Überblick
Traffic verbanden britische Psychedelia mit Rhythm and Blues, Folk und Jazz, ohne sich dauerhaft auf eine dieser Richtungen festzulegen. Steve Winwoods Stimme und Keyboards bildeten das Zentrum; Chris Woods Flöte und Saxofon, Jim Capaldis Schlagzeugspiel und Texte sowie Dave Masons kontrastierende Pop-Handschrift machten die frühen Aufnahmen ungewöhnlich beweglich. Der Katalog führt von kompakten Singles des Jahres 1967 zu den offenen, improvisatorischen Formen der frühen Siebziger.
Gründung & Geschichte
Winwood verließ 1967 die Spencer Davis Group und gründete Traffic mit Mason, Capaldi und Wood, nachdem sich die Musiker in der Clubszene von Birmingham begegnet waren. Sie arbeiteten in einem Cottage nahe Aston Tirrold in Berkshire. „Paper Sun“ erreichte im Sommer Platz fünf der britischen Charts, Masons „Hole in My Shoe“ folgte auf Platz zwei. Das britische Debüt Mr. Fantasy erschien im Dezember; die amerikanische Ausgabe trug einen anderen Titel und besaß eine abweichende Titelfolge.
Mason ging, kehrte für das selbstbetitelte zweite Album zurück und verließ die Gruppe erneut, weil sein kompaktes Songwriting immer weiter von der zunehmend improvisatorischen Richtung der anderen abwich. Traffic lösten sich erstmals auf, als Winwood 1969 zu Blind Faith wechselte. Aus Sessions, die Winwood als Soloalbum begonnen hatte und zu denen Wood und Capaldi stießen, wurde 1970 das Wiedervereinigungsalbum John Barleycorn Must Die. Spätere Besetzungen nahmen Ric Grech, den Perkussionisten Rebop Kwaku Baah und weitere Musiker auf; David Hood und Roger Hawkins aus Muscle Shoals trugen die Studio- und Liveaufnahmen von 1973. Nach When the Eagle Flies endeten Traffic 1974 erneut. Winwood und Capaldi belebten den Namen 1994 für Far from Home und eine Tournee wieder; 2004 wurde das ursprüngliche Quartett in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen.
Klang & Stil
Die frühen Singles verwenden phasenverschobene Percussion, Sitar, Mellotron und eng geführte Gesangsharmonien; die dauerhafte Identität der Band entsteht jedoch aus dem instrumentalen Dialog. Winwood wechselt zwischen Hammondorgel, Klavier, Gitarre und Bass; Wood antwortet mit luftigen Flötenlinien oder rauerem Saxofon, und Capaldi hält einen Rockpuls, ohne den Klangraum zu füllen. Mason bringt akustische Gitarre, Sitar und klar geformte Songs wie „Hole in My Shoe“ und „Feelin’ Alright?“ ein.
Auf John Barleycorn Must Die stellt das traditionelle Titelstück Winwoods Stimme und akustische Gitarre neben Woods Flöte, während sich „Glad“ über Klavier, Saxofon und Rhythmus statt über einen gesungenen Refrain entwickelt. The Low Spark of High Heeled Boys dehnt diese Methode auf längere Formen aus: Das Titelstück wächst geduldig aus E-Piano und einem sparsamen Groove, statt seine Länge mit ununterbrochenen Soli zu füllen.
Essenzielle Alben
Was als Winwood-Solosessions begann, wurde zum Trioalbum, als Capaldi und Wood hinzukamen. „Glad“ eröffnet mit klaviergeführtem Jazzrock, „Freedom Rider“ rückt Woods Blasinstrumente nach vorn, und das traditionelle Titelstück reduziert das Arrangement auf akustische Gitarre, Stimme, Flöte und zurückhaltende Percussion. Dieser Kontrast lässt die Wiedervereinigung bewusst statt zufällig wirken.
