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Cover von Future Days: Krautrock and the Building of Modern Germany — David Stubbs
Coverbild über Open Library · ISBN 9780571283323
Leseraum · Buch 001

Future Days: Krautrock and the Building of Modern Germany

David Stubbs

Eine Krautrock-Geschichte, die die Platten nicht von dem Land trennt, in dem sie entstanden

Erstmals veröffentlicht2014
VerlagFaber & Faber
Ausgewählte AusgabeISBN 9780571283323
Krautrock & deutsche experimentelle MusikCanKraftwerkNeu!

Eine Krautrock-Geschichte, die die Platten nicht von dem Land trennt, in dem sie entstanden

David Stubbs' Future Days: Krautrock and the Building of Modern Germany gehört zu den nützlichsten breit angelegten Einführungen in die Musik, die Ende der 1960er- und in den 1970er-Jahren in Westdeutschland entstand. Zugleich verfolgt das Buch eine größere These. Can, Kraftwerk, Neu!, Faust, Tangerine Dream, Amon Düül II, Cluster, Harmonia und ihre Zeitgenossen waren nicht einfach deutsche Bands, die zufällig besonders experimentelle Platten machten. Stubbs stellt ihre Arbeit in den kulturellen Druckkessel der deutschen Nachkriegszeit: eine jüngere Generation, die sich mit der unmittelbaren Vergangenheit auseinandersetzte, mit amerikanischer und britischer kultureller Dominanz, politischer Unruhe, neuer Kunst, neuer Technologie und dem Wunsch, Musik zu schaffen, die angloamerikanischen Rock nicht bloß nachahmte.

Diese Perspektive verhindert, dass das Buch zu einer Einkaufsliste seltsamer Platten wird, die unter einem praktischen Genrebegriff zusammengefasst sind. Future Days will mehr: Es fragt, warum in demselben nationalen Moment so radikal unterschiedliche Formen von Musik entstanden und weshalb diese Experimente Jahrzehnte später noch in Post-Punk, Ambient, elektronischem Pop und Experimental Rock nachhallten. Der Titel, entlehnt dem Can-Album Future Days von 1973, ist deshalb mehr als eine elegante Referenz. Er passt zu einer Geschichte über Musiker, die oft weniger daran interessiert waren, bestehende Traditionen zu bewahren, als mögliche Zukünfte zu bauen.

Was das Buch behandelt

Stubbs wechselt zwischen Kulturgeschichte und kapitelnahen Porträts einzelner Künstler. Die zentralen Namen sind jedem vertraut, der bereits begonnen hat, Krautrock zu erkunden: Can, Kraftwerk, Neu!, Faust und Tangerine Dream erhalten viel Raum. Darüber hinaus führt das Buch in die diffuseren kosmischen und elektronischen Welten rund um Cluster, Harmonia, Popol Vuh, Amon Düül II, Ash Ra Tempel und verwandte Musiker.

Die musikalischen Unterschiede sind entscheidend. Cans rhythmische, kollektive Improvisation hat wenig gemeinsam mit dem zunehmend präzisen elektronischen Minimalismus von Kraftwerk. Die schwebende frühe Musik von Tangerine Dream funktioniert anders als Neu!'s motorischer Vorwärtsdrang, und Fausts Studiosabotage lässt sich nicht sauber neben die meditativen Texturen von Popol Vuh stellen. Stubbs glättet diese Unterschiede nicht, nur um das Etikett „Krautrock“ bequemer zu machen.

Er widmet sich auch dem Problem des Begriffs selbst. „Krautrock“ war vor allem ein englischsprachiger journalistischer Ausdruck, den viele deutsche Musiker ablehnten. Diese Vorgeschichte ist wichtig, weil das Wort heute so selbstverständlich nützlich geworden ist, dass die Unbeholfenheit seiner Herkunft leicht verschwindet. Der alternative Begriff Kosmische Musik passt besser zu einem Teil der weltraumorientierten elektronischen Musik, kann aber ebenso wenig sinnvoll jede Gruppe beschreiben, die später in den Krautrock-Kanon aufgenommen wurde.

Am Ende entsteht weniger ein sauberer Genre-Stammbaum als eine Karte überlappender Experimente, deren gemeinsamer historischer Kontext ebenso wichtig ist wie jede einzelne musikalische Definition.

Warum es wichtig ist

Die stärkste Idee von Future Days lautet, dass diese Musik nicht in einem Vakuum entstand. Die Bundesrepublik Deutschland befand sich im materiellen Wiederaufbau, während eine jüngere Generation mit Fragen rang, denen die Generation ihrer Eltern häufig ausgewichen war. Studentenradikalismus, die Ereignisse rund um 1968, der Schatten des Nationalsozialismus, die Teilung Deutschlands, avantgardistische Komposition, Kommunen und neue Vorstellungen kollektiven Schaffens gehören zum Hintergrund.

