Überblick
The Electric Prunes entwickelten sich aus den Sanctions, einer 1965 im San Fernando Valley gegründeten Garageband um Sänger James Lowe, Leadgitarrist Ken Williams, Bassist und Keyboarder Mark Tulin sowie Schlagzeuger Michael „Quint“ Weakley. Produzent Dave Hassinger brachte die umbenannte Band zu Reprise; die Tucker-Mantz-Komposition „I Had Too Much to Dream (Last Night)“ erreichte Anfang 1967 Platz 11 der US-Charts.
Der Katalog bildet kein stabiles Ensemble ab. Das selbstbetitelte Debüt und Underground dokumentieren Fuzz, Tremolo und den wachsenden Anteil selbstgeschriebenen Materials der ursprünglichen Gruppe. Mass in F Minor verbindet einige dieser Musiker mit den Collectors und weiteren Gastmusikern in einer von David Axelrod komponierten und arrangierten Musik. Die nächsten beiden Alben tragen den Namen Electric Prunes mit völlig anderen ausführenden Besetzungen weiter.
Gründung & Geschichte
Der Bandname begann als Scherz, von dem Lowe glaubte, dass die Leute ihn behalten würden – nicht als Ergebnis eines Traums. Nach der ersten Reprise-Single „Ain't It Hard“ ergänzten Schlagzeuger Preston Ritter und Rhythmusgitarrist James „Weasel“ Spagnola Lowe, Williams und Tulin für das Debütalbum. Hassinger wählte einen großen Teil des professionell geschriebenen Repertoires aus, doch Williams' oszillierende Fuzz- und Tremologitarre sowie die Spielweise der Gruppe machten „I Had Too Much to Dream“ unverwechselbar. „Get Me to the World on Time“ folgte in die amerikanischen Top 40.
Das im August 1967 veröffentlichte Underground gab den Musikern deutlich mehr Kontrolle über Kompositionen und Arrangements, während am Schlagzeug Ritter und Weakley wechselten und Mike Gannon Spagnola an der Rhythmusgitarre ablöste. Für das nächste Projekt holten Manager Lenny Poncher und Hassinger den Komponisten und Arrangeur David Axelrod. Die ursprüngliche Gruppe begann Mass in F Minor und vollendete die ersten drei Sätze als Band, bevor die Collectors und weitere Studiomusiker halfen, die anspruchsvolle sechsteilige Partitur fertigzustellen.
Dieses Hybridalbum erreichte Platz 135 der Billboard 200, doch die ursprüngliche Gruppe zerfiel im Laufe des Jahres 1968. Auf Release of an Oath ist kein ursprüngliches Mitglied von 1967 zu hören: Axelrod schrieb und arrangierte das siebenteilige Werk, Richard Whetstone sang die Hauptstimme, und Studiomusiker aus Los Angeles bildeten das Instrumentalensemble. Danach führte Whetstone eine Ersatzbesetzung auf Just Good Old Rock and Roll an, bevor auch diese Version um 1970 endete.
Lowe, Tulin, Williams und Weakley fanden 1999 im Studio wieder zusammen; daraus entstanden Artifact und weitere Veröffentlichungen. Lowe und Tulin blieben auf California und Feedback das zentrale Autorenteam. Nach Tulins Tod 2011 vollendete Lowe WaS aus ihren letzten ausgetauschten Ideen und neuem Gruppenmaterial. Die offizielle Bandwebsite gab Lowes Tod am 22. Mai 2025 bekannt und präsentiert den Katalog heute zu seinem Andenken.
Klang & Stil
Die frühe Signatur beginnt mit Williams' Kontrolle eines Bigsby-Vibratohebels durch Fuzz und Tremolo: Der Anfang von „I Had Too Much to Dream“ oszilliert, bevor die Rhythmusgruppe den Song verankert. Tulins Bass und Keyboards sorgen für Gewicht, während Lowe zwischen knappem Garage-Rock-Angriff, Mundharmonika, Autoharp und Studioeffekten wechselt. Hassingers Produktion macht Verzerrung und abrupte Wechsel zu Bestandteilen kompakter Singles, statt lediglich eine rohe Liveband zu dokumentieren.
Underground erweitert diese Sprache durch Gruppenarrangements, Orgel, ungewöhnliche Figurenlieder und einen größeren Anteil von Lowe-Tulin-Kompositionen. Mass in F Minor besitzt ein anderes Zentrum: Axelrods sechssätzige Partitur ordnet Fuzzgitarre, Orgel, Chor und Orchesterfarben dem Ordinarium der Messe zu. Da ursprüngliche Prunes, die Collectors und weitere Musiker beteiligt sind, darf der Klang weder vollständig der Tourband noch vollständig anonymen Studiomusikern zugeschrieben werden. Release of an Oath und die hart rockende Ersatzbesetzung auf Just Good Old Rock and Roll bilden wiederum eigene Phasen.
