Zum Inhalt springen Abstraktes RetroForge-Motiv zu Ash Ra Tempel – Krautrock und Space Rock
Krautrock / Space Rock

Ash Ra Tempel

Endlose Gitarren aus dem Berliner Underground.

Berlin, DeutschlandHerkunft
1970 – 1975; Wiedervereinigung 2000Aktiv
Krautrock / Space RockGenre
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Überblick

Ash Ra Tempel machten seitenlange Improvisation zu einer prägenden Form der kosmischen Berliner Musik der frühen 1970er Jahre. Manuel Göttschings Gitarre konnte als führende Stimme, wiederholtes Muster oder elektronische Textur wirken, während Hartmut Enke und Klaus Schulze das Bass- und Perkussionsgerüst des ursprünglichen Trios lieferten.

Das von Conny Plank betreute Debüt von 1971 stellte dem kraftvollen elektrischen Stück „Amboss“ die ruhigere „Traummaschine“ gegenüber. Spätere Platten veränderten Besetzung und Schwerpunkt: Schwingungen ergänzte Stimme und Saxofon, an Seven Up wirkten Timothy Leary und weitere Gäste mit, und Join Inn vereinte das Gründungstrio kurzzeitig wieder.

Ash-Ra-Tempel-Gründer Manuel Göttsching bei einem Soundcheck 2010.
Ash-Ra-Tempel-Gründer Manuel Göttsching bei einem Soundcheck 2010. Foto: MS805 / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0 · WebP-Konvertierung

Gründung & Geschichte

Ash Ra Tempel gründeten sich 1970 in Berlin um den Gitarristen Manuel Göttsching, den Bassisten Hartmut Enke und den Schlagzeuger Klaus Schulze, der kurz zuvor Tangerine Dream verlassen hatte. Conny Plank betreute das selbstbetitelte Debüt des Trios, das 1971 bei Ohr erschien. Anschließend begann Schulze seine Solokarriere.

Göttsching und Enke nahmen Schwingungen mit wechselnden Gästen auf und arbeiteten in der Schweiz mit Timothy Leary an Seven Up. Schulze kehrte für Join Inn zurück, das während Pausen der Aufnahmen zu Walter Wegmüllers Tarot entstand. Nach diesem Album gingen Enke und Schulze erneut; auf Starring Rosi arbeitete Göttsching mit Rosi Müller und Gästen wie Harald Grosskopf.

Göttschings Inventions for Electric Guitar von 1975 wurde zugleich als sein erstes Soloalbum und als „Ash Ra Tempel VI“ präsentiert. Musik, die er im selben Jahr mit Lutz Ulbrich für Philippe Garrels Film Le Berceau de cristal aufnahm, erschien erst 1993 erstmals kommerziell als Album. Für New Age of Earth verwendete Göttsching 1976 den verkürzten Namen Ashra; im Jahr 2000 vereinigte er sich für Friendship unter dem Namen Ash Ra Tempel wieder mit Schulze.

Klang & Stil

Dauer und Kontrast prägen die frühen Platten. Ausgedehnte Darbietungen wechseln zwischen schweren kollektiven Attacken und nahezu stillstehenden Passagen; Göttsching verwandelt die E-Gitarre mit Feedback, Sustain und Wiederholung in eine kontinuierliche Textur. Enkes Bass verankert die lauteren Improvisationen, während Schulzes Schlagzeug und Orgel sowohl Bewegung als auch Atmosphäre erzeugen können.

Schwingungen erweitert diese Palette durch John L.s vokale Deklamation und Matthias Wehlers Saxofon. Join Inn stellt das ursprüngliche Trio wieder her, trennt seine beiden Seiten jedoch deutlich: „Freak ’n’ Roll“ wird von Bass, Schlagzeug und Gitarre angetrieben, während „Jenseits“ durch Orgel, Stimme und schwebende Gitarrenfarben führt. In den späteren, von Göttsching bestimmten Aufnahmen wird die Gruppenimprovisation zunehmend durch geschichtete Gitarren, Elektronik und sorgfältig kontrollierte Wiederholung ersetzt.

