part 4 / Dream Part 5 / Dream Part 49 · Affenstunde

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Tiefer in den Katalog

Im Mai 1974 im Bavaria Tonstudio aufgenommen, vereint das Album Frickes Klavier und Spinett, Fichelschers elektrische und akustische Gitarren sowie Perkussion, Djong Yuns Stimme und Olaf Küblers Flöte auf einer kompakten ersten Seite und in einem neunzehnminütigen Titelstück. Fricke beschrieb es als Abschluss eines Schaffenszyklus; zugleich festigt die Musik die Partnerschaft Fricke–Fichelscher, die die folgenden Jahre prägen sollte.

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Fricke arrangierte Texte aus dem Hohelied als das, was er ein „mystisches Liebeslied“ nannte. Die Aufnahme vom Februar 1975 stellt Djong Yun über Klavier, Fichelschers Gitarren und Perkussion, Alois Gromers Sitar und Shana Kumars Tabla. Gegenüber Hosianna Mantra klingt das Ensemble dichter und rhythmisch geerdeter, besonders in den jeweils verbundenen Stücken „In den Nächten auf den Gassen“ und „Du Sohn Davids“.

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Das Brain-Album von 1977 trägt denselben Titel wie Herzogs Film, sollte aber nicht als szenengenaue Filmmusik verstanden werden: Nur ein Teil der Platte ist im Film zu hören, neben anderer Musik. Fichelscher spielt sämtliche Gitarren und Perkussion, Fricke Klavier, Matthias von Tippelskirch Flöte und Alois Gromer Sitar. „Engel der Gegenwart“ eröffnet weitläufig; die kürzeren Stücke der zweiten Seite machen das Album zu einer der unmittelbarsten gitarrengeführten Aussagen des Katalogs.

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Warum sie weiterhin wichtig sind

Popol Vuh ist wichtig, weil der Katalog eine einfache Erzählung technologischen Fortschritts verweigert. Fricke nutzte zunächst einen großen modularen Synthesizer auf der Suche nach einem organischen, stimmenähnlichen Klang und verfolgte dasselbe Ziel anschließend mit akustischen Instrumenten, Sängerinnen und resonanten Räumen. Der Übergang von Affenstunde zu Hosianna Mantra ist deshalb ein Wechsel der Mittel, keine Absage an das Experiment. Er bietet zwei dauerhafte Modelle: Elektronische Musik kann atmen, und hingebungsvolle Intensität kann außerhalb einer festen liturgischen Tradition bestehen.

Die Zusammenarbeit mit Herzog übertrug diese Methode ins Kino, doch Album- und Filmgeschichte müssen getrennt bleiben. Manche Einsätze wurden für bestimmte Szenen komponiert; andernorts wählte Herzog bestehende Popol-Vuh-Aufnahmen, und die LP Aguirre enthält selbst umfangreiche Musik, die im Film fehlt. Dieser durchlässige Austausch zwischen Platte, Archiv und bewegtem Bild ist interessanter, als jedes verwandte Album pauschal als herkömmlichen Soundtrack zu bezeichnen.

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Quellen und weiterführende Lektüre

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