Cream entstanden im Juli 1966 in London um Eric Clapton, Jack Bruce und Ginger Baker. Alle drei brachten bereits einen Namen mit: Clapton von den Yardbirds und John Mayalls Bluesbreakers, Bruce und Baker aus miteinander verbundenen britischen Jazz- und Rhythm-and-Blues-Gruppen wie der Graham Bond Organisation. Ihren ersten großen öffentlichen Auftritt hatte die Band am 31. Juli beim National Jazz and Blues Festival in Windsor.
In weniger als drei Jahren führte der Weg von den Bluescovers und Eigenkompositionen auf Fresh Cream über die kompakte Studiopsychedelia von Disraeli Gears zum Doppelalbum Wheels of Fire, das neue Studioarbeit neben ausgedehnte Konzertaufnahmen stellte. Dieser Gegensatz zwischen knappen Platten und offenem Live-Zusammenspiel ist aufschlussreicher, als jede Cream-Darbietung als undifferenzierte Lautstärkewand zu betrachten.
Jack Bruce und Ginger Baker von Cream im Jahr 1967.Foto: unbekannter Fotograf; bearbeitet von Dcameron814 / Wikimedia Commons · Gemeinfrei · WebP-Konvertierung
Gründung & Geschichte
Baker initiierte die Gruppe und wandte sich an Clapton, der unter der Bedingung zustimmte, dass Bruce Bass spielte. Bruce und Baker hatten bei Blues Incorporated und der Graham Bond Organisation zusammengearbeitet; ihr musikalisches Einvernehmen bestand neben schweren persönlichen Konflikten. Das neue Trio probte vor dem Windsor-Auftritt in Nordlondon und veröffentlichte im Oktober 1966 mit „Wrapping Paper“ bewusst eine erste Single, die den Bühnenklang nicht repräsentierte. Fresh Cream folgte im Dezember in Großbritannien.
Bei den 1967 in New York aufgenommenen Disraeli Gears halfen Produzent Felix Pappalardi und Toningenieur Tom Dowd dabei, das Spiel des Trios in kürzere, geschichtete Arrangements zu fassen. Bruces Zusammenarbeit mit Texter Pete Brown lieferte einen großen Teil der Kompositionen; „Sunshine of Your Love“ wurde Bruce, Brown und Clapton zugeschrieben. Wheels of Fire erweiterte das Format um eine Studio- und eine Liveplatte; das Konzertmaterial stammte aus amerikanischen Auftritten im März 1968.
Die Mitglieder beschlossen 1968, sich zu trennen, und absolvierten im November Abschiedskonzerte in den Vereinigten Staaten und in der Londoner Royal Albert Hall. Das nach der Trennung 1969 veröffentlichte Goodbye verband drei Liveaufnahmen mit drei neuen Studiosongs. Bei der Aufnahme in die Rock & Roll Hall of Fame 1993 traten Cream wieder gemeinsam auf; 2005 folgten vier Konzerte in der Royal Albert Hall und drei im Madison Square Garden.
Klang & Stil
Bruces Bass fungiert häufig als Gegenmelodie, statt Claptons Gitarre nur zu verdoppeln. Bakers jazzgeprägte Phrasierung setzt Akzente um den Grundschlag und behandelt Becken und Toms als eigenständige Linien; Clapton kann darauf mit gezogenen Bluestönen, anhaltender Verzerrung oder Wah-Wah antworten, statt jeden Takt allein zu tragen. Bruces Gesang steht im Zentrum des bekanntesten Studiomaterials, während Clapton und Baker einzelne Leadparts übernehmen.
Die Studioalben setzen das Trio anders ein als die Konzerte. Fresh Cream wechselt Eigenkompositionen mit Material aus dem Umfeld von Willie Dixon, Skip James, Muddy Waters und Robert Johnson ab. Disraeli Gears nutzt Overdubs, knappe Formen und psychedelische Bilder in „Strange Brew“, „Tales of Brave Ulysses“ und „SWLABR“. Die Livefassungen von „Spoonful“ und „Toad“ auf Wheels of Fire heben diese Grenzen auf und geben Bass, Schlagzeug und Gitarre Raum, den Verlauf in Echtzeit umzulenken.
