Überblick
In Spirits ursprünglicher Besetzung trafen fünf klar unterscheidbare musikalische Aufgaben aufeinander: Randy Californias ökonomisches Gitarrenspiel und seine Songs, Jay Fergusons Leadgesang und Kompositionen, John Lockes Keyboards, Mark Andes' Bass und Ed Cassidys im Jazz geschultes Schlagzeug. Das 1967 in Los Angeles gegründete Quintett nahm vier Studioalben auf, bevor Ferguson und Andes 1971 ausstiegen. Diese Platten entwickeln sich von kurzen psychedelischen Songs und Instrumentalstücken zum bewusst verbundenen Programm von Twelve Dreams of Dr. Sardonicus.
Der Name wurde von mehreren sehr unterschiedlichen Besetzungen weitergeführt. California und Cassidy blieben bei späteren Wiedervereinigungen die zentrale Partnerschaft, doch Feedback entstand ohne California, Ferguson und Andes. Wer jede Spirit-Platte als Werk derselben stabilen Band behandelt, verdeckt die Veränderungen, die den Katalog prägten.
Gründung & Geschichte
California, Ferguson und Andes hatten bei den Red Roosters gespielt, bevor California einen Teil des Jahres 1966 in New York verbrachte. Dort gab Jimi Hendrix Randy Wolfe den Künstlernamen Randy California. Nach der Rückkehr nach Los Angeles schlossen sich California und sein Stiefvater Cassidy mit Ferguson, Andes und Locke zusammen. Spirit unterschrieb im August 1967 einen Plattenvertrag; Lou Adler produzierte das 1968 erschienene selbstbetitelte Debüt sowie die Nachfolger The Family That Plays Together und Clear.
David Briggs produzierte das vierte Album Twelve Dreams of Dr. Sardonicus. Danach gingen Ferguson und Andes und gründeten Jo Jo Gunne. Die Besetzung von Feedback aus dem Jahr 1972 behielt Cassidy und Locke, wurde aber durch Al und John Staehely ergänzt; California wirkte nicht mit. California und Cassidy stellten Spirit 1974 neu auf. Spätere Besetzungen nahmen bis zu Californias Tod im Januar 1997 Platten auf und gingen auf Tournee.
Spirits Verbindung zu Led Zeppelin gehört zur dokumentierten Rechtsgeschichte und ist kein gerichtlich festgestelltes Plagiat. Beide Bands traten an denselben Veranstaltungsorten auf, und Led Zeppelin spielte Spirits „Fresh Garbage“. Californias Nachlass-Trust behauptete später, „Stairway to Heaven“ verletze die Rechte an seinem Instrumentalstück „Taurus“; 2020 bestätigte das Berufungsgericht des neunten US-Gerichtsbezirks das Urteil zugunsten von Led Zeppelin.
Klang & Stil
Spirits Bandbreite entsteht aus dem Zusammenspiel der ursprünglichen fünf Musiker und nicht aus einem einzigen Genrebegriff. Fergusons kompakte Songs stehen neben Californias Gitarreninstrumentals; Locke wechselt zwischen Klavier, Orgel und arrangierten Keyboardfarben; Andes erdet wechselnde Taktarten; Cassidy bringt feine Beckenarbeit und die Reaktionsfähigkeit eines Jazzmusikers ein, statt das Schlagzeug auf einen festen Backbeat zu reduzieren.
Schon das Debüt macht diese Gegensätze innerhalb einzelner Titel hörbar: Die abgehackte Gesellschaftssatire „Fresh Garbage“, Californias akustisches Instrumental „Taurus“ und die lange Gruppenaufführung „Elijah“ folgen nicht derselben Vorlage. Clear trennt kantige Songs von Instrumentalstücken mit Ursprung in der Filmmusik, während Twelve Dreams of Dr. Sardonicus zwölf kurze Stücke durch wiederkehrende Übergänge und Studioarrangements zu einer albumlangen Folge verbindet.