Zentrale Alben
Das im Februar 1967 veröffentlichte Debüt mit zwölf Titeln verbindet ein vom Produzenten ausgewähltes Repertoire mit dem unverwechselbaren Zugriff des Quintetts. Annette Tucker und Nancie Mantz schrieben die Titelsingle, die Platz 11 erreichte; Lowe und Tulin steuern nur zwei eigene Kompositionen bei, während Dave Hassinger produziert und David Botkin ausgewählte Titel arrangiert. „Get Me to the World on Time“ wurde die zweite US-Top-40-Single.
Schlüsseltitel: I Had Too Much to Dream (Last Night) · Get Me to the World on Time · The Toonerville Trolley
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1967Der Nachfolger vom August 1967 gibt der Band Autorencredits für den Großteil seiner zwölf Titel und einen gemeinsamen Arrangementcredit. Lowe und Tulin bilden das kompositorische Zentrum, während Williams, Weakley und weitere Mitautoren den Kreis erweitern. Ritter und Weakley teilen sich das Schlagzeug; der Wechsel von Spagnola zu Gannon zeigt, dass sich die Besetzung bereits unter einem geschlosseneren Gruppenstatement veränderte.
Schlüsseltitel: The Great Banana Hoax · Dr. Do-Good · Long Day's Flight
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1968Axelrod komponiert und arrangiert sechs Sätze entlang des Ordinariums der Messe; das „Kyrie“ verwendet Griechisch, die übrigen Texte Latein. Die ursprünglichen Prunes vollendeten die ersten drei Sätze als Band, und Lowe, Tulin sowie Weakley wirken über das Projekt hinweg mit; die Collectors und weitere Studiomusiker helfen jedoch bei der Fertigstellung. Die gemischte Besetzung und Platz 135 machen es zugleich zu einem Electric-Prunes-Album und zu dem Punkt, an dem die Kontrolle vom ursprünglichen Ensemble wegwandert.
Schlüsseltitel: Kyrie Eleison · Sanctus · Agnus Dei
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Weitere Empfehlungen
Release of an Oath
1968Eine siebenteilige Axelrod-Komposition rund um das Kol Nidre und verwandte sakrale Sprache. Kein ursprüngliches Prunes-Mitglied von 1967 spielt mit: Richard Whetstone ist der einzige dokumentierte Teilnehmer der damaligen Tourgruppe; hinzu kommen Studiomusiker wie Carol Kaye, Earl Palmer, Don Randi, Howard Roberts und Lou Morrell. Der Credit Electric Prunes belegt die Kontinuität des Namens, nicht der Besetzung.
Albumguide öffnen → Bei Amazon ansehen →Das „New Improved“-Cover bezeichnet eine Ersatzband, nicht die Rückkehr der ursprünglichen Prunes. Richard Whetstone, Mark Kincaid und Brett Wade bilden den Kern, Ron Morgan kommt an der Gitarre hinzu, und der ausscheidende John Herron behält einen Orgelcredit. Dave Hassinger produziert elf Titel mit Hard Rock, Orgel, Flöte und Vokalharmonien – ohne einen Musiker der Besetzung von 1967.
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„I Had Too Much to Dream (Last Night)“ eröffnet die ursprüngliche Nuggets-Kompilation von 1972 und stellt die Prunes damit an den Anfang des späteren Garage-Rock-Kanons, statt sie als zeitgebundene Kuriosität mit zwei Singles zurückzulassen. Platz 11 und der Top-40-Nachfolger „Get Me to the World on Time“ zeigen außerdem, dass diese experimentelle Popmusik ein landesweites Publikum erreichte.
Der weitere Katalog ist aus einem anderen Grund wichtig: Er macht Autorschaft und Zuschreibung hörbar. Underground zeigt, wie die frühe Gruppe Kontrolle gewinnt; Mass in F Minor dokumentiert eine schwierige Zusammenarbeit mit Axelrod und externen Musikern; Release of an Oath verwandelt den Bandnamen in den Credit eines Studioprojekts; und Just Good Old Rock and Roll überträgt diesen Namen auf eine Ersatzband. Die späteren Wiedervereinigungsplatten rücken Lowe, Tulin und zeitweise Williams und Weakley erneut ins Zentrum, ohne die Identitäten von 1968 und 1969 als austauschbar darzustellen.
Verknüpfte Wege durchs Archiv
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Quellen & weiterführende Lektüre
The Electric Prunes — offizielle Website — Nachruf auf James Lowe und aktuelles Bandarchiv.
Rhino — Geschichte von „I Had Too Much to Dream“ — Gründung, ursprüngliches Quintett, Reprise-Single und Platz 11.
Rhino — Underground — Veröffentlichung im August 1967, zwölf Titel und wachsender Autorenanteil der Band.
Rhino — Mass in F Minor — Axelrods Rolle, die Collectors, Chartresultat und Bruch der ursprünglichen Besetzung.
Cherry Red / Morello — Mass in F Minor und Release of an Oath — Mitwirkung der Originalband, sakrale Programme und Kontext der Studiobesetzung.
The Electric Prunes — WaS — Lowes Bericht über sein letztes mit Mark Tulin ausgetauschtes Material und die Vollendung des Albums.
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