Mitglieder Gründungstrio: Manuel Göttsching (Gitarre), Hartmut Enke (Bass) und Klaus Schulze (Schlagzeug und später Orgel). Zu den wichtigen Mitwirkenden gehörten die Sängerin Rosi Müller, der Schlagzeuger Harald Grosskopf, der Saxofonist Matthias Wehler und der Gitarrist Lutz Ulbrich. Göttsching blieb die Konstante in den wechselnden Besetzungen und arbeitete später als Ashra sowie unter eigenem Namen.

Zentrale Alben

Ohr · Originalveröffentlichung von 1971

Das Debüt enthält zwei seitenlange Stücke von Göttsching, Enke und Schulze. „Amboss“ wächst aus einem ruhigen Beginn zu dichter, lauter Improvisation; „Traummaschine“ kehrt den Druck durch Perkussion, Beckenrauschen und gehaltene Gitarre um. Der Gegensatz von Kraft und Schwebezustand etabliert die Methode, zu der spätere Besetzungen immer wieder zurückkehren.

Schlüsseltitel: Amboss · Traummaschine

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Ohr · Originalveröffentlichung von 1972

Schwingungen behält Göttsching und Enke im Zentrum und ergänzt den Sänger John L., den Saxofonisten Matthias Wehler und den Schlagzeuger Wolfgang Müller. „Light: Look at Your Sun“ beginnt vergleichsweise songorientiert, „Darkness: Flowers Must Die“ verwandelt Stimme, Saxofon und Rhythmus in eine turbulente Prozession, und „Suche & Liebe“ dehnt die zweite Seite zu einem ruhigeren, gitarrengeführten Bogen.

Schlüsseltitel: Light: Look at Your Sun · Darkness: Flowers Must Die · Suche & Liebe

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Join Inn

1973

Ohr · Originalveröffentlichung von 1973

Join Inn vereint Göttsching, Enke und Schulze wieder; Rosi Müller steuert den gesprochenen Part zu „Jenseits“ bei. „Freak ’n’ Roll“ entwickelt auf der ersten Seite eine vorwärtsdrängende elektrische Improvisation, während die orgelgeführte zweite Seite die Musik zu einer weitläufigen Meditation verlangsamt. Das während der Pausen der Tarot-Sessions aufgenommene Werk blieb bis Friendship im Jahr 2000 das letzte gemeinsame Studioalbum des ursprünglichen Trios.

Schlüsseltitel: Freak ’n’ Roll · Jenseits

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Weitere Entdeckungen

Nach Enkes und Schulzes Ausstieg gestalten Göttsching und Rosi Müller mit Unterstützung von Harald Grosskopf und Dieter Dierks ein kürzeres, songorientierteres Album. Stimme, akustische Gitarre und kompakte Strukturen stehen neben dem elektronischen Schweben der früheren Platten.

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Le Berceau de Cristal

1993 (aufgenommen 1975)

Diese 1975 von Göttsching und Lutz Ulbrich für Philippe Garrels Film aufgenommene Gitarren- und Elektronikmusik blieb bis 1993 kommerziell unveröffentlicht. Ihre geduldigen Schichtungen verbinden die letzte Ash-Ra-Tempel-Phase mit Göttschings kontrollierterer Arbeit als Ashra.

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Warum sie bis heute wichtig sind

Ash Ra Tempel stellten offene psychedelische Improvisation ins Zentrum des Albums, statt sie als Live-Zwischenspiel zu behandeln. Der Kontrast zwischen anhaltender Textur und plötzlicher kollektiver Wucht bleibt ein einflussreiches Modell für späteren Space Rock, Drone und experimentelle Gitarrenmusik.

Göttsching übertrug die Erfahrungen der Gruppe mit Wiederholung und schrittweiser Veränderung auf seine Soloarbeit. Das einstündige E2-E4, 1981 in einem Durchgang aufgenommen und 1984 veröffentlicht, zirkulierte später in New Yorker Clubs und wurde zu einem anerkannten Bezugspunkt für Techno und Ambient House. Diese spätere Rezeption macht Ash Ra Tempel nicht zur Dance-Band, zeigt aber eine klare Kontinuität in Göttschings Aufmerksamkeit für Puls, Dauer und kleine Veränderungen.

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