Essenzielle Alben
Das von David Briggs produzierte vierte Album des ursprünglichen Quintetts verbindet zwölf Stücke, ohne sie musikalisch zu vereinheitlichen. Californias „Nature's Way“, Fergusons „Animal Zoo“ und Cassidys Schaustück „Mr. Skin“ führen durch ökologische Warnung, urbane Satire und Charakterstudie; kurze Übergänge und wiederkehrende Studiotexturen lassen die Folge gestaltet statt bloß zusammengestellt wirken.
Schlüsseltitel: Prelude – Nothin' to Hide · Mr. Skin · Soldier
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1969Das dritte Album entstand, während die Band zugleich Musik für Jacques Demys Film Model Shop lieferte. Die Songseite enthält den verdichteten Hardrock von „Dark Eyed Woman“ und Fergusons „New Dope in Town“; das Instrumentalmaterial, darunter „Ice“ und „Clear“, gibt Locke, California und der Rhythmusgruppe Raum, mit Atmosphäre statt mit Strophe-Refrain-Formen zu arbeiten.
Schlüsseltitel: Dark Eyed Woman · Clear · Ice
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1968Lou Adlers Produktion legt Orchesterarrangements um eine Band, die mit abrupten Formwechseln bereits sicher umgeht. Fergusons „Fresh Garbage“ und „Uncle Jack“, Californias Instrumentalstück „Taurus“ und Lockes ausgedehntes „Elijah“ zeigen verschiedene kompositorische Stimmen; Cassidy und Andes lassen den Wechsel zwischen Song, Jazzphrasierung und Psychedelia dennoch geschlossen klingen.
Schlüsseltitel: Fresh Garbage · Straight Arrow · Elijah
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Feedback
1972Der deutlichste Besetzungsbruch im Katalog — und kein Soloalbum von Randy California. Cassidy und Locke arbeiten mit Al Staehely an Bass und Gesang sowie John Staehely an der Gitarre; David Briggs produziert ein härteres, konventionelleres Rockalbum, dessen Country-Färbung und Staehely-Kompositionen es von den vier ursprünglichen LPs unterscheiden.
Albumguide öffnen → Bei Amazon ansehen →Diese Doppel-CD-Anthologie verfolgt die Jahre bei Ode und Epic vom Debüt 1968 bis Feedback. Ihr Wert liegt in der Chronologie: Albumtitel, Singles und zeitgenössisches Material machen zunächst die Entwicklung des ursprünglichen Quintetts und danach den abrupten Besetzungswechsel hörbar, statt Spirit auf einen bekannten Song zu reduzieren.
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Spirits erste vier Alben dokumentieren eine ungewöhnlich demokratische Band aus Los Angeles: Ferguson und California liefern gegensätzliche Songs, Locke und Cassidy bringen Erfahrungen außerhalb des konventionellen Rock ein, und die Arrangements lassen kurzes, radiotaugliches Material neben Instrumentalstücken und ausgedehntem Ensemblespiel bestehen. Diese Kombination erklärt, weshalb die Gruppe zur Geschichte von Psychedelic, Progressive und Jazzrock gehört, ohne in einer davon vollständig aufzugehen.
Der spätere Katalog ist aus einem anderen Grund wichtig: Er dokumentiert, wie California und Cassidy die Gruppe nach dem Ende der ursprünglichen Besetzung wiederholt neu aufbauten. California starb im Januar 1997 vor Molokai, nachdem er seinen zwölfjährigen Sohn in Richtung Ufer gestoßen hatte, als beide in eine Strömung gerieten. Das endgültige Urteil zu „Taurus“ muss korrekt wiedergegeben werden, sollte Spirits Nachwirkung aber nicht beherrschen: Das erweiterte Richterkollegium des Ninth Circuit bestätigte, dass „Stairway to Heaven“ die geschützte Komposition nicht verletzte.
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