Schlüsseltitel: Glad · Stranger to Himself · Every Mother’s Son
Albumguide öffnen → Bei Amazon ansehen →Mr. Fantasy
1967Das britische Debüt versammelt nicht einfach die Hitsingles: „Paper Sun“ und „Hole in My Shoe“ fehlten in der ursprünglichen Titelfolge. Stattdessen bewegt es sich zwischen Masons kompaktem „House for Everyone“, dem modalen Schweben von „Heaven Is in Your Mind“, Woods bläsergeführtem „Giving to You“ und dem langsamen emotionalen Sog von „Dear Mr. Fantasy“. Die Reihenfolge zeigt eine Band, die schon damals größer war als ihr Psychedelic-Pop-Ruf.
Schlüsseltitel: Heaven Is in Your Mind · Dealer · Giving to You
Albumguide öffnen → Bei Amazon ansehen →Die erweiterte sechsköpfige Besetzung macht Freiraum zum Ordnungsprinzip. „Hidden Treasure“ beginnt akustisch; das elfminütige Titelstück wächst aus Winwoods E-Piano und Jim Gordons gemessenem Beat zu Höhepunkten von Saxofon und Gitarre; „Rock & Roll Stew“ antwortet mit härterem Ensembledruck. Das Album verbindet lange Entwicklungen mit deutlich voneinander abgesetzten Songtexturen.
Schlüsseltitel: Hidden Treasure · The Low Spark of High Heeled Boys · Many a Mile to Freedom
Albumguide öffnen → Bei Amazon ansehen →Affiliate-Hinweis: Über Amazon-Links auf dieser Seite kann RetroForge Records eine kleine Provision erhalten, ohne Mehrkosten für Sie.
Weitere Alben
Traffic
1968Auf dem selbstbetitelten zweiten Album ist Masons Songwriting am stärksten in den Gruppensound eingebunden; „Feelin’ Alright?“ entwickelte sich weit über Traffic hinaus zu einem Standard.
Albumguide öffnen → Bei Amazon ansehen →Die erweiterte Besetzung in voller Bewegung: Roger Hawkins und David Hood aus Muscle Shoals verleihen Winwoods Songs ein präzises, schweres Southern-Soul-Fundament.
Albumguide öffnen → Bei Amazon ansehen →On the Road
1973Ein Livedokument der Tourbesetzung, auf dem sich die Stücke in ausgedehnte Gruppenimprovisationen verwandeln. Es zeigt deutlicher als die Studioalben, wie stark Traffic auf der Bühne von rhythmischer Reaktion lebten.
Albumguide öffnen → Bei Amazon ansehen →Warum sie weiterhin wichtig sind
Traffics Bedeutung liegt darin, wie selbstverständlich die Band zwischen unterschiedlichen Formaten wechselte. Die Charterfolge von „Paper Sun“ und „Hole in My Shoe“ belegen ihren kompakten Psychedelic Pop; John Barleycorn Must Die und The Low Spark of High Heeled Boys zeigen dieselben Musiker, wie sie aus Folkstoff, Jazzphrasierung und Rhythm-and-Blues-Gewicht ganze Albumdramaturgien bauen. Woods Flöte ist eine tragende Stimme statt Verzierung, während die Partnerschaft von Winwood und Capaldi der Improvisation einen festen textlichen und melodischen Rahmen gibt. Die Aufnahme in die Rock & Roll Hall of Fame 2004 würdigte einen Katalog, der den Wortschatz des britischen Rock erweiterte.
Quellen & weiterführende Lektüre
Official Charts — Chartgeschichte von Traffic
Rock & Roll Hall of Fame — Traffic
AllMusic — Traffic-Biografie
AllMusic — Shoot Out at the Fantasy Factory credits
Wikimedia Commons — Fotografie und Rechteinformationen
Verbundene Archivwege
Diese Band entdecken
Weiter durch den RetroForge-Wissensgraphen
Kuratierte Wege zu Menschen, Platten, Ereignissen und Ideen im größeren musikalischen Zusammenhang.
Genres und Szenen
- Psychedelic Pop
- Psychedelic Rock
Klänge und Instrumente
- Hammond-Orgel
- Mellotron