Dieser Kontext erklärt, warum es nicht ausreicht, Can oder Faust einfach als „deutschen Progressive Rock“ zu bezeichnen. Ein großer Teil des britischen Progressive Rock erweiterte die Rockmusik durch konservatorische Technik, lange Formen, Jazz und klassische Komposition. Viele deutsche Experimentalgruppen versuchten etwas anderes: überlieferte Rockgesten abzubauen, Blues-Klischees zu misstrauen, solistische Selbstdarstellung zu reduzieren und stattdessen Wiederholung, Bandschnitt, Geräusch, Elektronik und kollektive Prozesse zu nutzen.

Stubbs verfolgt die Musik außerdem nach vorn. Das Nachleben dieser Platten ist gewaltig. Brian Eno und David Bowies auf Deutschland ausgerichtete Arbeiten, die Faszination des Post-Punk für Wiederholung und Textur, Ambient, elektronische Tanzmusik und späterer Experimental Rock werden verständlicher, sobald die deutschen 1970er-Jahre fest auf der musikalischen Landkarte des Lesers verankert sind.

Für RetroForge ist dies deshalb mehr als ein Buch über ein einzelnes Genre. Es bildet eine Brücke zwischen den späten 1960ern, den Studioexperimenten der 1970er und ganzen Musikfamilien, die erst später entstanden.

Was es besonders gut macht

Die größte Stärke des Buches ist sein Maßstab. Stubbs kann mühelos von einem politischen oder kulturellen Argument zu leidenschaftlicher Nahbetrachtung einer einzelnen Platte wechseln. Der Leser erhält ein historisches Gerüst, ohne das Gefühl zu verlieren, dass all dies letztlich wegen des Klangs selbst wichtig ist.

Diese Begeisterung gehört zu den Markenzeichen des Buches. Zeitgenössische Rezensionen lobten Recherche und Leidenschaft, und man versteht schnell, weshalb. Stubbs schreibt wie jemand, der überzeugt ist, dass diese Platten das Vokabular moderner Musik verändert haben.

Das Buch ist außerdem wertvoll für Leser, die bislang nur die größten Namen kennen. Kraftwerk und Can mögen die Eingangstüren sein, doch Future Days öffnet ständig weitere Seitengänge. Dadurch wird es zu einer effektiven Entdeckungsmaschine: ein Kapitel beenden und anschließend nach den Platten suchen.

Wo es frustrieren kann

Dieselbe Intensität, die dem Buch Energie verleiht, kann gelegentlich in Übertreibung kippen. Stubbs ist ein sehr expressiver Kritiker, und manche Musikbeschreibungen greifen nach ausgesprochen großen Metaphern. Leser, die trockene Chronologie oder diskografische Präzision bevorzugen, können die Prosa stellenweise als zu ekstatisch empfinden.

Hinzu kommt ein unvermeidbares strukturelles Problem: Kraftwerk wurden historisch so gewaltig, dass ihre Einordnung in eine allgemeine Krautrock-Erzählung die Proportionen verzerren kann. Ihre spätere elektronische Sprache reichte weit über den Rockrahmen hinaus, den der Genrebegriff nahelegt. Das Buch erkennt dieses Problem an, kann es aber nicht verschwinden lassen.

Und weil dies eine erzählerische Geschichte und keine Enzyklopädie ist, sollten Sammler, die vollständige Besetzungswechsel, Katalognummern oder jede obskure Privatpressung suchen, sie mit einem tieferen Nachschlagewerk wie The Crack in the Cosmic Egg kombinieren.

Wer sollte es lesen?

Beginne hier, wenn du Tago Mago, Neu!, Autobahn oder Phaedra gehört hast und die Welt verstehen möchtest, aus der diese Platten hervorgingen. Das Buch ist zugänglich genug für Einsteiger, bleibt aber substanziell genug, wenn die offensichtlichen Alben längst im Regal stehen.

Besonders stark ist es für Leser, die sich für das Verhältnis von Musik und Geschichte interessieren. Wenn du nur eine Rangliste essenzieller Alben willst, ist Julian Copes Krautrocksampler schneller und wilder. Wenn du verstehen willst, warum diese Explosion ausgerechnet in Westdeutschland geschah und weshalb ihre Folgen so weitreichend waren, ist Future Days der vollständigere Ausgangspunkt.

Exemplar finden

Bei diesem Buch ist das gewöhnliche aktuelle Taschenbuch meist die vernünftigste Leseausgabe. Sammler können auf frühere Hardcover und internationale Ausgaben stoßen, doch es gibt wenig Grund, einer seltenen Ausgabe hinterherzujagen, sofern das Sammeln des Buches selbst nicht Teil des Reizes ist.

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