Zentrale Alben
1967
Disraeli Gears
Reaction · Originalveröffentlichung von 1967
Mit Produzent Felix Pappalardi und Toningenieur Tom Dowd in den Atlantic Studios in New York aufgenommen, verdichtet Disraeli Gears Cream auf elf kurze Studiostücke. „Strange Brew“ formt eine frühere Blues-Begleitspur um, „Sunshine of Your Love“ verankert ein schweres Riff in Bakers unverwechselbarem Puls, und „Tales of Brave Ulysses“ macht Claptons Wah-Wah zum Teil des Arrangements statt zum bloßen Soloeffekt.
Schlüsseltitel: Strange Brew · Sunshine of Your Love · Tales of Brave Ulysses
Das Doppelalbum trennt Studiokonstruktion und Konzertdarbietung. Die erste Platte reicht von den geschichteten Taktwechseln in „White Room“ bis zu Bakers und Mike Taylors „Pressed Rat and Warthog“; die zweite basiert auf Konzerten vom März 1968 und stellt das knappe „Crossroads“ neben die deutlich längeren „Spoonful“ und „Toad“. Das Format macht Creams zwei Arbeitsweisen unmittelbar vergleichbar.
Schlüsseltitel: White Room · Passing the Time · Crossroads
Das Debüt verbindet Eigenkompositionen von Bruce, Baker und ihren Mitautoren mit Bluesmaterial wie Willie Dixons „Spoonful“, Skip James' „I'm So Glad“, Muddy Waters' „Rollin' and Tumblin'“ und Robert Johnsons „Four Until Late“. „N.S.U.“ und „Sweet Wine“ etablieren die eigene Schreibweise des Trios, während „Toad“ Baker ein ausgedehntes Schlagzeugstück gibt, das bereits im Liveprogramm verwurzelt war.
Goodbye ist der Epilog der ursprünglichen Gruppe, kein konventionelles viertes Studioalbum. Eine Seite dokumentiert Konzertaufnahmen von 1968; die andere enthält drei Studiostücke, jeweils eines unter der Führung eines Mitglieds. Clapton und George Harrison schrieben „Badge“ gemeinsam, wobei Harrison unter dem Namen „L'Angelo Misterioso“ aufgeführt wurde.
Live Cream (1970) und Live Cream Volume II (1972) versammeln weitere Aufnahmen aus den Jahren 1967 und 1968. Als Ergänzung zu den Studioalben zeigen sie, wie sich vertrautes Material von Abend zu Abend in Länge und Gewichtung veränderte; sie sind nicht mit neuen aktiven Phasen der Band zu verwechseln.
Creams Bedeutung liegt in einer konkreten Veränderung des Maßstabs. Das Trio brachte Musiker aus bekannten britischen Blues- und jazznahen Gruppen in ein Format, in dem Bass und Schlagzeug ein Arrangement ebenso kraftvoll umlenken konnten wie die Gitarre. Ihre Konzertpraxis machte ausgedehnte Improvisation bei hoher Lautstärke zu einer selbstverständlichen Erwartung an spätere Bluesrock- und Hardrock-Trios; zugleich zeigte die Studioarbeit, dass dieselben Musiker straff geschnittene psychedelische Singles aufnehmen konnten.
Die kompakte Chronologie macht Aussagen über ihre Entwicklung zudem überprüfbar: Fresh Cream bewahrt den blueslastigen Ausgangspunkt, Disraeli Gears dokumentiert Pappalardis und Dowds Studioarbeit, Wheels of Fire stellt Studio und Bühne nebeneinander, und Goodbye hält das geplante Ende fest. Der Auftritt bei der Aufnahme in die Hall of Fame 1993 und die Konzerte von 2005 waren Wiedervereinigungen dieser Dreierbesetzung, kein Beleg für eine ununterbrochene Laufbahn.
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